dietrichsausgang4

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-- IV/V --

 

"Nun sprang Heime vom Roß und Aspilian vom Elefanten; sie gingen mit Schwertern aufeinander los, und als Heime einem ungeheuren Schlage mit behändem Sprung auswich, schlug der Riese in die Erde, daß die Waffe steckenblieb; da hieb ihm Heime die Hand ab und schälte ihm mit einen zweiten Streich das ganze Fleisch vom Schenkel. Handlos und blutend wollte sich der Riese auf den Feind fallen lassen, um ihn unter der Zentnerlast seines Körpers zu begraben; aber Heime sprang ihm unter den gespreizten Beinen durch, so daß er selbst aufrecht blieb, während der Riese stürzte. Nun hackte er mit schnellen Schlägen den ungetümen Leib in Stücke. Die Mönche hörten den dröhnenden Sturz, von dem Erde und Wasser bebten, und als sie heranrudernd den Feind gefällt sahen, stimmten sie ein Kyrie eleison an. Unverwundet stieg Heime zu ihnen ins Boot, sie führten ihn im Triumph zurück und hielten eine feierliche Prozession mit Fahnen und Reliquien. Abt und Prior führten den Sieger zwischen sich in die Kirche. Dann lebte er bei ihnen wieder nach der Regel wie zuvor.

 

Überall sprach man davon, daß ein Mönch den Riesen Aspilian erschlagen hatte, und so erfuhr es auch Dietrich. Er dachte der Riesenkämpfe seiner Jünglingsjahre und meinte, solche Tat könne nur ein Held vom alten Schlag vollbracht haben; da fiel ihm Heime ein – ja, wenn er noch lebte, müsste er es wohl gewesen sein. Neugierig machte sich der König nach dem Kloster auf und fragte den Abt, ob hier ein Mönch namens Heime lebe. ´Nein´, sprach der Abt´, so nennt sich keiner von den Brüdern.´ Da sah Dietrich einen Mönch aus der Tür treten mit Kutte und breitem Hut, kurz gewachsen und mit mächtigen Schultern, einen dicht wuchernden grauen Bart ums Kinn. Der Mönch stand betroffen still, als er den König sah, aber Dietrich sprach: ´Bruder, seit wir uns zum letztenmal sahen, fiel mancher Schnee! Aber ich erkenne dich: du bist Heime. ´Nie im Leben habe ich von Heime gehört´, entgegnete der Bruder, ´und dich habe ich nie gesehen!´ ´Erinnere dich doch daran, als du zu mir kamst und mich zum Zweikampf fordertest – und wie du mein Schwertbruder wurdest! Manchen Strauß fochten wir gemeinsam! Und weißt du nicht mehr, wie wir aufs Fest zu König Ermanrich zogen und Dietleib unsere Waffen und Rosse versetzte?´ ´Ermanrich? Dietleib? Diese beiden Namen kenne ich gar nicht.´ ´Ja, mancher Schnee fiel seitdem, und manches Böse geschah! Aber einmal waren wir jung und Freunde! Damals trug ich blondes Haar und du braunes, alle schönen Frauen sahen sich nach uns um – und jetzt sind wir beide grau wie alte Esel!´ Da lachte Heime und sprach: ´Dietrich, lieber Herr und König, jetzt erinnere ich mich wieder, und wenn du willst, ziehe ich mit dir!´ Er warf die Kutte von sich, rief nach seinen Waffen, schwang sich auf den Rispe und ritt ohne Urlaub mit Dietrich davon. Der König gab ihm große Lehen und setzte ihn über alle seine Ritter. Was Heime auch einmal Böses getan haben mochte: er war der einzige der alten Genossen, der Dietrich noch geblieben war. So lebten sie zusammen, redeten oft miteinander von vergangenen Zeiten, und in allen Dingen besaß Heime Dietrichs Vertrauen. Denn er nahm immer den Vorteil seines Herrn wahr und sah vor allem scharf darauf, daß jeder ihm den schuldigen Zins entrichtete.

 

Einmal im Gespräch fiel ihm ein, daß das Kloster, in dem er seine Sünden gebüßt hatte, niemals Schatzung entrichtete, obwohl er sehr reich an Gold und Gütern war. ´Warum sollen sie nicht bezahlen, was sie schuldig sind?´ fragte er den König, und der antwortete: ´Treib du es ein, du bist gerade der richtige Mann dazu.´ Das ließ sich Heime nicht zweimal sagen; schnurstracks ritt er zum Kloster, um es gebührend zu brandschatzen. Die Mönche empfingen ihn übel, weil er aus dem Orden gelaufen war, ohne den Abt um Erlaubnis zu fragen – wennschon sie sich auch gefreut hatten, ihn glimpflich losgeworden zu sein."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Dietrich findet den erschlagenen Heime --

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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