dietrichsschwert4

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-- IV/VI --

 

"Voll Zorn antwortete Dietrich: ´Frieden will ich haben in meinem und meines Vaters Land! Was soll das heißen, dass jeder hergelaufene Strolch mich zu einem Zweikampf herausfordert!´ ´So sollst du nicht sprechen´, mahnte ihn Hildebrand, ´du kennst den Helden noch nicht!´ Dem Warner schnitt ein Höfling das Wort ab, der zum König sprach: ´Ganz recht hast du, Herr! Da könnte schließlich jeder Knecht dich fordern!´ Aber Hildebrand rief: ´Meinen Blutsbruder sollst du nicht zum zweitenmal schmähen!´ und schlug den Höfling ins Gesicht, dass er ohnmächtig zu Boden fiel. Dietrich blickte Hildebrand finster an und sprach: ´Stehst du meinem Feinde bei? Nun, er wird deine Hilfe bald nötig haben, denn heute noch soll er hängen!´ ´Besiege ihn erst ´, entgegnete Hildebrand, ´dann magst du mit ihm verfahren, wie du willst!´

 

Eilig waffnete sich Dietrich und ritt auf Falke hinaus vor die Stadt; dort erwartete ihn Wittich bereits, in seiner silberweißen Rüstung auf Schimming anzusehen wie ein Fürst. Mit einer Schale voll Wein trat Heime an Dietrich heran: ´Trinke, Herr, Heil dir und Sieg, heut wie immer!´ -  und Dietrich trank. Nun reichte Hildebrand Wittich auch eine Schale; der sagte: ´Gib sie erst Dietrich und bitte ihn, mir zuzutrinken!´ Zornig wies Dietrich die Schale von sich, da wandte sich Hildebrand um und bot sie Wittich mit den Worten: ´Kämpfe wie ein Held, und Heil sei mit dir!´ Wittich trank und gab ihm die Schale zurück, zugleich mit einem Goldring: ´Dank dir, mein Bruder!´ Dann rief er Dietrich zu: ´Bist du bereit?´ ´Ich komme schon!´ rief Dietrich zurück, und sie brausten aufeinander zu wie Raubvögel. Dietrichs Lanze glitt ab von Wittichs Schild und blieb heil in seiner Hand, während sein Roß vorbeischoß; Wittichs Lanze aber fuhr tief in den Schildbuckel Dietrichs und zersplitterte. ´Wende dein Roß und reite noch einmal gegen mich, ich werde dir stillhalten´, rief Wittich; ´du sollst deine Lanze auch verlieren!´ Dietrich rannte zum zweitenmal gegen ihn und zielte gerade auf seine Brust, aber Wittich hatte blitzschnell sein Schwert gezogen und schlug auf den Speerschaft so heftig, dass er zerbrach.

 

Nun verließen sie die Sättel und gingen mit den Schwertern aufeinander los; viele starke Hiebe wechselten sie, bis Wittich den Kampf mit einem Streich zu beenden dachte: mit ungeheurer Wucht ließ er sein Schwert auf Hildegrim niedersausen, da zersprang es in zwei Stücke, Wittich aber rief: ´Die Hölle verschlinge dich, Vater Wieland, für deine Pfuscharbeit! Hättest du mir ein besseres Schwert gegeben, dann käme ich nicht in Schande!´ Mit beiden Händen hob Dietrich seine gute Klinge, um dem Feinde den Todesstreich zu versetzen: aber jetzt sprang Hildebrand zwischen die beiden und rief: ´Gib Wittich den Frieden und mach ihn zu deinem Genossen – davon wirst du Ehre haben!´ ´Heute noch soll er hängen!´ erwiderte Dietrich voll Zorn; ´ich will nicht länger dulden, daß mich jeder hergelaufene Kerl herausfordert! Aus dem Weg, sonst schlage ich dich zuerst nieder, ehe ich ihm den Garaus mache!´

 

´Dir ist nicht zu helfen´, antwortete Hildebrand, ´so mag denn das Kind seinen Willen haben!´ Damit zog er Mimung aus der Scheide und reichte ihn Wittich: ´Nun sei ehrliches Spiel, Blutsbruder! Nimm hier dein Schwert Mimung! Ich kann dir nicht helfen, nun hilf dir selbst!´ Vor Freude laut auflachend, küsste Wittich die blanke Klinge und rief: ´Verzeih mir, mein Vater, dass ich dich schalt! Nun, Dietrich, heran, ich lechze nach Kampf mit dir wie ein Verdurstender nach einem Tropfen Wasser!´ Und schon traf er Dietrich Streich um Streich, mit jedem schälte er ihm ein Stück von der Rüstung; nur noch sich zu decken war Dietrichs Bemühung, und doch blutete er bereits aus fünf Wunden. Unentrinnbar stand ihm die Niederlage vor Augen, da rief er Hildebrand an, den Kampf zu scheiden. Aber Hildebrand sprach: ´Vorher wollte ich´s tun, aber du nahmst keinen Rat an, obwohl du Ehre davon gehabt hättest! Jetzt beende den Kampf allein, so gut du kannst! Ich trete nur dazwischen, wenn du dich in Wittichs Hand gibst, wie er vorher in deiner war.´"

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Wittich, Sohn des Wieland --

 

 

 

 

 

 

 

 



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