ngthiassi2

Zurück

 

-- II/III --

 

"Mit großer Freude feierten sie Idun´s Wiederkehr, die ihnen die ewige Jugend zurückbrachte. Nicht lange darauf erschien in Asgard Skadi, Thiassi´s Tochter, eine schöne, gewaltige, wilde Jungfrau, angetan mit Brünne und Helm, die Lanze in der Faust, und verlangte Mordbuße für ihres Vaters Tod. Den Asen schien es billig, ihr einen Vergleich zu bieten, und sie bewilligten ihr zur Sühne dreierlei. Für den Verlust des Vaters boten sie ihr einen Gatten; sie sollte ihn selbst wählen dürfen unter den Asen, aber bei der Wahl nur die Füße sehen. Damit war sie einverstanden. Ihr Blick war, als sie eintrat, auf Balder gefallen, der ihr der Schönste von allen schien, und sie vermeinte, sie werde ihn an den Füßen erkennen. Aber sie irrte sich: als die Götter hinter einem Vorhang, der nur die Füße frei ließ, an ihr vorbeischritten, erwies sich der, den sie wegen seiner schönen Füße erwählte, als Njörd, und ihm ward sie vermählt.

 

Zum zweiten sollte der Trauernden das Lachen wiedergeschenkt werden, das sie durch den Tod des Vaters verloren hatte; und das übernahm Loki. Er band das Ende eines Seils einer Ziege an den Bart und das andere an seinen Leib, meckernd und zerrend tanzten sie in krummen Sprüngen umeinander wie ein verliebtes Paar, bis Loki erschöpft in Skadis Schoß fiel: da mußte sie laut auflachen. Und zum dritten verlangte sie, daß dem schmählich erschlagenen Thiassi Genugtuung werde durch ewigen Ruhm. Da nahm Odin Thiassi´s Augen und warf sie an den Himmel, wo sie als zwei herrlich leuchtende Sterne stehenblieben. So war der Streit geschlichtet, und die Asen hatten zu der zurückgewonnenen Idun noch als neue Genossin die schöne Riesentochter erhalten. Aber es erwies sich, daß Njörd und Skadi nicht füreinander geschaffen waren. Njörd liebte das Meer, dicht am Strand stand sein Saal; Skadi aber war gewöhnt, in den hohen Bergen zu hausen und auf flüchtigen Schneeschuhen hinter dem Wild zu jagen – sie verlangte zurück nach ihres Vaters Gehöft im Eisriesenreich. Die Gatten einigten sich: immer nach neun Tagen wollte sie das Heim wechseln. Aber sie vermochten sich beide nicht zu gewöhnen. Fremd blieben Njörd die Berge; er sehnte sich, den Gesang der Schwäne zu hören statt des Geheuls der Wölfe. Und Skadi fuhr alle Nächte aus dem Schlaf vor dem Donner der Brandung und dem Schrei der Möwen. Da trennten sie sich endlich, und Skadi wanderte wieder hinauf in das wilde, eisige Gebirge.

 

Dort traf sie später Uller, den jagdfreudigen Asen, der nicht gern in Asgard weilte, sondern es wie sie  liebte, auf gleitenden Schuhen über die weiten Schneeflächen zu fliegen. Sie wurden ein Paar, das in wilder Freiheit hoch oben in den Bergen hauste, und nur selten kehrten sie einmal bei den Göttern ein.

 

 

 

-- Frey wirbt um Gerd --

 

Einst setzte sich Frey auf den Hochsitz Odins; hinwegschauend über alle Welten, sah er auf einem Hof in Riesenheim eine schöne blonde Jungfrau aus der Tür treten und hinüber zum Frauenhaus gehen; als sie die Hand hob, um den Riegel wegzuschieben, leuchteten ihre Arme auf, daß Luft und Meer von ihrem Schein erstrahlten. Da ward Frey´s Herz von heftiger Liebe ergriffen. Er kehrte heim in seinen Saal und saß dort Tage hindurch allein, krank vor Sehnsucht nach der jungen Riesentochter; niemand traute sich, ihn anzureden. So verdüstert war sein Gemüt, daß sein Vater Njörd um ihn fürchtete und Skinir, den Freund und Diener Freys, bat, zu erkunden, worum er sich in Gram verzehrte. Schwer öffneten sich Frey´s Lippen, als Skinir ihn befragte; zögernd gab er Antwort, voll Unmut und Trauer darüber, daß seine Liebe zu dem Mädchen aus Feindesgeschlecht ohne Hoffnung sei. ´Ich will hinfahren zu ihr als dein Werber´, sagte Skinir, ´wenn du mir dein Roß leihst, das mich durch die wabernde Lohe trägt, und dein Schwert, das von selbst gegen die Brut der Riesen kämpft!´ ´Nimm Schwert und Roß und reite zu Gymir´s Tochter´, antwortet Frey. Ferner erbat Skinir reiche Gaben von den Asen, um sie Gerd zu bieten; dann sattelte er daß Roß, und in der Nacht ritt er eilends über die Berge nach Riesenheim und durchdrang den Feuergürtel, der um die Gemarkung des Riesen lohte. Eine Umwallung von Pfählen schützten Gymir´s Haus, wütende Hunde kläfften dem Boten entgegen, und vor dem Tore saß auf einem Hügel ein gewaltiger Hirte, Gerd´s Bruder, zum Wächter des Hofes bestimmt, da Gymir nicht zu Hause weilte."

 

 

 

         

 

 

         

 

-- Skadi,Göttin der Jagd --         -- Uller, Gott des Winters --

 

 

 

 

 

 

 

 



Kostenlose Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!