derschwanenritter4

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-- IV/IV --

 

"Das sagte die Jungfrau zu, und auch der König wart es zufrieden, das der Schwanenritter seine Herkunft hehlte: denn der hohe Adel stand ihm auf dem Antlitz geschrieben. Feierlich ward sodann die Hochzeit begangen, und der junge Gatte nahm die Herrschaft von Brabant in seine Hände. Er führte sie mit Kraft; seine Frau lebte in grossem Glück mit ihm und gebar ihm zwei schöne Kinder. Aber als sechs Jahre vergangen waren, begannen falsche Freunde der Frau ins Ohr  zu flüstern, daß wohl Zweifel entstehen könnten, ob ihr Gatte an Geschlecht ihrer würdig sei; und so sehr sie sich dagegen wehrte, trug sie doch immer schwerer an dem Geheimnis seiner Herkunft. Obzwar sie nichts sagte, merkte er doch wohl, wie traurig und bedrückt sie daherging; drei Nächte nacheinander hörte er sie weinen, und endlich fragte er sie: ´Warum bist du so betrübt, liebe Frau? Bei unserer Lieb, sag es mir!´ ´Ich muß wohl traurig sein´, antwortete sie, ´nun habe ich von dir zwei wohlgeratenen Kinder und weiß nicht, aus welchem Geschlecht sie stammen. Mein Herz hat dich erwählt, und ich habe bisher nie erfahren wollen, woher du kamst; denn ich glaube fest, daß du von edler Herkunft bist. Aber was sollen unsere Kinder sagen, wenn man sie nach ihrer Sippe fragt? Sie müssen sich ja schämen, darauf keine Antwort geben zu können! Um ihretwillen muß ich´s wissen, und wenn du mich liebst, darfst du es mir nicht länger verschweigen!´ ´Wehe´, antwortete der Rittertief erschrocken, ´jetzt hast du dir und mir grosses Unglück zugesprochen. Tat ich dir nicht genüge als Gatte und Herr des Landes, daß meine Herkunft dich bekümmert? Du versprachest mir doch, nie danach zu forschen und zu fragen. Warum brachst du dein Versprechen? Nun muß ich dich Gott befehlen und von hinnen scheiden – du wirst mich nie mehr wieder sehen!´ Von Reue übermannt, sank die Frau vor ihm nieder und rang die Hände: ´Verzeih mir, holder Herr´, flehte sie, ´sei nicht so zornig auf mich und vergiß, was ich vorlaut sagte und an dir fehlte. Ewig wird es mir leid sein, daß ich dich traurig machte; hätte ich geahnt, welch schweres Leid meine unbesonnene Rede heraufbeschwor, ewig hätte ich geschwiegen! Aber um unserer Kinder willen, scheide nicht von mir! Erbarme dich ihrer und des Landes und meiner und verzeihe mir!´ Aber er schüttelte kummervoll das Haupt und hieß sie die Kinder bringen; er küßte sie und befahl sie in Gottes Hand. Mit nassen Augen flehten ihn die Männer und Frauen des Hofs an, zu bleiben, sie fielen ihm vereint zu Füßen, aber weder ihr Kummer, noch der Schrei von Weib und Kind vermochte ihn zu halten. Er legte das Gewaffen ab, das er einst mit ins Land gebracht hatte, und schritt hinab zum Ufer: Da kam auch schon der Schwan daher und zog das Schifflein hinter sich. Trauernd segnete der Ritter seine Leute und küßte ein letztes mal Weib und Kind, dann stieg er ins Boot; der Schwan führte ihn hinweg, und kein Auge sah ihn jemals wieder.

 

Die Herzogin zog ihre Kinder in Zucht und Ehren auf, sie wurden die Stammeltern der Grafen von Geldern, Cleve und Rieneck, und ihr Geschlecht blühte lange in Macht und Ruhm. Wer der Schwanenritter aber war und woher er kam, hat niemand erfahren. Vielleicht, das Gott selbst den ruhmreichen Herzog Gottfried zuliebe den bedrängten Frauen aus seiner eigenen Heerschar den Helfer schickte. Die Spielleute erzählen aber, der Schwanenritter sei vom Heiligen Gral gesandt worden und habe mit Namen Lohengrin geheißen."

 

-- Das ist das Ende der Mär --

 

 

         

 

 

 

 

--- Der Schwanenritter zieht davon ---

 

 

Was ist eigentlich der Heilige Gral?

 

Der Heilige Gral(=Sangreal) war im Mittelalter das heilige Gefäß im Artusmythos. Es soll der Kelch gewesen sein, aus dem Christus beim Letzten Abendmahl trank. In ihm soll auch das Blut aufgefangen worden sein, das aus der Speerwunde in Christi Seite floss. Nach Britannien von Joseph von Arimathia gebracht, dem reichen Mann, der Jesus begrub, wurde der Heilige Gral immer mit der frühen christlichen Siedlung Glastonburry in Verbindung gebracht. Ein anderes wunderbare Objekt, das mit dem Gral in Verbindung steht, war die blutende Lanze oder blutende Speer. Doch bleiben wir beim Artusmythos: Sir Galahad setzte seine Zauberkraft für die Heilung eines mysteriösen Königs ein, der in seiner Burg Camelot zwischen Leben und Tod schwebte. Es scheint jedoch, das Parcival den Gral sah, und das lediglich Galahad in einer späteren Version seinen Platz einnahm. Der Gral ging verloren, aber er soll Britannien nie verlassen haben, sondern irgendwo im Land versteckt worden sein. Die bloße Anwesenheit des heiligen Gefäßes soll ausgereicht haben, die meisten Ritter auf den Pfad der Tugend zu führen. Bei seiner unbemerkten Ankunft auf Camelot schwor der ritterliche Sir Gawain, sofort auszuziehen und den Gral zu finden. Viele Ritter der Tafelrunde taten einen ähnlichen Schwur, sehr zum Kummer des König Artus, der den Verlust seiner besten Krieger befürchtete. Nur Sir Galahad beendete die Suche erfolgreich und starb zufrieden.

 

Nachdem der junge Ritter den Gral in seinen Händen hielt, war seine Seele befreit und „eine große Engelschar trug ihn gen Himmel“. Es bestand kein Zweifel daran, dass der Gral den Leib und das Blut Christi verkörperte, da Joseph von Arimathia ihn als Teil des Sakraments an Sir Galahad gab, „der erzitterte, wenn sein sterblich Fleisch ein so geistig Ding erblickte“. Es wird sogar behauptet, dass Sir Galahad ein Nachfahre des Josephs gewesen sei, „des ersten christlichen Bischofs“. Nichtsdestoweniger bleibt ein großer Anteil keltischer Magie in diesem christlichen Mythos. Als „der Heilige Gral mit einem weißen Tuch bedeckt“ in Camelot erschien, erfüllte das Gefäß Artus´ Halle mit den wunderbarsten Gerüchen und die Ritter der Tafelrunde aßen und tranken wie nie zuvor. Es war der keltische Kessel der Fülle. Als der Gral am Ende der Suche zum „Leib unseres Herren“ wurde, und Sir Galahad auf die Bitte von Joseph von Arimathia daraus trank, sicherte er durch diesen Schluck das Weiterleben seiner Seele. Wie ein keltischer Kessel der Wiedergeburt gestattete er Sir Galahad, in einer christlichen Anderwelt weiterzuleben. Diese offensichtliche Anlehnung an die keltische Mythologie zeigt, dass es der Kirche nie vollständig gelang, den Gral als christliches Symbol zu vereinnahmen. Die große Beliebtheit der Gralsgeschichten erzwang eine gewisse Toleranz, doch die Kleriker waren sich der Verbindung zu den vorchristlichen Riten stets bewusst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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