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-- I/III --

 

-- Die Schöpfung --

 

"Am Anfang war nichts, weder Sand noch See, weder Erde noch Himmel; nur gähnender Abgrund. Da schied sich Dunkel von Hell, Kälte von Hitze. Im Norden des Abgrunds lag fröstelnd Nebelheim, dort tiefte sich ein Brunnen, der hieß Tobender Kessel, und ihm entsprangen zwölf brausende Flüsse. Im Süden aber loderte in heißen Flammen Muspelheim, und von ihm wehte glühender Atem nach Nebelheim hin.

Die zwölf Flüsse strömten weit hinweg von ihrem Quell und erstarrten zu Eis, das sich am Hang des Abgrunds emporschob; sprühende Nässe legte sich als Reif darauf. Aber durch den heißen Luftstrom von Muspelheim her begann der Reif zu schmelzen und zu träufeln, die Tropfen gewannen Leben, und aus ihnen entstand der Urriese Ymir. Wild und ungeheuer im Abgrund liegend, schlief er ein und verfiel in Schweiß. Da wuchsen ihm unterm linken arm ein Mann und eine Frau, und sein eigenes Bein zeugte mit dem anderen einen sechshäuptigen Sohn: daher stammte das Geschlecht der Riesen. Aus den Schmelztopfen entstand zur gleichen Zeit eine Kuh, deren Euter vier Milchströme entquollen; damit ernährte sich Ymir. Die Kuh leckte, um ihren Hunger zu stillen, den Reif von den Felsen: da kam unter ihrer warmen Zunge am ersten Tage aus dem Gestein helles Haar zum Vorschein, am zweiten eines Mannes Kopf, und am dritten Tage erstand ein ganzer Mann, der hieß Buri und war schön, groß und stark. Sein Sohn war Bor; er nahm Bestla, des Riesen Bölthorn Tochter, zum Weibe und zeugte mit ihr drei Söhne: Odin, Wili und We. Mit ihnen begann der Götter Geschlecht.

 

Doch es war Feindschaft zwischen den göttlichen Brüdern und den Riesen, und eines Tages erschlugen die drei den gewaltigen Ymir. Aus seinen Wunden schoß das Blut in so gewaltigem Strom, daß alle Reifriesen ertranken bis auf einen, der sich mit seiner Frau auf einen Mahlkasten rettete und so emporgetragen ward. Er entkam und wurde der Stammvater eines neuen Riesengeschlechts. Bor´s Söhne nahmen Ymir´s Leiche, aus seinem Fleisch schufen sie die Erde und stemmten sie hoch, daß sie über dem Abgrund schwebte; aus dem Blut machten sie das Meer, das sie rund um die Erde legten, und die Seen und Flüsse; aus den Knochen die Berge und aus den Zähnen die Felsen; aus dem Haar bildeten sie die Bäume; die Hirnschale wölbten sie als Himmel über die Erde und warfen das flockige Gehirn als Gewölk zu ihm empor. Sie fingen die Feuerfunken ein, die von Muspelheim herübersprühten, setzten sie als Gestirne an den Himmel und regelten ihre Bahn, daß nach ihnen Tage und Jahre bestimmt werden konnten. Die Wimpern Ymir´s aber stellten sie als Zaun um die Erde, zum Schutz gegen die Riesen, und nannten das eingehegte Land Midgard.

 

Als die drei göttlichen Brüder einmal am Meeresstrand entlanggingen, fanden sie dort zwei Baumstämme; aus ihnen schufen sie das erste Menschenpaar. Odin begabte se mit Atem, Wili mit Vernunft, We mit Empfindung und Sinnen. Den Mann nannten sie Ask und die Frau Embla, Esche und Ulme, und die zwei wurden die Ahnen des Menschengeschlechts. Ihm wiesen die Götter als Wohnstatt Midgard zu.

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-- Odin, Wili und We --

 

 

 

 



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