dervaterfrost2

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-- II/II --

 

 

"Da hatte der Frost Erbarmen und hüllte das Mädchen in Pelze und wärmende Decken ein. Am nächsten Morgen sagte die Alte zuhause zu ihrem Mann: ´Geh, alter Narr und wecke das junge Paar.´ Der Alte spannte sein Pferd vor den Schlitten und fuhr zu seiner Tochter. Er fand sie am Leben, eingehüllt in einen schönen Pelz und in ein seidenes Tuch, und schöne Geschenke lagen in ihrem Körbchen. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, legte der Alte alles in seinen Schlitten und stieg mit der Tochter ein, und so fuhren sie nach Hause. Dort fiel das Mädchen der Stiefmutter zu Füßen. Die Alte wunderte sich sehr, als sie das Mädchen am Leben sah und en neuen Pelz und den Korb voll Wäsche. ´Eh, mich betrügst du nicht´, sagte sie nur. Nach einigen Tagen sagte die Alte: ´Führe meine Töchter zum Bräutigam, er wird sie noch mehr beschenken.´ Am nächsten Morgen weckte die Alte ihre Töchter und schmückte sie, wie es sich gehörte und zu einer Hochzeit schickte, und ließ sie ziehen. Der Alte fuhr denselben Weg und ließ die Mädchen bei derselben Fichte zurück. Die Mädchen saßen und lachten. ´Was fällt Mütterchen ein, uns plötzlich beide zu verheiraten? Als wären bei uns im Dorf nicht Burschen genug! Wer weiß, was hier für ein Teufel kommt!´ Die Mädchen hatten große Pelze an, aber die Kälte nagte trotzdem an ihnen. ´Paracha, mir läuft der Frost über die Haut, wenn die Erwählten nicht bald kommen, werden wir erfrieren.´ ´Unsinn, Mascha, seit wann kommt ein Bräutigam so früh, es ist ja gerade erst Mittag.´ ´Paracha, und wenn nur einer kommt, wen wird er da nehmen?´ ´Dich nicht, du dumme Gans.´ ´Dich gewiss auch nicht!´ ´Laß dich nicht auslachen, wir werden ja sehen, wen er nimmt!´ So stritten sie immer weiter, während der Frost an den Mädchen nagte. Sie versteckten ihre Hände im Pelz und begannen neuerdings damit, sich anzukeifen: ´Du verschlafener Fratz, du böse Pest, du Lästermaul. Spinnen kannst du nicht, und ans Beten denkst du gar nicht!´ ´Oh, du große Prahlerin, was kannst denn du? In den Spinnstuben herumlaufen und tratschen. Warten wir es ab, wen er nimmt!´ So stritten die Mädchen immer weiter und froren ernstlich. ´Ei, bist du blau geworden´, sagten sie einstimmig.

 

Weit weg knarrte der Frost, sprang wieder von Tanne zu Tanne und pfiff. Den Mädchen schien es, als käme jemand mit dem Schlitten gefahren. ´Hui Paracha, er kommt mit Glöckchen gefahren!´ ´Geh weg, Närrin, mich schüttelt der Frost.´ ´Aber heiraten willst du ihn doch!´ Sie bliesen ihre Finger, während der Frost immer näher kam. Er kam näher und näher, endlich ließ er sich auf der Fichte über den Mädchen nieder. ´Ist euch warm, Mädchen? Ist euch warm, ihr schönen Täubchen?´ ´Ach Frost, uns ist so kalt, wir sind fast erfroren. Wir erwarten den Bräutigam, aber der Teufel kommt nicht!´ Der Frost ließ sich tiefer herab und knarrte und pfiff noch mehr: ´Ist euch warm, ihr Mädchen, ist euch warm, meine Schönen?´ ´Geh zum Teufel, bist du blind? Hände und Füße sind  uns ja schon vollends abgefroren.´ Da ließ der Frost sich noch näher herab und schlug so mächtig zu, wie er konnte. Da fragte er ein letztes Mal: ´Mädchen, ist euch warm?´ ´Geh zu allen Teufeln ins Wasser und verfaule dort, Verfluchter!´ Da ging der Frost, die Mädchen aber waren erstarrt und erfroren.

 

Am nächsten Morgen sagte die Alte zu ihrem Mann: ´Los, spanne ein und nimm Heu sowie warme Decken in den Schlitten, den Mädchen wird kalt sein. Ein starker Wind ist draußen! Mach flink, alter Narr!´ Der Alte ließ sich kaum Zeit zum Frühstück und fuhr fort. Als er aber zu den Töchtern kam, waren sie schon lange tot. Er lud sie auf den Schlitten, schlug sie in die Decken ein und legte das Heu darüber und fuhr heim. Die Alte sah ihn von weitem und fragte: ´Wo sind die Kinder?´, fragte sie sogleich. ´Im Schlitten´ Die Alte stieß das Heu beiseite und hob die Decken hoch, wo sie die Kinder tot fand. Da ging sie auf, wie ein Gewitter über den Alten nieder und schimpfte: ´Was hast du alter Narr getan? Mit meinen Töchtern, meinen eigenen süßen Sprösslingen, meinen roten Beerchen? Ich erschlage dich mit dem Besenstiel, mit dem Feuerhaken erschlage ich dich!´ ´Ruhig, du alte Hexe, dich lockte der Reichtum, aber deine Töchter waren widerspenstig zu dem Vater Frost. Ich bin nicht schuld, du wolltest es selbst.

 

Die Alte aber war zornig und zankte noch lange, versöhnte sich dann aber mit der Stieftochter, und so lebten sie gut und mit Bedacht, und an das Böse ward nie mehr gedacht. Eines Tages kam ein Nachbar und freite und hielt mit Marfuschka Hochzeit. Es ging ihr dort gut, und der Alte nahm die Enkel in seine Hut. Er schüchterte sie mit dem Vater Frost ein, und hieß sie willig und fleißig sein."

 

-- Das ist das Ende der Mär --

 

 

         

 

 

 

 

 

Für:

 

Jan (Torlek Sogh) aus Hünxe\NRW

 

 

 

 

Quelle:

 

Alexander N. Afanaßjew, Russische Volksmärchen.

Deutsch von Anna Meyer, Wien 1906.

 

 

 

 

 

 

 

 



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