achteskapitel2

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-- II/VI --

 

"Hildebrand mochte vor Leid nicht weiterfragen, sondern sagte nur: ´So gebt uns denn nach dem Willen unseres Herrn den toten Rüdiger heraus, damit wir ihm seine Treue vergelten können! Laßt uns nicht warten: wir wollen dem Toten alle Ehren erweisen, die wir lieber noch dem Lebenden erwiesen hätten.´ Gunther antwortete: ´Kein Dienst ist so zu loben wie der, den der Freund dem toten Freunde tut. Rüdiger hat es um euch verdient, daß ihr ihm Treue haltet.´ Aber schon rief Wolfhart ungeduldig: ´Wie lange sollen wir bitten? Da ihr uns unseren besten Freund erschlugt, so gebt ihn sofort heraus, damit wir ihn begraben!´ Da entgegnete ihm Volker: ´Wir bringen ihn euch nicht hin! Holt ihn selbst aus dem Saale, damit euer Dienst sich lohnt!´

 

´Reizt uns nicht, Herr Fiedler!´ entgegnete Wolfhart drohend; ´ihr tatet uns Böses genug! Es sollte euch übel ergehen, hätte uns unser Herr nicht den Streit verboten.´ Aber spottend antwortete Volker: ´Gern unterlässt ein Furchtsamer, was man ihm verbietet; das scheint mir nicht der richtige Heldenmut!´ - und Hagen lachte dazu. Voll Zorn rief Wolfhart: ´Schweigt, Fiedler, oder ich will Euch die Saiten verstimmen, daß Ihr noch am Rhein daran denkt – wenn Ihr je wieder hinkommt!´ Aber Volker lachte: ´Versucht´s, ich werde Euch dafür das Licht Eures Helms ausputzen, so wahr ich an den Rhein zurückzureiten gedenke!´ Jetzt wollte Wolfhart gegen ihn anspringen, doch Hildebrand hielt ihn noch einmal zurück: ´Willst du in deinem dummen Zorn unseres Herren Huld verlieren?´ Aber als Volker höhnisch rief: ´Laßt doch den Löwen los, Meister, da er gar so grimmig ist! Kommt er mir nahe, dann will ich ihn schon zahm machen!´ - da riß sich Wolfhart los und sprang wie ein Löwe gegen den Saal an. Schon war er an der Stiege, da kam ihm Hildebrand zuvor; denn sollte gekämpft werden, so wollte er selbst der erste sein.

 

Gegen Hagen stürmte Hildebrand und gegen Volker Wolfhart, Feuer sprühte von ihren Schlägen aus den Schwertern, und die Helme lohten, doch wurden die Paare von den Nachdrängenden geschieden. Nun wütete der Kampf durch den ganzen Saal, links und rechts sanken die Helden nieder. Als Herzog Siegstab einen Burgunden nach dem anderen zu Boden hieb, sprang Volker ihm entgegen und traf ihn mit dem Schwerte auf den Tod; aber da kam Hildebrand über den Spielmann, er schlug ihn durch Helm und Schild, daß Splitter bis zu der Saalwand stoben und Volker tot niederstürzte. Vergebens tobte Hagen, als er den Freund erschlagen sah, er konnte nicht an Hildebrand herankommen, obwohl er sich immer von neuem eine Gasse durch die Feinde mähte."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

 

 



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