diewaldstaette1

Zurück

 

-- I/III --

 

-- Die Geschichte von Wilhelm Tell --

-- Diese Sage stammt aus der Schweiz --

 

"Von den drei Waldstätten wurde zuerst Uri gegründet durch Siedler, die mit Erlaubnis des Römischen Reiches das wilde Land reuteten; dann kamen die Römer nach Unterwalden und als letzte Schweden, die durch Hunger und teure Zeit aus ihrer Heimat vertrieben worden waren, nach Schwyz. Lange Zeit saßen die drei Länder in guter Ruhe, und das änderte sich fürs erste auch noch nicht, als die Grafen von Habsburg das umliegende Gebiet unter ihre Herrschaft brachten. Als aber Rudolf von Habsburg zum deutschen König gesetzt war, sandte er Boten zu den Waldstätten und bat sie mit guten Worten, ihm in des Reiches Namen untertänig zu sein und eine bescheidene Steuer zu zahlen; dafür wollte er sie schirmen und fromme Männer zu Vögten über sie setzen. Nur dem Reich sollten sie zugehören und in allen ihren Rechten und Freiheiten belassen werden. Das gingen die Waldstätten ein, und König Rudolf hielt, solange er lebte, treulich, was er ihnen versprochen hatte. Als er aber gestorben war, nahmen seine Erben die habsburgischen Länder in Besitz und begannen auch mit den Waldstätten zu schalten, als seien sie ihr Eigen und nicht des Reichs. Edelleute aus dem Aargau, Thurgau und Zürichgau, die gern die großen Herren spielen wollten, bewarben sich um die Vogteien, und so ward ein Geßler Vogt zu Uri und Schwyz und ein Landenberg Vogt zu Unterwalden. Sie führten ihre Ämter mit Härte und achteten die Freiheiten der Waldstätten nicht, schrieben willkürlich Abgaben aus und gedachten die Länder aus der Hand des Reiches in ihre eigene Gewalt zu bekommen. Mutwillig bedrückten und mißhandelten sie die Biederleute. Wenn einer eine hübsche Frau oder Tochter hatte, führten sie sie ihm weg und behielten sie auf ihren Burgen, solange sie wollten; und wer sich darüber beschwerte, den straften sie hart und nahmen ihm Hab und Gut.

 

Der Landenberg, der auf seiner Burg zu Sarnen saß, hörte, daß ein alter Bauer im Melchtal ein besonders schönes Joch Ochsen besaß; gleich schickte er einen Knecht, sie wegzunehmen und zu ihm zu bringen. Der Knecht ging hin und bestellte, wie ihm geheißen ward: ´Die Bauern sollen ihren Pflug selber ziehen, die Ochsen gehören dem Vogt!´ Als er aber die Tiere ausspannen und wegtreiben wollte, kam des Bauern Sohn Arnold dazu, der wollte den Raub nicht dulden und schlug mit dem Geißelstecken auf den Knecht, daß er ihm einen Finger entzweibrach. Schreiend lief der Knecht heim und erzählte dem Herrn, was ihm widerfahren war. Der Vogt befahl, den Sohn zu ergreifen, aber die Häscher fanden ihn nicht mehr, denn er war bereits entflohen. Da ließ der Landenberg den Vater gefangen nach Sarnen führen und blenden und nahm ihm alles, was er hatte.

 

Zur selben Zeit ritt der Junker von Wolfenschießen, den der Landenberg als seinen Amtmann auf die Burg Roßberg gesetzt hatte, zum Hause eines Biedermanns in Altzellen, als dieser gerade ins Holz gegangen war und seine hübsche Frau allein war; und er verlangte von ihr, dass sie ihm seinen Willen täte, ob es ihr lieb sei oder leid. Da sie ein frommes Weib war, sträubte sie sich; aber er hörte nicht auf ihre Bitten und befahl ihr, ein Bad zu rüsten, darin wollte er sich mit ihr erfreuen. Als das Bad fertig war, ging er hinein und hieß sie nachkommen; verzweifelt rief sie zu Gott, und weil er die Seinen nicht verläßt, wenn sie IHN anrufen, kam in diesem Augenblick ihr Mann vom Holz zurück, die Axt noch auf den Schultern. ´Was fehlt dir, Frau?´ fragte er, da er sie in solcher Betrübnis sah, und sie erzählte ihm in Hast, was geschehen war. Da geriet der Mann in Zorn und sprach: ´So will ich ihm sein Bad segnen!´, lief in die Badestube und schlug dem Junker mit der Axt auf einen Streich zu Tode. Danach entrann er, und obzwar der Landenberg ihn verfolgen ließ, Ward er nicht gefunden. Nicht weniger gefürchtet als der Landenberg war in Schwyz und Uri der Geßler. Für gewöhnlich saß er auf der Burg zu Küßnacht; um Uri aber besser in der Faust zu haben, begann er in Altorf mit der Errichtung einer starken Feste, die den Namen Zwing-Uri tragen sollte. Eines Tages kam der Vogt durch Schwyz geritten und sah dort ein schönes neues Haus, ganz aus Stein erbaut; er ließ den Werner Stauffacher, der darin wohnte, herausrufen und fragte ihn: ´Wem gehört dieses Haus?´ Der Stauffacher war wohl auf der Hut und antwortete: ´Gnädiger Herr, das Haus ist Euer, und ich trage es nur zum Lehen´, denn er getraute sich nicht zu sagen, es sei seins. Da sprach der Vogt: ´Ich will nicht, daß die Bauern wie Herren wohnen´, und ritt für diesmal weiter.

"     

 

 

         

 

 

 

 

 

 

 



Kostenlose Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!