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-- I/IX --

 

-- Thor´s Kampf mit Rungnir --

 

"Als Thor einmal fern auf Ostfahrt weilte, ritt Odin auf seinem Hengst Sleipnir nach Riesenheim. Der Riese Rungnir sah ihn kommen und rief ihn an: ´wer bist du, Mann mit dem Goldhelm, der durch Wind und Wellen reitet? Und was hast du für einen schönen Hengst?´ ´Ja, gut ist mein Hengst´, antwortete Odin, ´fast möchte ich meinen Kopf wetten, du hast keinen besseren!´ ´Oho´, antwortete Rungnir, ´ist deiner gut, so ist mein Gulfax noch besser – du sollst sehen, daß er noch größere Sprünge macht!´ Odin schüttelte lachend den kopf und sprengte davon, da warf sich Rungnir zornig auf Gulfax und jagte ihm nach. Sie sprangen von Berg zu Berg, aber Odin blieb dem Riesen immer um einen Gipfel voraus. Blindwütend stürmte ihm Rungnir nach; er kam erst wieder zur Besinnung, als er sich plötzlich innerhalb des Gatters von Asenheim sah. Aber die Asen empfingen ihn freundlich, sie führten ihn in den Saal wie einen willkommenen Gast und luden ihn zum trinken ein. Sie boten ihm die Krüge, aus denen sonst Thor trank – dem genügte einer auf einmal nicht! – und der Riese leerte sie hintereinander. Da wurde er bald betrunken und begann große Sprüche zu machen. ´Wartet nur, ich packe mir ganz Walhalla auf den Rücken und schleppe es nach Riesenheim! Asgard schmeiß ich in´s Meer! Freia und Sif nehme ich beide mit – und euer ganzes Bier sauf ich allein aus!´ Dabei trank er mächtig, die Göttinnen wichen scheu vor ihm zurück, und nur Freia traute sich noch, ihm einzuschenken.

 

Endlich wurden die Asen seine groben Prahlereien zuviel. Sie riefen Thor´s Namen, und sofort trat der Donnerer in den Saal, den Hammer hoch in der Faust. Zornig fragte er: ´Wer hat den wüsten Kerl eingelassen, daß er sich hier volltrinken kann? Wer hat ihm Frieden in Walhalla versprochen, daß ihm Freia einschenkt wie einem Festgenossen?´ Aber Rungnir ließ sich nicht einschüchtern, er sah Thor rauflustig an und sagte: ´Odin hat mich eingeladen, ich habe hier Gastrecht.´ ´Die Entscheidung wird dir noch leid werden´, entgegnete Thor, ´noch ehe du wieder draußen bist!´ Trotzig sprach Rungnir dagegen: ´Das wäre ein mäßiger Ruhm für einen großmächtigen Asen, einen Waffenlosen umzubringen! Wenn du Herz hast, dann miß dich mit mir auf der Grenze unserer Reiche! Hätte ich nicht dummerweise meinen Schild und meinen Schleifstein daheim gelassen, dann könntest du es sogleich Mann gegen Mann mit mir versuchen! So aber handeltest du wie ein feiger Schuft, wenn du mich erschlügst!´ Die Herausforderung kam dem Donnergott recht; noch hatte es bisher kein Riese gewagt, sich ihm zum Zweikampf zu stellen. Sie bestimmten Ort und Stunde, und Rungnir ritt im Galopp zurück nach Riesenheim. Dort empfingen ihn seine Genossen mit großem Hallo, sie machten viel Rühmens von seiner Fahrt und von seinem Mut, daß er den großen Thor zum Kampf gefordert hatte. Aber sie hatten doch ein wenig Angst um den Ausgang; denn Rungnir war ihr stärkster Mann, und wenn er unterlag, so stand ihnen allen nicht viel Gutes bevor. Darum wollten sie ihm einen Gefährten zum Kampfe geben und bauten einen Riesen aus Lehm, neun Meilen hoch und drei Meilen breit über der Brust; aber als der Lehmriese fertig dastand, fanden sie kein Herz, das groß genug für ihn gewesen wäre, bis sie es aus einer Stute schnitten und ihm einsetzten. Doch das war ein furchtsames Herz, nicht geeignet, vor Thor standzuhalten. Rungnir´s Herz dagegen war von hartem Stein, an allen drei Ecken scharf zugespitzt. Auch sein Haupt war von Stein, und von Stein war auch sein riesiger Schild, den er vor sich hielt; einen gewaltigen Wetzstein trug er als Waffe über der Achsel. Grimmig und entschlossen wartete er auf Thor; aber der Lehmriese stand und wackelte vor Angst und benässte sich, als er den starken Asen von weitem sah.

 

Dem Gott voran rannte sein hurtiger Diener Thialfi; er eilte hin zu Rungnir und rief ihm zu: ´Achtung, Riese! Du kennst Thor´s Kampfesweise nicht, darum hältst du den Schild gerade vor dich hin. Aber Thor wird von unten her aus der Erde auf dich losfahren – schnell, wirf den Schild unter deine Füße!´ rasch warf Rungnir den Schild auf den Boden und stellte sich darauf, den Wetzstein schwang er hoch in den Händen."

 

 

 

         

 

 

 

 --Thor, der Gott des Donners --

 

 



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