derrosengarten4

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-- IV/VI --

 

"Ohne zu zögern sprang dann Wittich jetzt in den Garten. Asprian verstand wohl mit den beiden Schwertern zu fechten, er brachte Wittich, der den Mimung schwang, in schwere Not. Der Kampf toste, als schlügen zwanzig Schmiede mit starken Hämmern, und Asprian Wittich durch die Panzerringe, daß sein Blut spritzte; so hart bedrängte er ihn, daß der Held zurückzuweichen begann. Da rief ihm Hildebrand zu: ´du verlierst Schimming erneut!´ Im Nu packte Wittich sein Schwert mit beiden Händen, voller wilder Wut schlug er dem Riesen eine Hand ab und mit dem zweiten Streich die Achsel. Nun wandte sich Asprian zur Flucht, und diesmal hatte die Königstochter wohl aufgepaßt – mit heller Stimme rief sie Wittich zu: ´Held, gib mir den Besiegten!´ Doch Wittich stellte sich taub, mit einem sauberen schlag tötete er den Riesen, dann erst wandte er sich an Kriemhild: ´Ihr wollt ihn haben? So nehmt ihn Euch!´ Gekränkten Herzens mußte sie den Sieger umarmen und küssen und ihm den Kranz aufsetzen. Aber Wittich eilte rasch von ihr weg, hin zu Schimming, der vor dem Garten stand und ihm entgegenwieherte; trotz Müdigkeit und Wunden sprang er ihm auf den Rücken: ´Nun bin ich reich wie ein Kaiser – niemals wirst du, Schimming, mich in der Not verlassen!´ Mit Kummer und Leid sah Gibich alle seine Riesen erschlagen. Nun schickte er vier seiner Recken ins Treffen, ob sie das Glück zu wenden vermochten. Aber es zeigte sich ihm gleich beim ersten Male abhold. Stutfuchs von Holland, der zu Roß durch die Rosen hin dem Russenkönig Hartung entgegen, verstach ritterlich mit dem Gegner zwei Speere; aber als sie zur Erde sprangen und mit den Schwertern aufeinanderhieben, traf ihn ein Schlag Hartungs so gewaltig durch die Halsberge, daß ihm das Haupt samt dem Helm vom Rumpfe sprang. So erhielt Hartung den Preis.

Als nächstes Paar traten der berühmte Walther vom Wasgenstein und Dietleib an. Der schien dem bewährten Helden noch ein wenig zu jung, sodaß er ihn gerne des Kampfes entbunden hätte; aber Dietleib ließ sich nicht abraten. Sie gingen sogleich mit Schwertern aufeinander los, und es entspann sich ein wilder, aber gleicher Kampf. Mit harten Schlägen hackten sie sich die Schilde entzwei, daß die Stücke über die Erde stoben, sie zerklüfteten sich die Helme, über beide Harnische rann das Blut, schon fochten beide ungeschirmt; da sprach Hildebrand zu Kriemhild: ´Hier wird keiner des anderen Meister, sie fallen beide, wenn sie weiterkämpfen!´ ´Wie soll ich sie scheiden, wenn keiner besiegt ist?´ fragte die Stolze, jetzt zum ersten Male mit verzagtem Herzen. ´gebt beiden den Siegpreis, Königin!´ Und ohne sich lange zu besinnen, trat sie mit zwei Rosenkränzen zu den Helden, dankte ihnen und bat, den Streit zu enden. Sie banden die Helme ab und empfingen beide den Preis mit Kuß und Umarmung der Jungfrau; dann reichten sie sich die Hände und wurden Schwurbrüder für ihr Leben lang.

Aber schon rief Hildebrand: ´Wo steckt denn Ilsan so lange?´ Da kam er auch schon angestampft, mit der Kutte über dem Stahlgewand und das Schwert in der Hand; wie ein Wildschwein brach er in den Garten ein, zertrampelte die Rosen und wälzte sich in den Sträuchern, seines Unfugs froh, sodaß die Königstochter blaß vor Ärger wurde und zu schelten begann: ´Gott schände den Kuttenträger!´ Ilsan drohte ihr mit dem Finger und sagte: ´Fluchen ist Sünde, edle Königin; ich muß das wissen, denn ich bin ein frommer Mönch.´ Sie erwiderte: ´Ein schöner Gottesdienst, den du da in deinem Übermut treibst!´ ´Ich halte die Regel wohl: sieh, hier ist mein Hirtenstab, mit dem werde ich Euch die Beichte abnehmen!´ Voll Zorn rief sie: ´Fahr zur Hölle, du Sündenknecht!´ ´Oh´, antwortete er, ´das Höllenfeuer ist mir noch fern, näher sind mir hier im Garten die hübschen Frauen, von deren roten Lippen man Küsse pflücken kann.´ ´Der Teufel küsse dich mit deinem struppigen Bart, Schwertschläge sollst du empfangen statt der Küsse!´ ´Auf die Schwertschläge freue ich mich schon längst´, lachte er, ´die Küsse werden schon noch kommen!´ Inzwischen hatte König Gibich nach Volker gerufen, damit er den ungeschliffenen Mönch züchtige. Der Spielmann, der auf dem Schild eine goldene Fiedel führte, sprang in die Rosen: ´Dietrich scheint uns einen Narren hergeschickt zu haben.´ ´Den Narren will ich dir zeigen´, erwiderte Ilsan, und die beiden gingen wie zwei wilde Teufel aufeinander los. Aber Ilsan schielte immer wieder nach den hübschen Frauen hin, sodaß Hildebrand ihn zurechtweisen mußte: ´Soll ein Mönch nach Frauen schielen? Hau lieber drauf, struppiger Graubart!´ Die Kämpfer schlugen aufeinander, daß das Blut von ihnen spritzte, und begleiteten ihre Schwertstreiche mit Hohnreden. ´Schmeckt dir mein Fiedelbogen?´ rief der Spielmann, indem er Ilsan traf, daß dem fast das Schwert aus der Hand flog. ´Dafür hau ich dir alle Saiten entzwei!´ schrie Ilsan und schlug ihm einen so ungefügen Streich, das Volker auf die Erde fiel. Er raffte sich wieder auf, aber er blieb taumelig: der Mönch begann ihn hin und her zutreiben und traf ihn abermals so schwer, daß ihm das Blut übers Gesicht stürzte: da sprang die Jungfrau schnell zwischen sie und schied sie voneinander. Ilsan empfang mit Schmunzeln Kranz und Kuß Kriemhilds: ´Solche Rosen will ich mir noch mehr holen!´"

 

         

 

 

-- Stutfuchs v. Holland gegen Hartung v. Rußland --

 

 

 

 



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