derschwanenritter1

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-- I/IV --

 

"Auf einem Zuge nach Niederland nahm der deutsche König seinen Sitz in einer Burg am Rhein und ließ verkünden, daß jeder, der sich in seinem Recht gekränkt fühle, vor ihn kommen möge, um seine Beschwerde anzubringen und gerechtes Urteil zu empfangen. Da erschien vor ihm die Herzogin von Brabant, um Klage zu erheben gegen ihren Schwager, den mächtigen Herzog Friedrich von Sachsen, der sich nach dem Tode ihres Gatten, des Herzogs Gottfried, des Landes Brabant bemächtigt hatte. Der König ließ den Sachsenherzog vor den Stuhl des Gerichts treten und die Herzogin ihre Klage vortragen. Aber ehe sie, die sich weinend auf die weinende Tochter stützte, noch damit beginnen konnte, erblickte der König durchs Fenster ein gar wunderschönes Schauspiel: Auf dem Rhein kam eilig ein Schwan dahergeschwommen, der an einer silbernen Kette einen Nachen hinter sich herzog; darin schlief ein Ritter, das Haupt auf den Schild gebettet, während Helm und Rüstung neben ihm lagen. Pfeilgerade nahm der glänzend weiße Vogel die Richtung hin zum Anlegeplatz.

 

Des Staunens voll, erhob sich der König und sprach: ´Wer mit mir das größte Wunder sehen will, das meine Augen jemals schauten, der begleite mich hinab zum Ufer!´ Im Nu standen die klagenden Frauen alleine im Saal, alle anderen eilten dem König nach, und sie kamen gerade zurecht, um das Schifflein anlegen zu sehen; in diesem Augenblick erwachte auch der Ritter, er sprang auf die Füße und ans Land, und der König hieß ihn herzlich willkommen: ´Weiß Gott, Herr, ihr habt einen guten Lotsen´, sprach er zu dem Gast; ´er hat Euch sicher zu uns hergeführt! Nun begleitet uns auf die Burg.´ Willig ging der Ritter mit, aber ehe er sich wandte, sprach er zu dem Vogel: ´Nun ziehe deines Wegs, mein lieber Schwan! Wenn ich deiner bedarf, so will ich dich rufen!´ Mit mächtigem Flügelschlag begann der Schwan, den Nachen hinter sich, die Fahrt dahin, woher er gekommen war, und bald entschwand er aller Augen. Der König aber führte den stolzen Ritter mit sich in den Saal, wies ihm einen Platz unter den Fürsten an und setzte sich wieder auf den Richterstuhl, das unterbrochen Gericht fortzuführen.

 

Abermals trat die Herzogin vor, an der Hand ihre Tochter führend, eine Jungfrau von großer Schönheit, und hob an: ´Erbarmt Euch meines Ungemachs, edler König, und straft die Unbill, die mir angetan ward, nach Eurer Gerechtigkeit! Mit Gewalt hat der Herzog von Sachsen mich samt meiner Tochter aus meinem Land vertrieben; er will uns um das Erbe bringen, das wir rechtmäßig besitzen. Ehe mein Gemahl in das Heilige Land fuhr, wo er das Leben verlor, verbriefte er es uns, das wir seines Landes walten und es immer besitzen sollten, wenn er nicht zurückkehre. Dieses unser Recht, das sein Bruder räuberlich angetastet hat, helft uns schützen, gnädiger König!´ Darauf antwortete der beschuldigte Sachsenherzog: ´Gott weiß, Herr, daß ich kein Unrecht begehre! In Brabant gilt seit vielen Jahren als Recht, daß keine Frau die Herrschaft führen darf. Da nun zu meinem Leid mein Bruder jenseits des Meeres totgeblieben ist und keinen Sohn hinterlassen hat, bin ich als sein nächster männlicher aus der Sippe rechtmäßig Erbe und Herr von Brabant, und wer es mir nehmen will, der wird einen harten Krieg darum führen müssen.´"

 

 

 

         

 

 

 

    

 

-- Der Schwanenritter und das Schwanenschwert --

 

 

 

 

 

 

 



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