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-- III/III --

 

"Skinir rief den Hüter an und fragte: ´Wie komme ich an den wilden Kötern vorbei in Gymir´s Haus?´ Der Wächter antwortete: ´Wunder nimmt es mich, daß du lebend bis hierher kamst; aber niemals kommst du lebend hinein zu Gymir´s Tochter!´ Da sprach Skinir: ´Besser als fragen ist kühner Angriff, auf den Tag ist meines Lebens Zeit bestimmt!´ Er zog ansprengend das Schwert und erschlug den Wächter samt den Hunden; der Boden bebte vom Hufschlag des Rosses und den Schlägen des Schwerts, daß die Halle erdröhnte und Gymir´s Tochter erschrocken emporfuhr. Sie rief nach der Magd, die brachte ihr Botschaft: ´Ein Mann steht vor der Tür, und sein Pferd grast auf dem Hof.´ ´Laßt ihn eintreten in den Saal´, sprach da Gerd, ´wir wollen ihm Met bieten als Friedenstrank – obwohl ich ahne, daß er meines Bruders Mörder ist.´

 

Betroffen schaute Gerd auf den Eintretenden, der das bloße Schwert in der Hand trug, und fragte: ´Wer bist du, daß du allein durch das lodernde Feuer rittest zu unserem Saal?´ ´Wer ich bin, das kümmere dich nicht; ich ritt durch die Flamme, um dich zu finden! Sieh hier elf goldene Äpfel, die sollen dein sein, wenn du darein willigst, Frey deinen Liebsten zu nennen!´ Und er bot ihr die goldenen Äpfel, die Idun ihm mitgegeben hatte. Doch Gerd entgegnete: ´Niemals, solange ich lebe, nehme ich die Äpfel an um eines Mannes Liebe; niemals will ich mit Frey hausen!´ Da bot Skinir ihr einen herrlichen Goldring, den Odin ihm lieh; aber sie antwortete: ´Ich brauche den Ring nicht, Gold genug haben wir selbst hier auf Gymir´s Hof.´ Da rief Skinir: ´Dann sieh das scharfe Schwert in meiner Hand. Das Haupt schlage ich dir ab, wenn du nicht willig bist!´ Aber Gerd trotzte der Drohung: ´Nicht mit Gewalt laß ich mich zwingen, einen Mann zu lieben! Aber du fürchte selbst, daß Gymir dich hier antrifft: dann wirst du kämpfen müssen um dein eigenes Leben!´ ´Schau auf mein Schwert, Todesrunen sind auf seine Klinge geätzt – vor ihr sinkt der Riese, dein Vater, dahin, wenn er naht! Dich selbst aber, Unbändige, will ich zähmen durch Zaubers Gewalt, dich mit der Zauberrute schlagen, die ich schnitt vom heiligen Baum! Wohnen sollst du, wo keines Mannes Auge dich erblickt, auf wüstem Felsen vor Hel´s Tor, unter Scheusalen selbst ein Scheusal! Wahnsinn und Unheil komme über dich! Hunger sollst du leiden, jede Speiße verkehre sich vor dir in Unrat! Leid gebe ich dir statt Glück! Brennen sollst du vor Gier, verdorren vor Sehnsucht, unnütz sein wie die Distel, die zur Erntezeit ins Feuer geworfen wird!´ Entsetzt sank Gerd auf einen Sitz, aber Skinir fuhr fort: ´Bei dieser Zauberrute – alle Asen seien dir Feind, Odin und Thor und der helle Frey! Hören sollen es alle Welten: Verbannt sei Liebe und Lust von dir! Ein dreiköpfiger Thurse soll bei dir hausen, Trolle mögen dich plagen, vergebens schmachte dein Mund nach eines edlen Mannes Kuß! Sieh, hier ritz ich die Zeichen in den Stab, die Riesenrune und drei andere dazu: vergebliche Sehnsucht, brennende Begierde und unstillbares Leid!´

 

Da brach der Stolz der schönen Riesenjungfrau, sie bat den zornigen Boten, innezuhalten; denn besser dünkte es ihr, dem hellen Asen zu gehören, als unter Ungeheuern zu hausen, aller Mannesliebe beraubt. Und als sie sich ergab, schnitt Skinir mit scharfem Messer die Unheilsrunen wieder von dem Stab, so den Zauber lösend. Gerd aber reicht ihm den Friedensbecher und sprach: ´Nimm, junger Bote, diesen Kristallkelch voll von firnem Met! Es geschehe, was ich nie für möglich hielt: ich will das Weibe Frey´s  werden!´ ´So sage mir, damit meine Botschaft gesichert sei: wann willst du dem starken Gott in Liebe gehören?´ Sie antwortete: ´Wir kennen wohl beide den Wald voll stiller Heimlichkeit, der Barri heißt: dort will ich nach neun Nächten Frey meine Liebe schenken.´ Skinir ritt heim; schon vor den Toren erwartete ihn Frey und fragte den Boten, noch ehe er aus dem Sattel steigen konnte: ´Sag mir sogleich, was du ausgerichtet hast in Riesenheim!´ ´Nach neun Nächten erwartet dich Gerd im Walde Barri, um dir Freude zu geben.!´ Da sagte Frey: ´Eine Nacht ist lang, zwei sind ewig, wie soll ich neun Nächte ertragen? Oft schien mir ein Monat kürzer als jetzt ein halbe Nacht des Wartens!´ So gewann Skinir die schöne Riesentochter für Frey, Gerd kam, wie sie verheißen hatte, in der neunten Nacht zum Walde Barri, und der Gott feierte mit ihr Hochzeit. Sie zog mit ihm nach Asgard und saß hinfort unter den Asinnen als eine von ihnen."

 

 

 

                   

 

 

           

-- Gymir, Vater Gerds --                -- Die schöne Gerd --

 

 

 

                       

 

 



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