ngthorsriesen8

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-- VIII/IX --

 

"Als Thor hörte, wie er genarrt worden war, ergrimmte er und riß den Hammer empor. Doch ehe er noch zuschlagen konnte, war Utgard-Loki schon verschwunden, und verschwunden war auch die ganze Burg. Wo sie eben noch gestanden hatte, dehnten sich Berge und Täler einsam und leer. So blieb Thor mit seinen Begleitern nichts anderes übrig, als heimzufahren. Er war sehr ärgerlich über das Abenteuer und ließ sich auch niemals gerne daran erinnern.

 

-- Fahrt zu Hymir --

Gute Freundschaft hielten die Asen mit dem Meerriesen Ögir. Sein Weib Ran war böse und tückisch; sie erregte Stürme, zertrümmerte Schiffe und fischte nach den Leichen der Ertrunkenen. Aber Ögir war friedlichen Sinns, er glättete das Meer und war Menschen und Göttern hold. Odin hatte ihn in Walhalla gastlich bewirtet und war auch schon bei ihm eingekehrt. Einmal waren die Asen auf Jagd gegangen und hatten viel Wild erbeutet; sie hatten Lust auf Schmaus und Gelage und wollten sich insgesamt zu einem Fest bei Ögir einladen; denn er, sagten sie, besitze den größten Bierkessel. Als Bote wurde Thor zu ihm vorausgesandt. Ögir nahm ihn freundlich auf, aber die Bitte kam ihm für diesmal jedoch nicht gelegen, darum sagte er zu dem starken Asen: ´Auch mein größter Kessel ist zu klein für euch alle; aber es gibt noch einen größeren, ihn besitzt der Riese Hymir. Wenn du mir den bringen könntest, so sollt ihr mir liebe Gäste sein!´

 

Das ließ sich Thor nicht zweimal sagen, denn ihm stand das Herz stets nach Abenteuern im Riesenreich. Als Fahrtgenossen wählte er sich Tyr, der mit Hymir´s Sippe verwandt war und den Weg wohl wußte. Sie hatten eine weite Reise, denn sie mussten den nördlichen Eisstrom überqueren und dann noch weit nach Osten fahren, bis sie Hymir´s Reich erreichten. Dort kauerte am Eingang die Ahnfrau des Geschlechts, ein altes Ungeheuer mit neunhundert Köpfen; Tyr graute es ob dieser Verwandtschaft. Aber drinnen begrüßte sie eine schöne Frau, goldhaarig und mit lichten Augenbrauen, und dieser Base freute sich Tyr. Freundlich bot sie ihm den Willkommenstrunk und sprach: ´Liebe Blutsfreunde, ich will euch hinter den kesseln verstecken, die hinten im Saale hängen, damit euch Hymir nicht sofort erblickt, wenn er nach Hause kommt; denn er ist grimmig und sieht Gäste nicht immer gern.´ Spätabends kam der Riese heim von der Jagd; mit dröhnenden Schritten trat er in den Saal, von Eis klirrend, der Bart umstarrte sein Kinn wie ein gefrorener Wald. ´Freude mit dir, Hymir!´, grüßte ihn die Frau; ´Freunde sind zu uns gekommen: Tyr, unser Blutsfreund, den wir so lange nicht bei uns gesehen haben, und mit ihm zusammen der starke Thor!´ Und sie fuhr leise fort, immer darauf bedacht, seine Wildheit zu besänftigen: ´Die beiden sitzen hinten an der Giebelwand, von der Säule verborgen; denn sie sind bange vor dir.´ Da sah der Riese nach ihnen hin, und seine Augen waren so scharf, daß vor ihrem Blick die Säule zersprang: der Querbalken brach, die Kessel stürzten herab, acht an der Zahl, und alle zerbarsten, nur einer, der größte, hartgehämmerte, kam heil auf den Boden. Die beiden Götter traten vor in den Saal; der graue Riese beäugte sie mißtrauisch, denn ihm ahnte nichts Gutes. Aber er gab Befehl, das Mahl zu rüsten; drei Stiere ließ er braten und auftragen, und zwei davon verzehrte Thor allein. Dem Riesen gefiel das wenig, und er brummte: ´Nun werden wir uns morgen unsere Mahlzeit erjagen müssen!´ 

 

Beim Morgengrauen erhob er sich, um auf den Fischfang zu gehen, und Thor sprang vom Lager, um ihn zu begleiten. Der Riese schüttelte den Kopf: ´Du wirst mir nicht viel helfen können beim Rudern, klein wie du bist, und frieren wirst du auch, denn ich fahre weit hinaus in die See.´ ´Fahr nur zu´, antwortete Thor mit unterdrücktem Zorn, ´ich werde es gewiß nicht sein, der zuerst umkehren will! Aber was soll ich mir für einen Köder mitnehmen?´ ´Für dich habe ich keinen´, sagte Hymir unwirsch, ´sieh selbst, wie du dir einen besorgst!´ Da ging Thor hinaus auf die Weide, wo die Rinder der Riesen grasten, und sah unter ihnen einen pechschwarzen Stier stehen, den größten von allen; den packte er an den Hörnern und drehte ihm den Kopf ab. ´Es wäre besser, du gingest müßig, deine Arbeit bringt mir wenig Nutzen´, murrte der Riese, als Thor mit dem Köder zum Strande kam. Er hatte inzwischen das Boot fertiggemacht, und sie ruderten zusammen hinaus, der Riese vorne am Bug, Thor hinten im Schöpfraum."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Ran, die finstere Meeresgöttin --

 

 

 

 

 

 



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