dietrichsausgang5

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-- V/V --

 

"Als er aber nun gar im Kapitel haarklein aufzählte, was sie alles an Steuern leisten sollten, da packte sie gewaltiger Zorn, und der Abt schnob ihn an: ´Heime, was bist du für ein Lumpenkerl! Rennst erst aus dem Kloster weg und kommst dann zurück, um uns auszuplündern! Scher dich zu deinem König, ein Satan zum andern, und fahrt beide in die Hölle!´ Statt weitere Antwort gab Heime dem Abt einen Schlag auf den Hals, daß er umfiel, belehrte die Widerspenstigen mit dem Schwert, lud den ganzen Klosterschatz auf die Pferde, die er aus den Ställen holte, und ritt davon, nachdem er den Mönchen noch das Haus über dem Kopf angesteckt hatte.

 

Danach spürte er einen alten Riesen auf, der ungeheuer stark war, aber vor Alter schon so träge, daß er meistens auf demselben Fleck lag. Er nannte einen großen Schatz sein, und Heime fand es angemessen, daß auch er sein Teil an den König zahle. Tief ins wilde Gebirge mußte Heime reiten, bis er den Riesen vor seiner Höhle schlafend fand; die eisgrauen Haarzotteln hingen ihm übers ganze Gesicht. Heime weckte ihn mit einem Rippenstoß: ´Steh auf und zahle – oder wehre dich gegen einen, der mit dir kämpfen will!´ ´Dreiste Fliege´, brummte der Riese, ´ich habe keine Lust aufzustehen, um dich totzuschlagen!´ Darauf Heime: ´Bist du zu faul aufzustehen, so schlag ich dich im Liegen tot!´ Da sprang der Riese empor und schüttelte das Haupt, schrecklich sträubte sich sein Haar zu Berge. Er faßte eine ungeheure Eisenstange und schlug ohne Umstände zu, daß Heime in hohem Bogen durch die Luft flog wie der Bolz von der Sehne; eh er noch zur Erde herabkam, war er schon tot. Als Dietrich das Ende des alten Genossen erfuhr, brach er voll Zorn und Betrübnis sofort auf, ihn zu rächen. ´Riese, komm heraus, König Dietrich von Bern erwartet dich!´ rief er in die Höhle, in der der Feind lag. ´Was willst du von mir?´ knurrte der Riese aus der Tiefe zurück, ohne sich zu rühren. ´Du hast meinen lieben Freund Heime erschlagen, gestehst du das?´ ´Ob Heime dein Freund war, kümmert mich nicht´, kam die Antwort aus der Höhle; ´aber erschlagen habe ich ihn, das stimmt, denn sonst hätte er ja mich erschlagen.´ ´So sage ich dir Rache an!´ rief Dietrich; ´komm heraus zum Kampf!´ ´Was du wünschst, sollst du haben!´ rief der Riese und fuhr aus der Höhle, seine Stange schwingend. Aber Dietrich hatte schon den Eckesachs gezogen und war auf der Hut. Er achtete genau darauf, wohin der Riese zielte, und unterlief ihn, während die Stange niedersauste; sie fuhr tief in die Erde, und Dietrich hieb mit einem Streich seines Schwertes dem Riesen beide Hände weg. Hand- und sieglos stürzte der Riese auf die Erde, und Dietrich schlug ihn tot. Dann schwang er sich auf Falke und ritt davon. Er hatte seinen letzten Zweikampf bestanden.

 

Denn nun war kein Riese und kein Held mehr in der Welt, der sich mit ihm hätte messen können. Statt in den Kampf zog Dietrich nur noch auf die Jagd. Tagelang ritt er allein oder mit wenigen Knappen hinter sich durch die Wälder und freute sich, wenn ein mächtiger Ur oder riesiger Bär sich ihm entgegenstellte. Einst – er war schon sehr alt, aber rüstig wie je – badete er am Walde, da lief ein Hirsch vorbei, so stark und schön, wie er noch nie einen gesehen hatte. Der König schlug den Mantel um sich und rief nach seinem Roß und den Hunden. Aber ehe Falke nach gebracht wurde, sah er dicht bei sich ein gewaltiges rabenschwarzes Roß stehen, fertig gezäumt und gesattelt; sofort schwang er sich auf und rannte dem Wild nach. In diesem Augenblick wurde die Meute losgelassen, aber sie sträubte sich winselnd, dem Rappen zu folgen. Inzwischen aber war Falke zur Stelle gebracht, und Dietrichs bester Knappe eilte auf ihm dem Herrn nach, die Hunde hinter sich; doch konnte er ihn nicht erreiten. ´Was reitest du so schnell, Herr, und wann kommst du wieder?´ rief er ihm nach. Dietrich wandte sich im Sattel – er merkte wohl, daß es kein Roß war, was er ritt, denn er konnte nicht mehr von dem Rücken herab – und rief zurück: ´Dahin, dahin! Ich kehre zurück, wenn es Gottes wille ist!´  In wilder Fahrt entschwanden Roß und Reiter den Augen des Knappen, und man hat nie erfahren, was aus König Dietrich ward. Manche erzählen, er reite mit in Wotans Heer, und andere, er sei entrückt und werde wiederkehren in sein Reich zu seiner Zeit."

 

 

-- Das ist das Ende der Mär --

 

 

         

 

 

 

 

-- König Dietrich zu Romaburg --

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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