dietrichsschwert6

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-- VI/VI --

 

"Nachdem die neun Tage des Hoffestes verrauscht waren, wollte Dietrich heimreiten und befahl Dietleib, alles zum Aufbruch zu rüsten. ´Zu deinen Diensten, Herr´, sagte Dietleib; ´aber zuerst wirst du wohl die Zeche bezahlen wollen, die ich mit meinen Gesellen gemacht habe; denn wir mussten ja auch leben, während ihr an des Königs Tafel speistet.´ ´Gewiß will ich das bezahlen´, antwortete Dietrich; ´sag nur, wie viel es ausmacht.´ Dietleib erwiderte: ´Zuerst hab ich mein eigenes Geld verbraucht, das waren dreißig Mark Gold; die brauchst du nicht zu bezahlen, wenn du nicht willst. Aber dann hab ich noch sechzig Mark ausgegeben, und die wirst du wohl bezahlen müssen: denn dafür hab ich Heimes und Wittichs und deinen eigenen Hengst verpfändet und eure ganzen Waffen dazu.´ Darauf sprach Heime: ´Da haben wir uns ja einen nützlichen Dienstmann ausgesucht; der Kerl hat wohl den Teufel im Leibe!´ Aber Dietrich sagte zu Dietleib nur: ´Komm mit zum König!´

 

Sie gingen an den Hof, und Dietrich sprach: ´Oheim, möchtest du wohl die Zeche bezahlen, die meine Dienstleute während des Festes gemacht haben?´ ´Gern´, sagte Ermanrich, ´rufe nur meinen Schatzmeister! Wieviel macht es denn?´ ´Danach musst du den jungen Mann hier fragen!´ antwortete Dietrich, und Ermanrich wandte sich an Dietleib: ´Also kurz, wieviel habt ihr verzehrt?´ ´Nicht so sehr viel´, entgegnete Dietleib; ´erst meine eigenen dreißig Mark, die magst du mir wiedergeben oder nicht; aber für die übrigen sechzig Mark, die ich verbrauchte, hab ich Waffen und Rosse meines Herrn und seiner Genossen versetzt, und so müssen sie wohl bezahlt werden!´ Aufgebracht rief der König: ´Wie kommst du dazu, das Geld so hinauszuwerfen? Bist du ein großer Herr oder ein vollständiger Narr?´ Aber Dietleib erwiderte, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen: ´Wenn ich sonst zu vornehmen Leuten kam, ließ man mich nicht so lange nüchtern reden, sondern lud mich vorher zu Speise und Trank!´ ´Setz dich hin!´ sagte Ermanrich und hieß ihn auftischen. Dietleib aß für drei, und eine Weinschale, so groß, dass sie der Diener nur mit Mühe schleppen konnte, leerte er auf einen Zug.

 

Die anderen schauten mit Verwunderung zu, wie er einhieb; aber Walther von Wasgenstein, Ermanrichs Neffe sprach: ´Kannst du eigentlich noch etwas anderes als Fressen, Saufen und Geld vertun? Verstehst du dich aufs Speerschießen und Steinwerfen?´  ´O ja´, antwortete Dietleib, ´ich getrau mich wohl, es darin mit einem von euch aufzunehmen.´ Da sprach Walther: ´Dann sollst du´s gleich mit mir versuchen und dein Haupt gegen meins setzen! Ich will dir ein für allemal die Unverschämtheiten austreiben, du wirst nicht wieder Feste feiern, die doppelt so teuer sind wie die des Königs selbst!´ ´Machen wir das Spiel!´ antwortete Dietleib, ´mehr als den Kopf kann es ja nicht kosten.´

 

Sie zogen vors Tor, dort lag ein Stein, der war wohl sechs Zentner schwer. Walther nahm ihn zuerst und warf ihn zehn Fuß weit, darauf warf ihn Dietleib elf; und als Walther, alle Kraft aufbietend, ihn dreizehn Fuß weit schleuderte, erreichte Dietleib achtzehn. Da mußte Walther dieses Spiel verlorengeben. Nun nahmen sie eine schwere Bannerstange, die Schoß Walther über die ganze Halle hinweg, und das schien allen ein wunderstarker Schuß. Aber Dietleib warf die Stange zurück, lief, während sie übers Dach flog, durch die ganze Halle und fing den Speer auf der anderen Seite mit der Hand auf: so hatte er auch das zweite Spiel gewonnen und damit Walthers Haupt. König Ermanrich aber sprach zu ihm: ´Guter Degen, laß mich das Haupt meines Neffen auslösen und bestimme selbst den Preis!´ Dietleib antwortete: ´Was soll ich mit seinem Kopf? Den schenk ich dir! Aber die Zeche, die ich gemacht habe, die mußt du bezahlen, damit mein Herr und seine Genossen ihre Pferde und Waffen wiederkriegen´. ´Das tu ich gern!´ sprach Ermanrich, ´hab Dank und laß mich´s dir lohnen!´ Darauf bezahlte der König die sechzig Mark für die Pfänder und gab Dietleib die eigenen dreißig obendrein zurück; überdies schenkte er ihm eine kostbare Rüstung. Jetzt nannte Dietleib seinen Namen, und mit Freuden nahm ihn Dietrich unter seine Schwertbrüder auf."

 

 

-- Das ist das Ende der Mär --

 

 

         

 

 

 

 

-- Walther vom Wasgenstein --

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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