beowulfgrendel6

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-- VI/VI --

 

"Gar lange hatte sich Beowulf verweilt. Als er die Unholde um die Häupter gekürzt hatte, sah er plötzlich von ihrem Blut die Klinge schmelzen wie Eis an der Sonne des Frühlings, so daß ihm nur Griff noch in der Hand verblieb. Ihn nahm er mit, dazu Grendel´s Haupt, dann begann er den Aufstieg aus dem grausigen Abgrund. Lange, lange mußte er sich mühen, bis sein kopf endlich dem Wasser enttauchte; stolz schwamm er mit seiner Siegesbeute ans Ufer, wo die Genossen ihn empfingen, nach tiefem Leid jetzt vor Freude trunken. Sie zogen ihm die Rüstung ab und führten ihn im Triumphe heim; aber Grendel´s Haupt zu tragen hatte keiner die Kraft. Sie hängten es über eine Lanzenstange, und die vier kräftigsten unter ihnen mussten mit all ihrer Kraft anpacken.

 

So kamen sie zur Hirschburg und schleppten das gar grausige Beutestück in den Saal. ´Seht hier das Zeichen des Sieges!´, sprach Beowulf zu dem Dänenfürsten, ´und nehmt als zweite Gabe den Griff des Riesenschwertes, dessen Klinge im heißen Blute der Ungeheuer schmolz! Nun mögt Ihr mit Euren Genossen sorglos schlafen in dem herrlichsten aller Säle!´ Damit reichte er dem König den Schwertgriff, ein Wunderwerk riesischer Schmiedekunst, reich an Runen verziert. Der König nahm es und sprach: ´Sehr alt bin ich geworden, ein halbes Jahrhundert herrsche ich nun schon über dieses Reich, darum darf ich wohl sagen: Nie ward ein besserer Held geboren als Ihr! Möget Ihr lange genug Leben, den anderen zum Heil, wie Ihr mir zum Heile ward! Dunkel und freudlos drohte meines Lebens Rest zu werden; Euch danke ich, das ich noch erschauen darf, was meinem Herzen Freude gibt: des Ungeheuers abgeschlagenes Haupt! Setzt Euch, glorreicher Sieger, erfreut Euch mit uns Frohen und empfangt morgen, was ich Euch an Kleinoden zu bieten habe.´

 

Sie saßen im Saale und feierten hochgemut den herrlichen Sieg, bis in die weite Nacht hinein, als sie sich wie ein dunkler Helm über die Erde beugte. Aber mit dem blitzenden Frühlicht standen die Gauten auf, sich zur Heimfahrt zu rüsten. Zum abschied gelobte Beowulf dem Dänenkönig Freundschaft und Hilfe, wann immer er sie brauchen sollte, in seinem Namen und im Namen Hygelak´s. Und Rodgar bekräftigte den Freundschaftsbund zwischen den Gauten und den Dänen. ´Lang lebe Euer König!´, sprach er zum Schluß; ´begäbe es sich aber durch des unbekannten Schicksals Willen, daß er von dir fiele durch Eisen oder Krankheit, so könnten die Gauten keinen besseren an seine Stelle setzen als Euch selbst!´ Zwölf edle Kleinode reichte er dem Helden, dann umarmte und küßte er ihn, und die Tränen rannen Rodgar in den grauen Bart. Kurz darauf flog das Schiff Beowulf´s von dannen, reich mit Schätzen beladen, der heimatlichen Küste zu die den Heimkehrenden bald schon ihre Klippen aus der tosenden Flut hob.

 

Hygelak empfing den Freund und Genossen in hohen Ehren, er führte ihn zum Hochsitz, und die edle Königin schenkte ihm Met ein, während er freizügig erzählte. Er schenkte dann dem König Helm, Brünne und Schwert, und noch dazu vier der Rosse, allesamt glänzende Apfelschimmel, der Königin aber schenkte er den goldenen Halsring und drei reich gesattelte nachtschwarze Rappen. Hygelak aber schenkte ihm dafür ein herrliches Asenschwert und begabte ihn noch reich mit Land und Leuten; ja, der throngeborene König machte den Gefolgsmann sich gleich und herrschte fortan mit seinem besten aller Genossen gemeinsam über das Reich der Gauten."

 

-- Das ist das Ende der Mär --

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Die Moorhexe - Mutter von Grendel --

 

 

Beowulf ist ein stabreimendes, altenglisches Epos eines unbekannten geistlichen Verfassers aus dem 8. Jahrhundert. Mit 3182 Langzeilen ist Beowulf das umfangreichste altgermanische Heldengedicht.

 

 

 

 



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