ermanrichstuecke2

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-- II/III --

 

"Es dauerte nicht lange, bis König Ermanrich mit seinem Heer erschien. Er sprengte hart an den Graben und warf mit aller Macht seine Bannerstange hinüber zur Burg, zum Zeichen, daß er nicht weichen werde, bis er sein Banner wiederfinde in der eroberten Stadt. Emmerich rief ihm zu: ´Warum, Oheim, bekriegst du uns und willst unsere Feste einnehmen?´ ´Gleichviel warum´, antwortete Ermanrich, ´ihr sollt am höchsten Baum hängen, den ich finde!´ ´Dann wollen wir unser Leben teuer verkaufen´, sagte Frittel, ´und du sollst es mit dem Blute vieler Männer bezahlen!´ Gegen die Mauer und zurück flogen die Speere; dann aber ließ der König Wurfmaschinen aufbauen und schleuderte Feuer in die Feste. Da sagte Frittel: ´Wir wollen nicht jämmerlich hier verbrennen, sondern vor dem Tor mit Ehren sterben!´ Sechzig Mann stark stürmten sie hinaus und erschlugen dem König vierhundert; aber zuletzt wurden sie überwältigt und gebunden, und Ermanrich ließ die Brüder an einen hohen Baum hängen, wie er es geschworen hatte. Eckehart gelang es im letzten Augenblick sich loszureißen und zu entkommen. Er eilte nach Bern zu Dietrich, ihm das Ungeschick der Harlungen zu klagen, und dem edlen Helden ward das Herz schwer, als er hörte, wie Ermanrich gegen die eigene Sippe wütete.

 

Jetzt schien Sibich die Zeit gekommen seinen Herrn gegen Dietrich selbst zu hetzen, den edelsten Sproß des Amelungenhauses. ´Siehst du König´, sprach er zu ihm, ´daß er deine Feinde bei sich aufnimmt? Er ist dir schon lange aufsässig; allzu stolz haben ihn seine Taten gemacht, als daß er sich vor dir, dem Haupt der Sippe in Ehrfurcht beugen möchte.´ Viele Zeichen, wahr oder unwahr, wußte er dafür vorzubringen, daß Dietrich seinem Oheim nach dem Reich stelle, und endlich bot Ermanrich seine ganze gewaltige Macht auf, um gegen seinen Neffen zu ziehen. Er überschwemmte unversehens Dietrichs Gebiet mit seinem Heer, daß dieser in Bern nur mit einer kleinen Schar zum Widerstand rüsten konnte, und legte sich vor die Stadt.

 

Dietrichs alte Schwertgenossen, Wittich und Heime, leisteten Ermanrich nur ungern Heerfolge, und Wittich zürnte ihm obendrein wegen der Ermordung der Harlungen, die ja die Söhne seines Weibes waren; aber beide Recken konnten sich ihm nicht weigern, da sie ihm den Treueid geschworen hatten. Als sie jedoch vor Bern lagen, geriet Heime mit Sibich in Streit; vor König Ermanrichs Angesicht begann er den falschen Ratgeber zu schelten, und Sibich antwortete hochfahrend: ´Ich sagte dem König schon längst, daß er dich viel zu sehr ehrt! Du taugst nicht an den Königshof, sondern gehörst auf den Bauernhof, von dem du stammst, und solltest dort bei deinem Vater Rosse hüten wie einst!´ In heller Wut rief Heime: ´Hätte ich Nagelring zur Hand, ich schlüge dich tot wie einen Hund!´ Und er versetzte ihm mit der Faust einen Schlag ins Gesicht, daß Sibich fünf Zähne aus dem Mund sprangen und er betäubt zur Erde fiel. Erzürnt sprang Ermanrich auf und rief: ´Ergreift ihn, dafür soll er hängen!´ Aber Heime sprang zur Tür, riß im Vorsaal seine Waffen an sich, schwang sich aufs Roß und sprengte davon. Eine schwerbewaffnete Schar von Rittern eilte ihm nach; aber Wittich stellte sich, den bloßen Mimung in der Faust, ins Burgtor, und keiner wagte sich heran. So entkam Heime; er zog, da er nicht zu Dietrich gelangen konnte, kreuz und quer durch Ermanrichs Land, und wo er auf einen Hof traf, der dem König oder Sibich gehörte, steckte er ihn in Brand und schlug die Leute tot. Danach barg er sich in den Wäldern und lebte dort lange Zeit wie ein Räuber. Wittich aber hielt sich zurück und lagerte mit den Seinen untätig abseits des Heers."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Sibich, Begründer von Dietrich´s Unheil --

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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