ngbalderstod4

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-- IV/IV --

 

"Drohend erhob er den Hammer und rief: ´Schweig, unreiner Wicht, sonst soll Mjölnir dir den Mund schließen!´ Dreimal noch versuchte Loki Gegenreden, gar höhnisch rückte er dem Donnerer sein Abenteuer bei Utgard-Loki vor, da er sich ängstlich in dem Däumling des Handschuhs kauerte – aber da blitzten Thor´s Augen so wild, daß Loki nicht länger bleiben wollte. ´Allen Asen und Asinnen habe ich gesagt, was ich auf dem Herzen hatte – jetzt weiche ich von hier, denn ich zweifle nicht: du schlägst zu! Möge das Feuer die Halle und euch alle fressen!´ Flink sprang er hinaus und warf knallend die Tür hinter sich zu; und schnell wie der Wind entkam er. Fern von Asgard verbarg er sich, dort wo der Franangerfluß in den Fjord fällt. In der Einsamkeit baute er sich auf dem Berg ein Haus mit vier Türmen, sodaß er nach allen Himmelsrichtungen Ausschau halten konnte. Des Tages verwandelte er sich oftmals in einen Lachs und spielte munter im Wasserfall umher. Abends pflegte er im Haus beim Feuer zu sitzen und aus Garnfäden ein Netz zu knüpfen – eine Kunst, die damals noch keiner kannte. Die Asen aber waren entschlossen, seinen Frevel nicht länger zu dulden. Von seinem hohen Sitz aus spähte Odin durch alle Welt und erblickte endlich Loki´s Haus. Die Asen machten sich auf, den Bösen zu fangen. Loki sah sie kommen; er warf rasch das Netz ins Feuer, dann sprang er als Lachs in den Wasserfall. Als die Asen ins Haus drangen, fanden sie ihn nicht mehr; auf dem Herd in der Asche aber sahen sie die Reste des Netzes, und der kluge Heimdall erriet, daß das wohl ein Gerät zum Fischfang sei. Sogleich machten sich die Asen daran, selbst ein großes Netz zu knüpfen, und als sie es fertig hatten, gingen sie hinab zum Fluß und senkten es ins Wasser.

 

Die ganze Breite des Stromes sperrten sie, auf der einen Seite hielt Thor das Seil, auf der anderen alle übrigen: so zogen sie das Netz vom Wasserfall zum Meere hin. Loki schwamm vor ihnen her, und um dem Netz zu entgehen, drückte er sich zwischen zwei Steine; da glitt es über ihm hinweg. Aber die Asen hatten gemerkt, daß da etwas Lebendiges lag; sie gingen wieder hinauf zum Fall und warfen das Netz zum zweitenmal, nachdem sie es stark mit Steinen beschwert hatten, damit es ganz dicht über dem Grund streifte und nichts unter ihm durchschlüpfen konnte. So wurde Loki stromabwärts getrieben; als er aber fürchten mußte, ins Meer gejagt zu werden, schnellte er sich aus dem Wasser zurück über den Rand des Netzes und schwamm wieder aufwärts in den Fall. Die Asen sahen es und zogen das Netz zum drittenmal; diesmal hatten sie sich geteilt, auf jedem Ufer ging und zog eine Schar, Thor aber watete dicht hinterm Netz mitten im Flussbett. Da geriet Loki in arge Bedrängnis; gleich gefährlich war es, sich ins Meer treiben zu lassen oder zurückzuspringen. In der Not entschied er sich für den Sprung; wie ein Blitz schnellte er sich abermals über den Netzrand. Aber Thor hatte scharf aufgepaßt, er faßte ebenso rasch zu und packte den Fisch. Der suchte zu entschlüpfen, aber Thor´s Griff war fest, er drückte den Lachs über dem Schwanz zusammen; und darum ist der Lachs hinten so schmal. Nun gelang es Loki nicht mehr zu entkommen, er war ein Gefangener und durfte auf keine Gnade rechnen.

 

Die Asen schleppten den Übeltäter in eine Felsenhöhle. Sie stellten drei große Steinplatten hochkant und bohrten in jede ein Loch. Dann holten sie die beiden Söhne des Loki, die er von seinem Weibe Sigyn hatte, Vali und Narfi. Den Wali verwandelten sie in einen Wolf, der fiel sofort über seinen Bruder her und zerriß ihn. Aus dem Gedärm des Getöteten drehten sie eine Fessel und schnürten damit Loki auf die Felsplatten, daß die scharfen Kanten ihm in Genick, Kreuz und Kniekehlen schnitten; die Fessel aber wurde eisenfest. Als er dann so gebunden lag, holte die wilde Skadi eine Giftschlange und hängte sie über dem Mörder ihres Vaters so auf, daß der ätzende Geifer aus ihrem Maul ihm ins Gesicht tropfte. Aber Sigyn, Loki´s treues Weib, setzte sich neben den Gefesselten und fing mit einer Schüssel die Gifttropfen auf. Immer, wenn das Gefäß voll war, mußte sie es ausschütten; und dann tropfte das Gift Loki doch ins Gesicht, und er wand sich in Zuckungen, daß die ganze Erde erbebte und die Menschen erschraken. So gefesselt sollte er liegen bis ans Ende seiner Tage."

 

 

 

         

 

 

 

 

           

 

      -- Wali, der Rächer Balders --    -- Loki empfängt seine Strafe --

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 



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