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-- II/VI --

 

"Die Helden ließen das Schiff verankert in der Bucht und schritten dem Wächter nach, eine herrliche Schar unter reich verzierten Helmen. Als der Saalbau in goldenem Glanz vor ihnen lag, wies ihnen der Führer den steingepflasterten Zugang, während er selbst umkehrte, um sein Wächteramt weiter zu pflegen. In ihren strahlenden Brünnen und klirrenden Panzerringen gingen sie bis zur Burg, lehnten ihre Schilde an die Mauer, stellten die Eschenspeere mit den Eisenspitzen zusammen und setzten sich auf die Bank. Ein Saalgenosse des Königs kam, um sie zu empfangen. ´Woher naht Ihr im herrlichen Waffenschmuck? Sagt´s mir, damit ich es Rodgar melde! Ich meine, Ihr kommt nicht als Vertriebene hierher, sondern aus heldschem Mut!´ Beowulf antwortete: ´Beowulf bin ich, Hygelak´s Freund, und sagte gern meine Botschaft dem gütigen König selbst, wenn er uns erlaubt, ihn zu begrüßen!´ Als Rodgar die Meldung empfing, und den Namen des Helden hörte, sprach er: ´Ich kannte ihn als Knaben, und seinen Vater auch, seither erzählten mir die Seefahrer manches von der Kraft seiner Faust. Vielleicht ist er der Held, dessen wir bedürfen. Laßt ihn herein zu mir!´ Da rief der Bote durch die Saaltür den Gästen zu: ´Mein König heißt Euch willkommen. Tretet ein im Schmuck der Waffen, aber Schilde und Lanzen laßt draußen, wie der Brauch es gebietet!´

 

Sie schritten durch den Saal hin zum Hochsitz, und Rodgar,  inmitten seiner Mannen, erhob sich zum Empfang. Unterm Helm, den ein goldener Eber krönte, sprach Beowulf zum König: ´Heil dir, Rodgar! Ich bin Hygelaks Genosse, und er hieß meinen Entschluß, zu Euch zu gehen, gut; denn er weiß, daß ich schon so manchen Kampf mit Riesen und Ungeheuern bestand. Wir hörten, wie von Grendel´s Wüten die herrlichste Halle der Welt verödet. Drum laßt es mich mit ihm wagen! Ich und meine Genossen wollen den Saal für Euch säubern! Da Waffen dem Ungeheuer nichts anhaben können, so will ich ohne sie kämpfen, allein dem Griff meiner Faust vertrauend; ringen will ich mit ihm auf Leben oder Tod! Seid auch bitte nicht besorgt um mein Leben! Mag mich Grendel auch fressen im wilden Moor, wenn er mich besiegen sollte! Nichts liegt mir daran, daß Ihr meine Leiche bergt; nur meine Brünne sende dann an Hygelak: sein Vater schenkte sie einst mir, und sie ward von Wölund geschmiedet.´ Ihm erwiderte der König: ´Mich freut es, Freund Beowulf, das Ihr es seit, der uns Erlösung verheißt. Auch Eurer Vater war ein gewaltiger Kämpfer und Krieger; ich kannte ihn wohl und konnte ihm einmal gute Dienste leisten, da er aus seiner Heimat vertrieben worden war: damals schwuren wir uns ewige Freundschaft. Nun kommt Ihr als Erbe des Bundes, mich aus der Not zu befreien. Sie ist wahrlich groß, zu viele meiner Getreuen verlor ich durch Grendel´s Tücke. Jetzt aber setzt Euch mit Euren Helden zum Mahl und stärkt Euren sieghaften Mut!´

 

Den Gästen wurde eine Bank geräumt und Äle in schön geschnitzte Krüge geschenkt; ein Spielmann sang fröhlich seine Weisen zu aller Freude. Nur einer weilte im Saal, der Beowulfs kommen ungern sah: Hunferd, der sich bisher der beste unter den Tischgenossen Rodgars gedünkt hatte. Streitsüchtig fragte er den Gast: ´Wart Ihr es nicht, der mit Breka einst um die Wette schwamm? Tüchtig habt Ihr euch ja gehalten sieben Nächte lang, aber doch war er es, der den Streit gewann. Nun kommt Ihr zu einem weit schlimmeren Kampf – seht zu, daß Ihr es nicht bereut, auf Grendel gewartet zu haben.´ Beowulf antwortet ihm gelassen: ´Das Bier redet aus Euch, mein Freund, wenn du erzählst, ich sei im Wettschwimmen mit Breka unterlegen. Alle wissen, daß ich ihn besiegte – und zudem im Meer noch neun Ungeheuer tötete. Könnt Ihr euch einer solchen Tat rühmen? Wärt Ihr wirklich so kühn, dann verübte Grendel wohl längst nicht mehr seine Greuel in des Königs Halle; er hat sich stets seinen Fraß geholt, ohne Euch zu fürchten! Nun aber soll er unsere Stärke fühlen! Kommt morgen früh in den Meetsaal, wenn die Sonne fröhlich erwacht!´"

 

 

 

         

 

 

 

 

-- Die Recken erreichen Rodgar´s Reich --

 

 

 

 

 

 

 



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