dietrichsschwert2

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-- II/VI --

 

"Als zweiter Held kam nach Bern Wittich, der Sohn des berühmten Schmieds Wieland, dessen Ahnfrau eine Meerminne gewesen war. Wittich war ein kühner Jüngling von gewaltigen Wuchs und ritterlichen Sinn, seine Faust verlangte nicht nach Hammer und Zange, sondern nach Spieß und Schwert. Der Vater selbst schmiedete ihm Rüstung und Gewaffen; Brünne und Schild schimmerten silberweiß, den Helm von härtestem Stahl krönte eine goldene Schlange, aber das köstlichste Kleinod war das Schwert Mimung, das beste, das je aus Wielands Hand kam. Nicht gern ließ Wieland den Sohn ziehen, der mit Dietrich Mann gegen Mann zu fechten begehrte; aber als er seinen Willen unbeugsam fand, schenkte er ihm zu der Fahrt den Hengst Schimming, einen Bruder von Rispe und Falke, und als er sah, wie Wittich in voller Rüstung mit allen Waffen in den Sattel sprang, den Steigbügel verschmähend, lachte er vor Vaterstolz und wünschte ihm gute Reise.

 

Unterwegs begegnete Wittich Hildebrand und Heime, die einen Gast zu Dietrich geleiteten, und ritt mit den dreien weiter. Er erzählte sein Vorhaben, und als Hildebrand den gewaltigen Wuchs des Recken und seine herrlichen Waffen, vor allem aber den Mimung sah, dünkte es ihn, sein Herr werde keinen leichten Stand haben. Nach einer Weile kamen sie an eine Wegscheide, und Hildebrand sprach: ´Von hier führen zwei Wege nach Bern, ein weiter und ein kürzerer. Aber auf dem kürzeren müssen wir über eine Brücke, und sie wird gesperrt durch ein Kastell, in dem zwölf wilde Räuber wohnen. Sie fordern von jedem, der hinüber will, unerbittlich harten Zoll, und es ist nicht sicher, daß sie ihm das Leben lassen. Vergebens versuchten wir ihnen das Handwerk zu legen und das Kartell zu zerstören. Darum ist es besser, wir wählen den weiteren Weg.´ Aber Wittich entgegnete: ´Nein, wir wollen es mit dem kürzeren versuchen, wir werden es schon schaffen!´ Und als sie auf dem kürzeren Wege von fern das Kartell liegen sahen, sprach er: ´Nun laßt mich voraufreiten! Ich will mit ihnen wegen des Brückenzolls reden!´ Damit sprengte er voran, und die drei anderen ritten ihm langsam nach.

 

Von der Mauer aus sahen die zwölf Räuber Wittich heranreiten, und er schien ihnen höchst verwegen. ´Der Mann hat einen guten Schild´, sprach der erste, ´der soll mein sein!´ Da sprach der zweite: ´So nehme ich sein Schwert!´ Der dritte: ´Ich die Brünne!´ Der vierte: ´Ich den Helm!´ Der fünfte: ´Ich sein Roß!´ Der sechste: ´Ich sein Gewand!´ Der siebente: ´Ich seine Beinschienen!´ Der achte: ´Ich alles Geld, das er in seinen Taschen trägt!` Nun war die Habe verteilt; da sprach der neunte: ´So nehme ich seine rechte Hand!´ Der zehnte: ´Ich den rechten Fuß!´ Der elfte: ´Und ich seinen Kopf!´ Der zwölfte aber, der als einziger leer ausgehen sollte, sprach: ´Lassen wir ihm den Kopf! Mag er zusehen, wie er nackt und verstümmelt fortkriecht!´ Damit waren alle einverstanden, und drei von ihnen ritten aus dem Tor, die Helden zu empfangen."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Die Wölflinge Wolfhart, Siegstab und Helferich --

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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