derbegrabmond1

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-- I/III --

 

-- Diese Sage stammt aus England --

 

"Es ist lange her, da bestand das Caern-Land ganz aus Sümpfen, aus großen Tümpeln mit schwarzem Wasser und aus schleichenden Rinnsalen mit grünem Wasser und aus matschigen Schlammbuckeln, die aufspritzten, wenn man drauftrat. Zu jener Zeit schien die gute Frau Mond und schien, gerade wie sie es heute noch tut, und wenn sie schien, erhellte sie die Moortümpel, sodaß einer umhergehen konnte, geradeso sicher wie am Tage. Aber wenn Frau Mond nicht schien, dann kamen all die Wesen hervor, die in der Dunkelheit wohnen, und sie trieben sich umher, um zu suchen, wo sie Böses tun könnten und Leid zufügen. Sumpfgeister und kriechende Scheusale, alle kamen heraus, wenn Frau Mond nicht schien.

 

Die gute Frau Mond hörte davon, und da sie freundlich und gut ist, oh ja, gewiß ist sie das, wenn sie doch für uns in der Nacht scheint, anstatt ihre natürliche Rast zu halten – und so war sie mächtig besorgt: ´Ich will selbst nachsehen. Vielleicht ist es gar nicht so schlimm, wie es die Menschen machen.´ Und wirklich, am Ende des Monats schritt sie herunter, eingehüllt in einen schwarzen Mantel und mit einer schwarzen Kapuze über ihrem gelben, schimmernden Haar. Geradewegs ging sie zum Rand des Sumpfes und sah sich um. Hier Wasser und da Wasser; wehende Büschel und zitternde Schlammbuckel und große schwarze Baumstümpfe, die sich wanden und krümmten. Vor ihr war alles dunkel – dunkel, bis auf das Glitzern der Sterne in den Tümpeln und das Licht, was von ihren eigenen weißen Füßen ausging, die unter dem schwarzen Mantel hervorstachen. Frau Mond zog ihren Mantel fester zusammen und zitterte, aber sie wollte nicht zurückgehen, ohne alles gesehen zu haben, was da zu sehen war. So ging sie weiter; so leicht wie der Sommerwind schritt sie von Grasbüschel zu Grasbüschel, hindurch zwischen den gierig gurgelnden Wasserlöchern. Gerade als sie sich einem großen schwarzem Tümpel näherte, glitt ihr der Fuß aus, und sie taumelte beinahe hinein. Mit beiden Händen griff sie nach einem Baumstumpf in der Nähe, um sich festzuhalten, aber als sie ihn berührte, wand er sich wie ein paar Fesseln um ihre Handgelenke, und er packte sie so, daß sie sich nicht bewegen konnte. Sie zog und wand sich und rang mit ihm, aber es half nichts. Sie war gefesselt und sie mußte es bleiben.

 

Als sie so zitternd in der Dunkelheit stand und sich fragte, ob jemand zu Hilfe kommen werde, hörte sie plötzlich etwas in der Ferne rufen, rufen und rufen und dann mit einem Schluchzer verstummen, bis die Marschen erfüllt waren von diesem jammervollen Schreien. Dann hörte sie, wie sich Schritte abmühten, sie ließen den Schlamm aufspritzen und glitten auf den Büscheln aus, und durch die Dunkelheit sah sie ein weißes Gesicht mit großen, angstvollen Augen. Es war ein Mann, der sich in den Sümpfen verlaufen hatte. Verwirrt von Furcht, kämpfte er sich vorwärts auf diese flimmernde Licht zu, das nach Hilfe und Sicherheit aussah. Aber als die arme Frau Mond sah, dass er immer näher und näher zu dem tiefen Wasserloch kam und immer weiter vom Pfad ab, da wurde sie so böse und so zornig, daß sie sich abmühte und rang und zerrte, fester als je zuvor. Und obgleich sie nicht loskommen konnte, wand und drehte sie sich, bis ihre schwarze Kapuze herunterfiel von ihrem schimmernden gelben Haar, und das schöne Licht, das davon ausging, trieb die Dunkelheit davon.  Oh, wie da der Mann vor Freude aufschrie, als er das Licht wiedersah. Und sofort flohen alle bösen Wesen zurück in ihre finsteren Winkel, aus denen sie gekommen waren, denn sie konnten das Licht nicht ertragen. So konnte er wieder sehen, wo er war und wo auch der Pfad war, und so kam er wieder aus den Sümpfen heraus. Und er war in Eile, von dem Quickschlamm und den Sumpfgeistern und all den anderen Wesen, die hier wohnten, wegzukommen. Und so sah er auch nicht das tapfere Licht, das von dem schönen, schimmernden gelben Haar ausging und sich ergoß über den schwarzen Mantel und niederfiel auf das Wasser zu seinen Füßen."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

 

 



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