achteskapitel4

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-- IV/VI --

 

"Das war der größte Schmerz, den Dietrich je erfuhr. ´Nun hatt Gott meiner vergessen´, sprach er; ´ich war ein mächtiger König: jetzt bin ich ganz arm. Wolfhart verlor ich und Siegstab und Helferich und all meine Recken – wer soll mir nun helfen, das Amelungenreich wiederzugewinnen? Unglück ist mir bestimmt, sonst hätte es nicht geschehen können, daß alle diese Helden hinsinken mußten vor den kampfmüden Burgunden. Aber sagt: wer blieb von denen übrig?´ ´Keiner mehr als allein Gunther und Hagen´, antwortete Hildebrand.

 

Laut klagte Dietrich, daß es durchs ganze Haus hallte, als er sich in die Rüstung warf; aber da er sie auf dem Leibe fühlte und den Schild fasste, verstummte er und ging dahin als ein grimmiger Held. Hagen sah ihn kommen und sprach zu Gunther: ´Dort naht Dietrich, um zu rächen, was wir ihm antaten! Heut soll sich´s erweisen, wer der beste ist! So stark er sich dünkt, ich traue mich wohl, ihn Mann gegen Mann zu bestehen!´ Das hörte Dietrich, als er vor die beiden hintrat, die vor dem Saal an die Wand gelehnt ihn erwarteten. Auf den Schild gestützt, sprach er voll Gram zu ihnen: ´Warum, ihr Herren, habt ihr so böses an mir gehandelt, der ich hier selbst ein Heimatloser bin? Was tat ich euch, daß ihr mich aller meiner Mannen beraubtet? War es nicht schon schlimm genug, daß ihr Rüdiger erschlugt´ ´Wir sind nicht so schuldig, wie es scheint´, entgegnete Hagen; ´Eure Degen kamen hierher gewaffnet, in breiter Schar wie Feinde.´ ´Aber sie baten euch nur, ihnen Rüdiger herauszugeben´, sagte Dietrich; ´das habt ihr ihnen mit Hohn verweigert.´ Darauf antwortete Gunther: ´Wir verweigerten es nur Etzel zum Trotz, nicht den Deinen zuleide; aber Wolfhart begann darum uns zu schelten.´

 

Da sprach Dietrich: ´So sollte es denn so sein. Aber nun, edler König, sühne mir das Herzeleid, das du mir tatest, und ergib dich samt Hagen als Geisel in meine Hand! Ich will nach allen meinen Kräften verhüten, daß euch von den Hunnen ein Leid geschieht, und ihr sollt meine Treue kennenlernen.´ ´Verhüte Gott´, antwortete Hagen, ´daß sich Euch zwei Degen ergeben, die frei in voller Wehr vor Euch stehen!´ ´Verweigert es nicht!´ sprach Dietrich weiter; ´ihr habt mich so bitter gekränkt, daß ihr das gutmachen müsst. Ich schwör´s euch in die Hand: Ich will euch selbst in Ehren heimgeleiten oder des Todes sein.´ ´Dräng nicht länger in uns´, antwortete Hagen; ´es würde sich schlecht ziemen, wenn sich zwei Degen in die Hand eines einzigen ergäben.´ Da sprach Dietrich: ´Sagt, Hagen, hörte ich vorhin recht: Ihr wollt mich Mann gegen Mann im Streite bestehen?´ ´Das leugne ich nicht´, antwortete Hagen, ´und mich gelüstet danach; denn es kränkt mich, daß Ihr uns zwei als Geiseln fordertet.´"

 

 

 

         

 

 

 

 

 

 



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