ermanrichstuecke3

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-- III/III --

 

"Das kam Dietrich wohl zugute, als er zur Nachtzeit unversehens einen Angriff auf Ermanrichs Lager wagte. Der Berner überraschte die Feinde im Schlaf, erschlugen ihrer eine große Zahl, ehe sich das Heer noch ermunterte und zum Widerstand stellte, und machten viele Gefangene, unter denen sich auch Ermanrichs Sohn Friedrich befand. Froh dieses Erfolgs kehrten sie bei Tagesanbruch nach Bern zurück. Dennoch konnte sich Dietrich nicht verhehlen, daß er mit seinem kleinen Heer der Übermacht Ermanrichs würde erliegen müssen. Darum ging er mit seinen Genossen zu Rat, woher er die nötigen Mittel erlangen könnte, um größere Mannschaft zu werben. Die Schatzkammer war leer, denn allzu freigebig hatte der milde König Gaben ausgestreut. Aber einer seiner Getreuen, der Markgraf von Pola, sprach: ´Macht Euch keine Sorge, Herr! Daheim habe ich Silber und Gold genug, Ihr müßt es nur holen lassen. Gebt mir eine kleine Schar Eurer besten Helden mit, daß sie den Zug beschützen, dann sende ich Euch, soviel ihr braucht!´ Das war Dietrich ein großer Trost. Er erwählte sofort sieben seiner besten Genossen, darunter Hildebrand, Wolfhart und Dietleib, und entsandte sie mit dem Markgrafen nach Pola. Dort beluden sie viele Saumtiere mit Gold und Silber und geleiteten den Zug zurück.

 

Aber die Reise war Ermanrich verraten worden. Er hatte den grollenden Wittich versöhnt, indem er ihm reiche Ehren und vor allem Markgrafschaft Raben verhieß, und Wittich war es, der mit überlegener Mannschaft die heimkehrenden Helden überfiel, als sie allzu sorglos Rast und Mahlzeit hielten. So rasch und heftig geschah der Ansturm, daß sechs der Helden überwältigt und gefangen waren, ehe sie noch zu ihren Waffen greifen konnten; nur Dietleib gelang es, sich herauszuhauen, und er brachte Dietrich die böse Botschaft. Der König getröstete sich damit, daß er Ermanrichs Sohn und mehr als tausend seiner Mannen als Gefangene hatte, gegen die er seine Genossen wohl zurücktauschen könne. Aber Ermanrich wies auf Sibichs Rat das Angebot schroff zurück: ´Hänge meinen Sohn, wenn du willst, und töte meine tausend Mannen! Ich jedenfalls gebe dir deine Genossen nicht wieder, sondern lasse sie hängen, wenn du nicht, arm und mit kleiner Schar, das Reich räumst und meinen Händen überlässt!´ Um keinen Preis, auch um den der Krone nicht, hätte Dietrich den Genossen die Treue brechen mögen. Und so geschah es denn, daß er in die harte Bedingung willigte und den Vertrag mit heiligem Eid beschwor.

 

Traurig zog Dietrich aus seinem ererbten Reich, nur von fünfzig Helden begleitet, unter ihnen Dietleib und Wolfhart, Siegstab und Siegeband, Helferich, Eckehart und Hildebrand, der das Banner trug. Alles mussten die Getreuen hinter sich lassen, was sie besaßen, nicht nur ihre Güter, sondern auch Frauen und Kinder. Zum letzten Mal küßte Hildebrand seine Frau Ute und auf ihrem Arm seinen kleinen Sohn Hadubrand. Die Vertriebenen ritten nach Norden über das Gebirge, bis sie nach Bechelaren kamen, wo der edle Rüdiger die Mark des Hunnenreiches hütete. Als er von ihrem Nahen hörte, ritt er ihnen mit seiner Frau Gotelind und stattlichem Gefolge entgegen und beugte vor dem Berner Held das Knie. ´Nicht so, edler Markgraf!´ sprach Dietrich zu ihm; ´du siehst keinen mächtigen König vor dir, sondern einen Heimatlosen, der aus seinem Reich vertrieben ist und nichts mehr sein eigen nennt als diese kleine Schar von Getreuen.´ ´Du wirst dein Reich wiedergewinnen´, antwortete Rüdiger; ´bis dahin sollst du mir und meinem Herrn willkommen sein.´ Er bewirtete die Amelungen königlich und beschenkte sie mit reichen Gaben; dann geleitete er sie selbst an König Etzel´s Hof. Bei ihm und seiner Gemahlin Helche fanden die Verbannten die liebreichste Aufnahme und eine dauernde Stätte. Etzel ehrte Dietrich über alle Helden und teilte mit ihm den Hochsitz, und Dietrich lieh ihm zum Dank dafür seinen starken Arm in manchem Krieg gegen die Wilzen und Russen, deren Land er ihm, mit seinen Genossen an der Spitze des hunnischen Heeres streitend, gänzlich unterwarf. Aber er vergaß niemals seines eigenen Reichs, das Ermanrich ihm geraubt hatte, und wurde trotz aller Siege und Ehren, die er in langen Jahren gewann, im fremden Lande nicht mehr froh. Und selbst daß Frau Helche ihm ihre Nichte, die schöne und sanfte Herrat, zur Gattin gab und ihn damit in die eigene Sippe aufnahm, vermochte ihn über die verlorene Heimat nicht zu trösten."

 

 

-- Das ist das Ende der Mär --

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Dietrich muß vor Ermanrich fliehen --

 

 

 

 

 

 

 



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