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-- III/III --

 

"Diese Männer wurden Meier genannt oder, da sie ihren Herrn zu Pferde begleiteten, Sattelmeier; Widukind gab ihnen große Vorrechte, und machte sie Zins- und Steuerfrei. Als ein großer Grundherr und Bauernkönig wohnte und waltete er unter den Seinen, und er freute sich ihrer Treue und Ergebenheit. Einmal, als er alt geworden war, stellte er die Liebe seiner Bauern in sonderlicher Art auf die Probe. Er ließ das Gerücht ausstreuen, daß er gestorben sei, und die Leichenfeier wurde anberaumt; als aber die Menge der Leidtragenden sich zur festgesetzten Stunde traurig um den aufgestellten Sarg geschart hatte, trat der Totgesagte plötzlich heil und lachend unter sie. Erst glaubten sie ein Gespenst zu sehen; aber bald wurden sie fröhlich, als sie ihn sagen hörten: ´Wem ich so viel wert war, daß er zu meiner Leiche kam, der soll sein Gut für alle Zeit zehntfrei haben!´ Kaum hatte er es ausgesprochen, da kam noch einer angerannt; der erhielt die gleiche Vergünstigung, aber sogleich den Spitznamen Nalop – und so heißt sein Hof noch heutigentags. Ein anderer Bauer war unterwegs, aber als er hörte, daß der alte König Weking noch lebte, drehte er wieder um; auch er wurde noch zur hälfte zehntfrei. Ein dritter hatte sich gerade die Stiefel angezogen, um zum Begräbnis zu gehen; selbst er blieb nicht unbelohnt und wurde zehntfrei wenigstens für einen seiner Kämpen.

 

Bald darauf starb der alte Held wirklich, aber nicht in Enger, sondern auf seiner Burg Babilonie. Da kamen die Sattelmeier und trugen den Sarg mit seiner Leiche auf ihren Schultern nach Enger, und alles Land, auf das sie ihre Füße setzten, ward frei. In Enger wurde der Sarg in der Kirche vor dem Altar aufgestellt und nochmals geöffnet, damit die Bauern zum letzten Male die Züge des alten, geliebten Königs sehen könnten. Dann ward Widukind in die Gruft gebettet und die Tür, durch die der Sarg hinausgetragen wurde, zugemauert. Und der große Kaiser Karl würdigte den Sachsenkönig als einen der Edelsten Feinde und späteren treuen Degen, gegen den er jemals gefochten hatte. Die Sattelmeier aber genossen nachmals das Vorrecht, daß, wenn einer von ihnen starb, seine Leiche um die Kirche getragen und dann auf dem Chor niedergesetzt wurde, sodaß der Tote noch Abschied nehmen könne von seinem toten König."

 

-- Das ist das Ende der Mär --

 

 

 

         

 

 

 

Historischer Hintergrund: Anno Domini 772 - 804 erfolgt die Unterwerfung und Christianisierung der Sachsen unter Herzog Widukind (785 getauft) durch Karl den Großen. Im einzelnen:

A.D. 772: Zerstörung der den Sachsen heiligen "Irminsul" unweit der sächsischen

                Hauptfestung Eresburg (= Enger) in Westfalen. Eingliederung in das

                Frankenreich.

A.D. 782: Die Sachsen vernichten ein fränkisches Heer am Süntel; folge war das

                Blutgericht zu Verden an der Aller: 4800(?) Sachsen werden hingerichtet.

A.D. 783: Allgemeiner Aufstand der Sachsen unter Herzog Widukind. Niederlage

                der Sachsen bei Detmold und an der Haase. Ende des Aufstandes A.D. 785.

A.D. 785: Sachsenherzog Widukind läßt sich taufen.

A.D. 805: Endgültige Unterwerfung, Christianisierung und Eingliederung der Sachsen

                in das Karolingische Reich.

 

 

 

 

 

 



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