achteskapitel1

Zurück

 

-- I/VI --

 

"Todmatt vom Streiten saßen die Helden oder lehnten an der Mauer, wo der Wind die Panzer kühlte. Das Tosen war verhallt, lange Zeit blieb es still. Das Königspaar lauschte vergeblich hinüber nach dem Klang der Waffen, und sie kamen in große Sorge. ´Sollte Rüdiger den Burgunden Frieden gegeben haben?´ fragte Kriemhild; ´dann wären wir betrogen um unsere Gaben und um unsere Rache.´ und sie rief hinüber nach dem Saal: ´Verrate uns nicht, Rüdiger, gib keinen Frieden!´ Da rief Volker zurück: ´Nur zu treu war er Euch, Frau Kriemhild! Er ist gefallen mit all seinen Mannen! Und wollt Ihr es nicht glauben, so seht´s mit eigenen Augen!´ Sie hoben Rüdigers Leiche auf und brachten sie zur Tür, daß Etzel und Kriemhild sie sehen konnten. Etzel schrie auf vor Jammer, und es erhob sich laute Klage, von der die ganze Burg erscholl.

 

Der Weheruf drang bis zu Dietrichs Herberge, und er klang so jammervoll, daß die Helden fürchteten, Etzel selbst oder Kriemhild möchten zu Tode gekommen sein. Der kühne Wolfahrt erhob sich, hinzugehen und zu fragen; aber Dietrich entsandte den besonnenen Helferich. Bald kam er mit weinenden Augen zurück und brachte die Nachricht, daß Rüdiger erschlagen sei. ´Das kann nicht sein´, sprach Dietrich, ´es hätte denn der Teufel sein Spiel getrieben! Ich weiß doch, daß er den Burgunden immer hold war.´ Wolfhart rief: ´Wenn es geschehen ist, dann muß es ihnen allen ans Leben gehen! Schande wär´s, das zu ertragen, da Rüdiger uns stets so treu zu Diensten war!´ Dietrich wollte aber erst noch genaue Kunde haben; daher schickte er Hildebrand zu den Burgunden, um sie zu befragen. Er selbst setzte sich ins Fenster, und ihm war das Herz schwer.

 

Ohne Waffen machte sich der Meister auf, aber sein Neffe Wolfhart hielt ihn an: ´Wollt Ihr, daß sie Euer spotten und Euch mit Schande heimschicken? Legt die Waffen an, dann werden sie es überlegen!´ Zu seinem Schaden folgte der erfahrene Alte dem ungestümen Jungen. Als er nun gerüstet zum Saal der Burgunden ging, sah er, daß ihm die Berner Recken mit dem Schwert in der Hand folgten; das war ihm unlieb, aber sie sagten: ´Wenn wir mitkommen, wird Hagen sich wohl hüten, Euch zu verhöhnen!´ Da widersprach er nicht mehr.

 

Als Volker sie gewaffnet nahen sah, sprach er: ´Dietrichs Mannen kommen als Feinde; jetzt wird es hart hergehen!´ Hildebrand setzte den Schild vor die Füße und nahm das Wort: ´Mein Herr Dietrich schickt mich, euch zu fragen, ob wirklich Markgraf Rüdiger von eurer Hand erschlagen liegt; schwer zu tragen wäre ihm solches Herzeleid.´ Hagen antwortete: ´Ja, es ist wahr, obwohl ich euch und dem edlen Rüdiger wünschte, er lebte noch.´ Da begannen die Recken zu klagen, die Tränen liefen ihnen in den Bart, einer nach dem anderen sprachen sie ein Wort zu des Toten Preise."

 

 

         

 

 

 

 

 



Gratis Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!