ermanrichstuecke1

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-- I/III --

 

"Von den drei Brüdern Ermanrich, Dietmar und Dieter starb der letzte und jüngste zuerst; er hinterließ zwei unmündige Söhne, Frittel und Emmerich, die er samt ihrem Lande der Pflege des älteren Bruders Ermanrich anvertraute. Als zweiter der Brüder starb Dietmar, ihm folgte als König in Bern Dietrich, der seinen jungen Bruder Dieter bei sich erzog. Dietrich war bei seinem Oheim Ermanrich wohl angesehen, denn er hatte ihm bei mancher Heerfahrt seinen Arm geliehen; darum konnte er wohl eine Gunst von ihm erbitten. So warb er bei ihm für seinen Gesellen Wittich um die Hand Bolfrianas, der Witwe König Dieters, die reichen eigenen Besitz in Ermanrichs Lande hatte, und Ermanrich gewährte die Bitte gern, da er auf diese Weise den starken Helden Wittich gewann; er verlieh ihm Bolfrianas Erbe als Lehen, und Wittich trat aus Dietrichs Dienst in den seinen. Zugleich mit Wittich aber wurde auch Heime Ermanrichs Mann. Nicht gerne trennte sich Dietrich von so guten Recken; aber er glaubte sie keinem besseren König geben zu können als seinem Oheim, den er bisher immer als einen gerechten Herrscher und aufrichtigen Freund empfunden hatte.

 

Bei allen Entschlüssen befragte Ermanrich stets zuerst seinen Ratgeber Sibich, der den Willen des Königs so trefflich lenkte, daß alles wohlgeriet; darum nannten ihn alle den treuen Sibich. Aber Sibich hatte eine schöne Frau, die gefiel dem König allzu gut. Da er bei ihr kein Gehör fand, schickte er seinen Ratgeber auf eine weite Reise und ging, als er sie allein wußte, zu ihr ins Haus. Sie wollte nichts von Ehebruch wissen und sträubte sich sehr gegen ihn, bis er sie endlich doch überwältigte. Sibich fand bei der Rückkehr seine Frau weinend und drang in sie, bis sie ihm alles erzählte. Da sprach er zu ihr: ´Trockne deine Tränen und mach ein fröhliches Gesicht! Niemand soll erfahren, was geschehen ist; aber ich werde dem König heimzahlen, was er mir antat! Nannte man mich vordem den treuen Sibich, so will ich fortan der ungetreue Sibich sein. Ermanrich nahm mir mein Weib, dafür will ich seine ganze Sippe ausrotten!´

 

Zwei Söhne besaß König Ermanrich, Friedrich und Reginbald, und gegen sie richtete Sibich vor allem seine Anschläge; aber es glückte ihm zunächst nur mit dem jüngeren. Ihn sandte Ermanrich auf den Rat des Erbitterten zum König der Angeln, den Tribut einzufordern, und Sibich gab ihm ein schlechtes Schiff: damit ging Reginbald samt seiner ganzen Mannschaft unter. Danach reizte Sibich seinen Herrn durch falsche Anschuldigungen auf gegen seine Neffen Frittel und Emmerich, die Söhne Dieters, die auch die Harlungen benannt wurden. Sie waren unter der Hut ihres Meisters, des getreuen Eckehart, zu blühenden Jünglingen herangewachsen, und Sibich brachte sie in den Verdacht, daß sie ihre Augen begehrlich auf die Gemahlin des alternden Königs richteten, ja auch nach seinem Reiche trachten. Da schwor Ermanrich, dessen Gemüt sich seit dem Tod seines Sohnes zu verdüstern begann, in wildem Zorn, er werde die beiden Knaben fangen und hängen.

 

Eckehart weilte gerade bei Hofe und hörte den Eid; er sprach: ´Nie soll mit meinem Willen dieser Frevel geschehen!´ Eilends warf er sich aufs Roß und ritt Tag und Nacht, bis er an den Rhein vor Breisach kam. Stromauf und stromab sah er keine Fähre; und um keine Zeit zu versäumen, stieg er ab, sprang in den Strom und strebte schwimmend der Burg zu. Von der Zinne aus sahen die Brüder in den Wellen des Getreuen Haupt, und einer sprach zum andern: ´Gefahr muß nahe sein, daß unser Meister schwimmend zu uns eilt!´ Sie gingen ihm ans Ufer entgegen, atemlos rief er ihnen, ans Land steigend, zu: ´Große Not steht euch bevor: König Ermanrich kommt mit seinem Heer, euch zu fangen und zu hängen! Flieht und rettet euer Leben!´ ´Wie sollten wir unsern Oheim fürchten?´, antworteten sie; ´wir taten ihm nie etwas zuleide!´ Bald erfuhren sie von Eckehart, wessen sie beschuldigt wurden, und daß der König unversöhnlich sei. Aber fliehen wollten sie nicht, sondern sie zogen die Brücke auf und beschlossen, ihre Burg wie Helden zu verteidigen."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Ermanrich, der Dietrich vertrieb --

 

 

 

 

 

 

 

 



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