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-- II/IV --

 

"Nun schichteten sie einen Holzstoß auf dem Schiff und legten Balder´s Leichnam darauf, und als des Toten Gattin, Nanna, das sah, zersprang ihr vor Leid das Herz. Sie betteten sie dem Gatten zur Seite, köstliche Kleinode wurden um die Toten gehäuft, Odin gab dem toten Sohn seinen Ring Draupnir mit, von dem jede neunte Nacht acht gleichschwere Ringe troffen, und auch Balder´s Hengst wurde herbeigeführt mit Sattel und Zaumzeug. Dann ward der Scheiterhaufen entzündet, und Thor weihte den lohenden Leichenbrand mit dem Hammer; dabei rannte ihm ein Zwerg vor die Füße, den stieß er mit der Fußspitze ins Feuer, daß er mitverbrannte. Lodernd schwamm das Schiff, das den toten Gott trug, ins Meer hinaus. Die trauernden Töchter des Ögir begleiteten es weit, sie weinten und warfen ihre feuchten Schleier himmelan.

 

Nun aber soll berichtet werden von Hermod´s Ritt zur Hel. Neun Tage und Nächte ritt er durch tiefe finstere Täler, nichts rings um sich erkennend, bis er zu dem brausenden Fluß kam, über den eine goldleuchtende Brücke führte. Unter ihr wachte ein Riesenweib, das rief ihn an und fragte ihn nach Namen und Herkunft. ´Fünfhundert tote Männer ritten gestern über diese Brücke´, sagte sie, ´aber sie dröhnte unter ihnen nicht so laut wie unter dir allein. Du trägst nicht die bleiche Farbe der Toten, warum reitest du dahin auf dem Höllenweg?´ ´Ich reite zur Hel, Balder zu suchen. Hast du gesehen, wie er des Weges fuhr?´ ´Ja´, sagte sie, ´hier ist er geritten, über die Brücke weg und nordwärts weiter zu dem Hause der Hel.´ Weiter ritt Hermod und kam zum Höllentor. Hier stieg er vom Roß und zog den Sattelgurt fest, dann schwang er sich auf und setzte die Sporen ein: der Hengst flog hinweg über das hohe Gatter, ohne es mit den Hufen zu streifen, Hermod ritt vorbei an dem Höllenhund, der ihn mit blutbefleckter Brust anheulte, bis hin zur Halle. Dort stieg er ab und ging hinein und sah seinen Bruder Balder auf dem Hochsitz, blaß und blutig, aber königlich geehrt: denn die Bänke waren mit goldenen Ringen bestreut, und der schimmernde Trank stand eingeschenkt unter dem Schild zu seinem Haupte. Eine Nacht lang weilte Hermod bei dem toten Bruder. Am Morgen bat er Hel, daß sie Balder mit ihm heimreiten lasse, denn allzu tief sei die Trauer bei Göttern und Menschen und allen Wesen um seinen Tod. Darauf sagte Hel: ´Ist es wirklich so, wie du behauptest, daß alle Balder so innig lieben und alle nach ihm weinen, dann möge er zurückkehren nach Asgard! Aber hier muß er bleiben, wenn nur ein einziges Wesen seine Wiederkehr nicht begehrt oder über sein Hinscheiden nicht weint.´ mit diesem Bescheid schied Hermod hinweg. Balder begleitete ihn noch bis ans Tor und gab ihm für seinen Vater Odin den Draupnir zum Gedenken wieder mit, Nanna schenkte ihm ein Tuch für Frigga und einen Ring für Fulla, Frigga´s Schmuckmaid

 

Die Asen sandten sodann Botschaft in alle Welt und baten alle Wesen, mit ihnen zusammen Balder aus der Hölle herauszuweinen. Da weinten alle, Menschen und Tiere, auf Erde, Steinen und Bäumen standen Tränen wie Tau, und vom Erz tropften sie, als wenn es schmölze. Beglückt über diese Trauer aller eilten die Boten zurück, da sahen sie unterwegs in einer Höhle ein altes Riesenweib sitzen, das nannte sich Thöck, und sie baten auch Thöck, mitzuweinen, damit Balder erlöst werde. Aber sie antwortete: ´Aus Thöck´s Augen tropft keine Träne um Balder´s Tod. Weder lebend noch tot hat mir der Sohn des Götteralten Gutes getan – mag Hel behalten, was sie hat!´ So blieb Hel´s Forderung unerfüllt, und Balder durfte aus ihrem dunklen Reiche nicht zurückkehren ins Licht. Die aber die Götter für Thöck, das alte Riesenweib gehalten hatten, war abermals der neidige Loki in trügerischer Gestalt gewesen. Und noch wußten die Götter nicht, das Loki der Übeltäter war, obwohl sie Verdacht auf ihn hatten, und so entging er fürs erste der Strafe. Aber an Hödur, der den tödlichen Schuß gegen Balder entsandt hatte, nahm Wali Rache. Ihn gebar die Riesin Rind dem Odin; und nur einen Tag alt ward er ein Mann, noch ehe er die Haut mit Wasser genetzt oder das Haar gekämmt hatte, erschlug der Starke den blinden Mörder Balders. Loki aber sollte die Rache selbst auf sein Haupt herabziehen."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Balder, Gott der Reinheit --

und

-- Nanna, Göttin der Pflanzen --

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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