achteskapitel6

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"Da sprach sie: ´Üble Sühne bietest du mir! Aber eines soll doch mein werden: Siegfrieds Schwert. Das trug mein Geliebter, als ich ihn zum letzten Male sah, ehe du ihn mir erschlugst!´ Sie zog es ihm aus der Scheide, ohne daß er es wehren konnte, schwang es mit beiden Händen hoch und schlug Hagen das Haupt ab.

 

König Etzel sah mit Trauer und Entsetzen, wie der beste Held von eines Weibes Hand erschlagen lag; es war ihm leid um Hagen, sosehr er ihn gehaßt hatte. Aber der alte Hildebrand sprach: ´Dieser Tat soll die Frau sich nicht freuen! Was mir auch widerfahr, und ob es auch mich selbst in schwere Not brächte: ich will den Tod des kühnen Hagen rächen!´ Im Zorn sprang er gegen Kriemhild los, und es half ihr nichts, daß sie gräßlich aufschrie: mit einem Schwung des Schwertes schlug er sie zu Tode. Über all die Toten erhoben Dietrich und Etzel große Klage. Ruhmreiche Helden waren gesunken, mit Leid geendet war das Fest, wie immer Leid der Liebe und des Lebens Ende ist.

 

Schwerer Trauer voll waren die Tage, an denen die Toten aus dem Saal gebracht wurden, damit man sie bestatte. Von Leiche zu Leiche schreitend erkannten Dietrich und Hildebrand die Helden, gesenkten Hauptes standen sie vor dem toten Rüdiger, dem starken Gernot und dem jungen Giselher, mit Schmerz sahen sie die eigenen Getreuen erschlagen liegen, und Tränen stürzten dem alten Hildebrand aus den Augen, da er seinen Neffen Wolfhart fand, der das Schwert noch fest mit der starrern Faust umklammerte, daß es sich nicht herausbrechen ließ. ´Was sollen wir noch länger in diesem Land?´ sprach Dietrich zu dem alten Meister, da das riesige Leichenbegräbnis vorüber war. ´Jetzt ist keiner mehr hier, der zu uns gehört. Laßt uns heimziehen, gleichviel, was uns geschehe: lieber will ich in meinem Reiche kämpfend sterben als in der Fremde vor Alter.´ Hildebrand antwortete: ´Ja, laßt uns heimziehen! Diesmal wird Etzel uns kein Heer mitgeben, denn zu viele der Hunnen sind gefallen. So wollen wir die Fahrt allein wagen, ob es Etzel lieb sei oder Leid, daß wir aus dem Lande reiten!´ So ward es besprochen und am nächsten Tage auch getan.

 

Und in großem Glück hausten die Helden zusammen viele Jahre. Dietrich aber saß nicht immer daheim, sondern machte noch gar viele kühne Fahrten und bestand noch so manches Abenteuer, das ihm Ruhm und Ehre brachte. Nicht nur mit Helden kämpfte er, sondern auch mit Riesen im wilden Wald und mit Zwergen im hohen Berg. Als er dann einst von einer weiteren Fahrt wieder heimkam, fand er seinen Blutsfreunde Hildebrand tot. Da ward alle seine Freude in Trauer verkehrt, und dem Toten zu Ehren nahm er an seinem Grabe das Kreuz."

 

-- Und hier findet die Mär ihr grausiges End --

 

 

 

         

 

 

 

 



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