beowulfdrachen3

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-- III/III --

 

"Voll tiefer Trauer sah der Jüngling sodann auf die Leiche des Herrn, aber auch mit Stolz: denn neben ihm lag der Drache erschlagen, wohl fünfzig Fuß lang, an seiner eigenen Glut langsam dahin verschwelend, und das Banner wehte strahlend über den gewonnenen Schätzen. Jetzt fühlte Wyglaf erst, wie sehr ihn der Kampf doch hatte ermatten lassen, so harrte er neben dem toten König. Doch jetzt wagten sich die zehn Genossen herbei, die gar so treulos ihren Herrn im Stich gelassen hatten, und voller Scham kamen sie näher. Da richtete sich Wyglaf auf, blickte sie finster an und sprach: ´Weggeworfen waren die Rüstungen und Kleinode, mit denen Euch unser König beschenkte. In der Stunde der Not stand er allein, auf die eigene Wehr angewiesen, nur von mir unterstützt, dessen Kraft allzu schwach war. Nun werden Euch keine Schätze und edle Schwerter mehr zuteil werden, ohne Erbe und ohne Ehre werdet Ihr hinfahren und gar elendig aus dem Lande weichen, wenn die Edlen daheim Eure wertlose Flucht erfahren! Der Tod wäre Euch besser als so ein schmähliches Leben!´ Dann sandte er sie weg, die traurige Kunde den Mannen zu bringen, die unten am Meer bange auf das Ende des Kampfes uns die Rückkehr des Helden warteten. Großer Jammer erhob sich, als der Bote ihnen meldete: ´Tot liegt unser gütiger Herr neben dem toten Lindwurm, und über den König hält der treue Wyglaf Wache, ein Edler beim Edlen.´ Sorgenvoll sprachen sie untereinander: ´Blutige Zeiten erwarten uns, wenn Friesen und Franken von Beowulf´s Fall erfahren! Auch den Schweden ist nicht zu trauen in dieser bösen Stunde. Alter Zwist glimmt immer noch zwischen uns und vielen Völkern, und jetzt wird er entbrennen!´

 

Sie kamen zur Kampfstätte und sahen den toten König, an dessen Schulter der treue Wyglaf saß, den Lindwurm liegen, in seiner ganzen Riesenlänge, jetzt zu Kohle gebrannt, und sahen die Kleinode glänzen; doppelt laut brach die Klage aus über den Helden, der solchen Sieg erstritt. Da erhob sich Wyglaf und sprach: ´Alle müssen wir trauern um den Einen; nichts konnte ihn zurückhalten von dem schweren Streit, der ihm doch nur den Tod brachte. Mit seinem Leben erkaufte er den Hort des Drachen; hier liegt, was ich in Eile heraustragen konnte, noch viel mehr liegt aber noch im Gewölbe. Sterbend bat mich der König, Euch zu grüßen und zu sagen, daß Ihr ihm hoch am Meer den Hügel wölbt. Nun kommt, ich weise den Weg, rasch in die Höhle hinein und schaut, was dort noch liegt!´ er rief sieben bewährte Kämpen herbei und schritt ihnen mit einer Fackel voran. Sie fanden Gold über Gold und trugen es hinaus. Als es dann so hochgehäuft vor ihnen lag, sprach Wyglaf: ´Diesen Schatz soll keiner haben außer dem, der ihn erstritt: Wenn der König Beowulf auf dem Holzstoß liegt, sollen die Kleinode schmelzen in der gleichen Flamme, die auch seinen Leib verzehrt! Aus diesem Hort soll kein Ring einen Recken, kein Geschmeide eine Jungfrau schmücken! Schwere Zeit erwartet uns, da der Lenker des Reiches starb; Kampf droht, wir brauchen nicht Schmuck, wir brauchen Waffen! Zum Speer wird unsere Faust am frühen Morgen greifen, nicht Harfenklang wird uns wecken, sondern das Gekrächz des schlachtenfrohen Raben, der sich darauf freut, des Abends mit Adler und Wolf den Fraß zu teilen! Nun aber tragt den toten Gebieter heim und schichtet ihm das Holz, daß die lichte Lohe ihn verzehre!´

 

Sie warfen die Reste des Drachens vom Felsen ins Meer, die Schätze aber führten sie in Wagen hinweg, den toten König trugen sie aber auf ihren Schultern hinab zum Strande – schneeweiß rahmte Haar und Bart sein Haupt auf der Bahre. Sie schichteten die Scheite und behängten den Bau mit Schilden, Helmen und Brünnen. Den ganzen Hort warfen sie hinein und legten den toten Beowulf in die Mitte. Dann entfachten sie den Brand; ungeheuer rauschte die Flamme empor durch den Rauch, Wind und Wehklage peitschten sie höher und höher, und sie sank erst, als die Glut das Herz des Königs erreicht hatte. Über die Brandstelle häuften die Gauten den Hügel, hoch und breit, weithin den Schiffen sichtbar. Zehn Tage brauchten sie zu dem Werk. Von Erde hoch bedeckt lag, was geblieben war von Held und Hort. Um den Hügel herum ritten zwölf Degen, aus den Edelsten erwählt, sie erhoben die Totenklage und sangen die Taten des toten Herrschers zu seinem ruhmvollen Gedächtnis. Laut erscholl sein Preis: ´Er war von allen Königen der Welt der kühnste und der gütigste, Lob und Liebe folgen ihm über das Grab hinaus!´"

 

-- Das ist das Ende der Mär --

 

 

         

 

 

 

 

-- Beowulf, König am Gautenhof --

 

 

 

 

 

 

 

 



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