dietrichsausgang3

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-- III/V --

 

"Nach einiger Zeit geriet das Kloster in Streit mit einem Riesen namens Aspilian, der sich ringsum im Lande Höfe, Güter und Schätze zusammenraubte und auch den Mönchen einen Hof wegnahm. Als sie ihn darum zur Rede stellten, lachte er sie aus und sprach: ´Wenn ihr euch beschwert fühlt, so laßt Gottesurteil entscheiden! Stellt mir einen Kämpfer zum Holmgang; wer siegt, soll recht haben – so ist´s bei uns guter alter Brauch.´ Dawider konnten sie zu ihrem Kummer nichts sagen. Als aber der Abt im Kapitel sein Leid klagte und dem, der sich des Streits mit dem Riesen vermesse, Vergebung aller seiner Sünden verhieß, meldete sich Bruder Ludwig und sprach: ´Ich gab Waffen, Roß, Gold und mich selbst dem Kloster um meiner Sünden willen; nun will ich auch noch mit dem Riesen kämpfen, damit die Vergebung vollkommen sei. Wo ist mein Schwert und meine Rüstung?´ Dem Abt kam plötzlich der Verdacht, daß sie einen sehr wilden Vogel bei sich eingefangen hätten, und er sprach: ´Aus deinem Schwert haben wir Beschläge für die Kirchentür machen lassen, und deine Rüstung haben wir zugunsten des Klosters verkauft.´ ´Ihr versteht nichts von Waffenhandwerk´, rief der alte Kämpe, ´und ahnt nicht, was diese Waffen wert waren!´ Wütend sprang er auf und nahm den Abt mit beiden Händen beim Kopf: ´Narr, hattest du kein anderes Eisen, die Kirchentür zu beschlagen, als mein gutes Schwert Nagelring?´ Dabei schüttelte er ihn so kräftig, daß dem Entsetzten vier Zähne aus dem Mund kollerten.

 

Als die Mönche von Nagelring hörten, wußten sie, daß ihr Bruder Ludwig der grimmige Heime sei; schlotternd holten sie die Waffen herbei, die wohlverwahrt in einer Truhe gelegen hatten. Als Heime Nagelring in seiner Hand funkeln sah, schlug sein Herz Sturm, er ward abwechselnd rot und blaß. Nach einer Weile fragte er: ´Und wo bleibt mein Hengst Rispe?´ Kläglich antwortete der Abt: ´Wir brauchten ihn zum Steineschleppen für die Kirche, er ist lange tot. Aber wir wollen dir das beste Roß geben, das wir im Kloster oder draußen finden können.´ Die Mönche führten ihm manches schöne Pferd vor, aber wenn er eins nur in die Seite stieß, fiel es um, und stemmte er ihm mit der Hand in den Rücken, so brach das Rückrat. ´Habt ihr nur solche Schindmähren?´ fragte er; da brachten sie ihm endlich ein Roß, das war sehr groß, aber alt und klapperdürr. Sofort erkannte Heime das Tier, er griff ihm in die Mähne und in den Schwanz und zog mit aller Macht, aber es stand wie ein Baum. Lachend sprach Heime: ´Ja, du bist´s, mein guter Rispe, so alt und mager du aussiehst! Auf dir will ich zum Kampfe reiten! Führt das Roß in den Stall´, wandte er sich zu den Mönchen,´gebt ihm schieren Hafer und pflegt es gut!´

 

Nach sechs Wochen war Rispe prall und glänzend wie in seiner Jugend, und nun wurde der Holmgang anberaumt. Die Mönche selbst ruderten Heime mit seinem Hengst zum Eiland hinüber, und als sie sahen, wie der Held gerüstet und gewappnet ohne Steigbügel auf den Pferderücken sprang, fuhren sie sehr getröstet zurück, indem sie ihn Gottes Schutz befahlen. Bald begegnete dem Kämpen der Riese, auf einem Elefanten reitend, und das war wohl ein Anblick zum Erschrecken; aber Heime ritt ihm furchtlos entgegen. `Knirps, was suchst du hier?´ rief ihm Aspilian zu; ´dich totzuschlagen, ist keine Ehre für mich! Pack dich fort und rette dein Leben!´Zornig antwortete Heime: ´Warte nur, du Hund, bald werde ich dir groß genug scheinen!´,  sprengte an und stach dem Riesen unter den Arm, doch hielt der Panzer stand, und der Speer zerbrach. Der Riese schleuderte seine Hellebarde gegen Heime, der duckte sich auf den Sattelknopf, und die Waffe flog über ihn hinweg in den Boden, so tief, daß nichts von ihr mehr zu sehen war."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Hildebrand verläßt sein Weib Ute --

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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