derschwanenritter3

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-- III/IV --

 

"Jetzt erhob sich der Ritter, den der Schwan ins Land gebracht hatte, und sprach: ´Edle Frauen, verzagt nicht! Ich bin hierhergesandt, um Euch zu beschirmen; sollten Euch auch alle Ritter verlassen haben, so will ich für Euch streiten! Mag der kommen, wer will und Euch das Land zu nehmen vermag, ich werde Euer Recht gegen ihn verteidigen!´ Da weinten die Frauen nicht mehr vor Schmerz, sondern vor Freude und umfingen den fremden Ritter mit vielen Danksagungen. Der Sachsenherzog aber blickte ihn zornig an und sprach: ´Herr Gast, das Ihr mit Feindschaft ansagt, habe ich mich doch um Euch nicht verschuldet, denn ich tat Euch nie ein Leid! Wenn Ihr mir rauben wollt, was mir von meinen Vätern her gehört, so kamt Ihr zur Unzeit ins Land! Aber da Ihr den Kampf nicht aufgeben wollt, so nehme ich ihn an; denn ich fürchte mich Eurer nicht, obzwar Ihr auf eine seltsame Art hergeführt wurdet und vielleicht durch eines bösen Zaubers Gewalt!´ ´Es ist nicht fein von Euch´, antwortete der Ritter,´ dass Ihr mich der Zauberei zeiht, und dafür sollt Ihr büßen! Ich werde die Frauen beschirmen, es bräche mir denn das Schwert in Stücke! Nicht eher ende der Kampf, als bis einer von uns beiden tot und der andere der Sieger ist´

 

Sogleich rüsteten sich die Gegner zum Streite. Dem Gast gebrach es aber an einem Ros; darum bat er den König, ihm eines zu leihen, und der König sprach freundlich: ´Wählt Euch unter den meinen das, was Euch am besten gefällt!´ Eines nach dem anderen erprobte der Ritter mit einem Druck ins Kreuz, und jedes sank in die Knie, bis er an ein ganz junges kam, einen schönen Apfelschimmel, vierschrötig und mit breiter Brust; das hielt stand. Er schwang sich auf und ritt zum Kampfplan, herrlich gewappnet mit einem glänzenden Helm, über den ein silberner Schwan seinen edlen Kopf reckte. Der Sachsenherzog eilte ihm entgegen auf einem riesigen Rappenhengst, seinen Helm überragten zwei Pfauenfedern mit bunten spiegeln. In wildem Galopp ritten sie widereinander und prallten krachend zusammen; des Herzogs Lanze zersplitterte, und er ward von der des Gegners aus dem Sattel geworfen. Da trieben sie sich mit harten Schwertschlägen rings um das Feld, daß Stahlringe und Eisenspäne von ihnen stoben. Der Fremde hatte einen harten Stand, da der Herzog ihn weit überragte; ihm wurde der Schild und die Halsberge zerschnitten, nur seine seidene Kappe schützte ihn vor einer tödlichen Wunde, und der Herzog schrie triumphierend: ´Wollt Ihr mir nun endlich mein Erbe lassen? Sonst zahlt mir Euer Leben den Zins!´ Aber der Schwanenritter rief: ´Der Zins ist mir zu teuer!´, und schwang seine Klinge gewaltig; mit einem Hieb durchschnitt er des Herzogs Koller und trennte ihm das Haupt vom Rumpfe, das es behelmt auf dem grünen Grase niedersprang. Trauernd trugen die Sachsen die blutüberströmende Leiche ihres Herrn hinweg, die Frauen aber neigten sich tief vor ihrem edlen Retter und küßten ihn.

 

Dann sprach die Herzogin: ´Herr und Held, da Eure Mannhaftigkeit uns aus dem Elend erlöste, nehmt zum Dank die Hand meiner Tochter samt der Herrschaft von Brabant!´ Der Gast sah die schöne Jungfrau mit freundlichen Augen an und sprach zu Ihr: ´Freudigen Herzens will ich euch, schöne Jungfrau, zu meinem Weibe nehmen – aber eines müßt Ihr mir versprechen: nie mich zu fragen, wer und welches Stammes ich bin!´"

 

 

 

         

 

 

 

 

 

 

 

 



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