dasultamaedchen1

Zurück

 

-- I\II --

 

-- Diese Sage stammt aus Finnland --

 

"Es waren einmal zwei Burschen, die um dieselbe Frau freiten. Als das Frühjahr kam, zogen die beiden und die Frau in Gemeinschaft mit anderen Leuten nach einer weit im Meer draußen gelegenen Insel, um Fische zu fangen. Auf der Insel waren auch Fischerhütten erbaut, da dieser Ort von alters her als ausgezeichneter Fischplatz bekannt war und die Leute in der Regel bis zum Herbste dort blieben. Das Mädchen und die beiden Burschen bewohnten dieselbe Hütte und fischten in demselben Boote. Allmählich begann jedoch der eine der Männer zu bemerken, daß die Frau ihm weniger Aufmerksamkeit schenkte als seinem Kameraden. Hierüber ärgerte er sich und sann darüber nach, auf welche Weise er wohl seinen Nebenbuhler am besten aus dem Wege räumen könnte.

 

Als die Fischer wieder die Heimreise antraten, richtete er es so ein, daß er, das Mädchen und sein Kamerad die letzten waren, welche den Fischplatz verließen. Als nun auch sie alle ihre Sachen in das Boot gebracht hatten und schon zum abrudern bereit waren, sagte der Bursche, um den das Mädchen sich nicht kümmerte, zu seinem Kameraden: ´Ah, ich habe mein Messer oben in der Hütte vergessen, also spring doch hinauf und hole es mir, dann bist du ein guter Kerl.´ Dieser tat dies, ohne den geringsten Verrat zu ahnen, war jedoch noch nicht weit gekommen, als der Kamerad das Boot abstieß und mit dem Mädchen davonruderte. Er war nun ganz allein auf der Insel und hatte nichts, womit er sich forthelfen konnte außer das Messer, welches der falsche Kamerad  zurückgelassen hatte. Er machte sich einen Bogen, und mit diesem schoß er Strandvögel, die er sodann am Feuer briet. Auf diese Weise fristete er sein Leben fort bis Weihnachten. Am Weihnachtsabend trug er eine größere Menge Brennholz zusammen und stapelte es gerade vor der Tür der Hütte zu einem großen Haufen auf, um nicht während der Weihnachtstage Holz holen zu müssen. Abends, als er mit dem Holzstoß fertig war, saß er eine Weile vor der Tür und blickte sehnsuchtsvoll nach dem Festlande hinüber. Da bemerkte er plötzlich ein Boot, welches auf die Insel zusteuerte. Der Bursche freute sich, glaubte er doch, dass es Menschen wären, die auf die Insel kämen. Aber als das Boot näher kam, schien es ihm allerdings etwas sonderbar auszusehen, und als es dann anlegte und die Leute ans Land stiegen, erkannte er bald, das es nicht ´Albma-olbmuk´, das heißt, Leute von dieser Welt oder richtige Menschen, sondern Ulta-Leute waren. Er kroch deshalb hinter den Holzstoß und versteckte sich, jedoch so, dass er sie ungehindert beobachten konnte. Nun stiegen alle ans Land. Es war eine große Gesellschaft, die allerlei Kram bei sich hatte. Unter den Frauen befanden sich zwei junge Mädchen, die sehr schön und dabei auch hübsch gekleidet waren. Jedes trug einen Proviantkasten in der Hand, als die ganze Schar auf die Hütte zuging. Nachdem der ganze Kram in die Hütte geschafft war, kamen die beiden Mädchen wieder heraus, um sich auf der Insel umzusehen. Dabei entdeckten sie den Burschen, der noch immer hinter dem Holzstoß lag. Anfangs fürchteten sie sich ein wenig, und wären beinahe wieder davongelaufen. Weil der Bursche aber ganz ruhig dalag, traten sie näher an ihn heran, begannen zu kichern und zu lachen und allerlei Scherz mit ihm zu treiben.

 

Der Bursche hatte eine Stecknadel in dem einen Ärmel seiner Jacke. Als sie nun so um ihn herumsprangen und ihn von Zeit zu Zeit zupften, paßte er einen günstigen Moment ab und stach die eine in die Hand, sodaß diese zu bluten begann. Die Gestochene begann nun laut zu schreien und zu jammern. Da kamen auch die übrigen aus der Hütte gelaufen, um zu sehen, was geschehen sei. Sowie sie ihn aber erblickten, stürzten sie wieder hinein, rafften in größter Eile und Hast von dem mitgebrachten Kram zusammen, was jeder erwischen konnte, und eilten davon."

 

 

 

         

 

 

 

 

 



Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!