dietrichsschwert1

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-- I/VI --

 

"Viele edle Helden dienten am Hofe zu Bern, landsässig und dem Amelungengeschlecht durch lange Treue verbunden; unter ihnen waren die vorzüglichsten Wölflinge, zu denen Hildebrand gehörte und Helferich, Siegstab und der ungestüme Wolfhart. Aber Dietrichs Ruhm, durch viele Kämpfe mit Riesen und Rittern früh bewährt, lockte bald auch fremde Recken aus der Ferne herbei. Als erster kam Heime, des Studas Sohn. Sein Vater war ein mächtiger Bauer und Rosszüchter im Schwabenland. Er ließ seine Pferde frei im Walde grasen, und ein Rudel war das beste: darin gingen nur einfarbige graue, falbe oder schwarze Tiere, groß und schön gebaut, schnell wie Vögel im Flug, feurig und doch leicht zu zähmen; Studas war ein Meister darin, sie zuzureiten.

 

Da der Vater schon alterte, hätte Heime hier ein gutes und sicheres Erbe zu erwarten gehabt; aber es trieb ihn hinaus vom väterlichen Hof. Er sah nicht eben adelig aus mit seinem untersetzten, vierschrötigen Wuchs, dem breiten Gesicht, dem dicken Hals und dem zottigen dunklen Bart; doch er war stark und wohlerfahren im Rossetummeln und Waffenspiel. Immer wollte er der erste sein, darum hatte er oft Händel, und bald fürchtete man ihn, denn er war leicht zornig und im Zorn böse. Studas hatte ihn mit dem vortrefflichen grauen Roß Rispe aus seinem Gestüt und mit einem guten Schwert ausgestattet; jetzt beschloß er, aus dem heimatlichen Wald fortzureiten nach Bern und Dietrich selbst zu Zweikampf herauszufordern. Studas warnte ihn: ´Mit Dietrich kannst du dich nicht vergleichen, such dir einen anderen aus! Man muß Maß halten können, Übermut tut selten gut!´ Aber Heime antwortete dem Vater: ´Ich will nicht hier versauern, sondern es in der Welt weiterbringen als du!´ und ritt wütend hinweg.

 

Als er in Bern anlangte, stieg er vom Pferde und ging in die Königshalle, geradewegs vor den Hochsitz. Keck redete er Dietrich an: ´Ich hörte viel von dir erzählen und ritt her, dich kennenzulernen. Nun magst du deine Stärke an mir erproben! Komm hinaus aufs Kampffeld, da wollen wir sehen, wer die Waffen des anderen erbeutet!´ Über diese dreiste Rede war Dietrich sehr ungehalten, so hatte in seiner Burg noch keiner mit ihm zu sprechen gewagt. Sofort sprang er auf und rief nach seinen Waffen, um den Herausforderer zu strafen. Heime hielt sich im Kampf zu Pferde sehr gut, zweimal ritten die Gegner widereinander, ohne sich Schaden zu tun, und als beiden beim dritten Ritt die Speere brachen, hatte Heime nur eine leichte Verwundung davongetragen. Auch im Schwertkampf stand er seinen Mann, doch bei einem gewaltigen Schlag auf Hildegrimm sprang ihm sein Schwert in Stücke. So ward er waffenlos und gab sich in Dietrichs Hand; der schonte ihn und nahm ihn als Gefolgsmann auf. Zum Dank ließ ihm Heime aus seines Vaters Gestüt einen edlen falben Hengst namens Falke holen; Dietrich aber schenkte ihm dafür, da er jetzt den Eckesachs trug, sein Schwert Nagelring."

 

 

         

 

 

-- Der junge Dietrich von Bern --

 

 

 

 

 



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