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-- II/III --

 

"Als Widukind, der Karl fünfzehnmal besiegt hatte, in drei gewaltigen Schlachten endlich niedergerungen war, gedachte er um der Freiheit seines Volkes Willen den Kaiser mit eigener Hand zu töten. In falscher Pilgerkleidung ging er nach Visbek, wo Karl gerade Hof hielt, und stellte sich an die Kirchentür; dort wollte er warten, bis sein Feind heraustrete. Die Rechte hielt er auf der Brust, den Griff des Dolches umklammernd, den das Kleid verbarg. Aber während er harrte, blickte er voll Neugier in das Gotteshaus, er schaute die erhabene Gestalt des Kaisers und die Pracht des Gottesdienstes, und das alles erschütterte ihn im tiefsten Herzen. Als das Hochamt zu Ende war, kam Karl, von seinem glänzenden Hofstaat umgeben, aus der Kirche und blieb vor dem Pilger stehen, dessen gewaltiger Wuchs ihm auffiel; er betrachtete ihn lange und sah auf seine Hand: dabei bemerkte er, daß der Mittelfinger nach dem Daumen zu verkrümmt war, und erkannte an diesem Zeichen Widukind. ´Du bist nicht der, der du scheinen willst!´ sagte er  und blickte den Pilger scharf in die Augen. Da warf Widukind, von unwiderstehlichem Zwang ergriffen, den Dolch von sich und gab sich in des Kaisers Hand, jetzt endlich bereit, das Christentum anzunehmen.

 

Karl empfing ihn gütig und hielt ihn bei sich, um ihn zu unterweisen zu lassen. In der Halle saß Widukind mit den Mannen Karls beim Mahle. Der Kaiser prangte auf dem Hochsitz, und demütig hockten die Bettler nahe der Tür am Boden. Da kam dem Sachsen in den Sinn, was ihn jüngst der Priester gelehrt hatte: ´Was ihr den Armen tut in meinem Namen, das habt ihr mit getan! Wie soll ich mich vor Eurem Gott beugen, wenn ihr die, die an seiner Stelle sind, so verächtlich behandelt?´ Als Karl das lautere Wort des Herrn aus dem Munde des Ungetauften hörte, errötete er bis an die Haare und antwortete: ´Du bist wahrlich ein besserer Christ, als ich je einer war!´

 

Kurz danach nahm Widukind die Taufe, und Kaiser Karl gab ihm ein neues Wappen: statt des schwarzen Rosses ohne Zaum und Gebiß, das Widukind vordem geführt hatte, erhielt er ein weißes, das seither das Zeichen Niedersachsens blieb. Von seiner Bekehrung an lebte er frei und geehrt in der Burg zu Enger. Dort lag ein altes Opferfeld, wo man ehedem den Kriegsgefangenen über einem ehernen Kessel mit dem Schlachtschwert die Gurgel durchgeschnitten hatte; dort sprang aber auch der Seelborn, indem Widukind die Taufe empfangen hatte. Rings um die Burg siedelte Widukind seine Freunde, Waffengenossen und Diener an, schenkte ihnen Landgüter als Eigentum und verteilte unter sie Hofämter."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

 

 

-- Das Widukind-Grab zu Enger --

(noch erhalten)

 

 

 

 

 

 

 



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