ngthorsriesen9

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-- IX/IX --

 

"Das Boot flog dahin, daß es den Riesen wunderte, und bald gebot er Halt: ´hier sind die Fischgründe, wo ich die Angel auszuwerfen pflege.´ Aber Thor hielt nicht inne, sondern rief: ´Bist du schon müde, Hymir?´ Da schwieg der Riese und ruderte verdrossen weiter. Endlich aber sagte er: ´Nun laß uns wirklich einhalten, jetzt wird das Fischen gefährlich, dann bald stoßen wir auf die Midgardschlange.´ ´Fahren wir noch ein Stückchen!´, antwortete Thor, und ohne der schlechten Laune Hymirs zu achten, ruderte er noch eine mächtige Strecke. Weit draußen zog er die Ruder ein, Hymir warf die Angel aus und hob zwei Walfische aus der Flut; Thor aber hatte das Stierhaupt an einem mächtigen Haken mit starker Schnur über Bord geworfen, und als die Schnur zuckte, begann er zu ziehen. Die Midgardschlange hatte den Köder geschnappt; als ihr der Haken in den Schlund drang, riß sie rückwärts, und der Ruck war so heftig, daß beide Fäuste Thors gegen die Bordwand prallten. Da kam der Asenzorn über ihn, er stemmte sich so gewaltig, daß die Planken sich bogen, und zog das Haupt der Schlange empor zum Bootsrand: wild drohten ihn ihre Augen an, und ihr Giftatem blies ihm entgegen; vom Zerren und Reißen schwankte das Schiff, daß das Wasser hereinschlug und der Riese in Angst geriet, sie würden kentern. Schon hob Thor den Hammer, um dem Wurm das Haupt zu zerschmettern: da schnitt Hymir rasch die Schnur durch, und das gleißende Haupt versank. Thor warf dem Untier noch den Hammer nach, saß das Meer hoch aufschäumte und die Luft donnernd widerhallte; aber es war zu spät. Voll Zorn, daß ihm der alte Feind entgangen war, schlug er den Riesen mit der Faust vor den Schädel, daß er über die Bank zurückflog und die Sohlen gen Himmel kehrte. Dann ergriff er wieder zu den Riemen; Hymir, dem übel zumute war, raffte sich auf, und sie ruderten stumm zurück.

 

Als sie anlegten, war dem Riesen der Mut wieder gewachsen, und er forderte Thor zu einer neuen Kraftprobe: ´Wie wollen wir die Arbeit jetzt teilen? Willst du die Walfische nach Hause tragen oder das Boot festmachen?´ Thor antwortete kein Wort; er packte das ganze Boot, ohne es erst auszuschöpfen, so wie es war, hob es samt Ruder, Gerät und Walfischen auf den Nacken und trug es zum Thursenhof in der Bergschlucht. Aber noch immer war der Trotz des Riesen nicht gebrochen. Sie saßen bei Mahl und Trunk, Hymir hatte vor sich einen herrlich gläsernen Becher, den hielt er hoch und sagte: ´Rudern kannst du, Thor, und auch sonst noch allerlei; aber so viel Kraft hast du nicht, daß du diesen Becher zerbrechen könntest!´ Thor ergriff den Becher und schleuderte ihn gegen die Säule, er fuhr hindurch durch den Stein und kehrte heil in Hymir´s Hand zurück. Nochmals und nochmals erprobte es Thor, immer zorniger wurde er, während der Riese lachte, wenn er den Becher wieder fing. Da flüsterte dem Gott die blonde Frau des Riesen ins Ohr: ´Wirf ihn Hymir an den Kopf!´ mit aller Asenkraft, tief die Knie beugend, schmetterte Thor den Kelch gegen des Riesen Steinhaupt: es blieb heil, aber der Kelch zersprang klirrend. Traurig und finster sah der Riese hinab auf die Scherben. ´Mein teuerster Besitz ging mir verloren mit diesem Kelch; nie mehr werde ich ihn in den Händen halten und sagen: Schmeckst du prächtig, mein liebes Bier! Nun freut mich auch mein Braukessel nicht mehr; ihr wollt ihn haben – nehmt ihn euch denn, wenn ihr stark genug seid, ihn aus der Halle zu bewegen!´ Vergebens versuchte Tyr zweimal, das mächtige Gefäß vom Platze zu rücken. Da stieg Thor hinab vom Hochsitz und ergriff den Kessel am Rand, er schwang ihn hoch und stülpte ihn sich über den Kopf, daß die Ringe rasselten. So schritten die Asen aus dem Hause und weiter ihres Weges.

 

Nach einer Weile schaute Thor sich um und sah, daß Hymir hinter ihnen her eilte mit einer ganzen Heerschar von vielhäuptigen Fels – und Höhlenungeheuern. Da hob der Donnerer den Kessel vom Haupt und schwang den Hammer; den Hymir erschlug er und seine ganze Riesengefolgschaft. Dann wanderten die beiden Götter weiter, des Sieges und der Beute froh kamen sie zu Ögir´s ragender Halle. Dort vereinigten sich die Asen zu festlichem Mahl und Gelage. Der freundliche Meerriese hatte sein Bestes getan, um die Götter zu ehren. Herrlich war der Saal geschmückt, er strahlte in lichtem Glanz, der nicht von Kerzen kam, sondern von lauterem Gold; Speisen und Getränke schwebten von selbst auf den Tisch, die Diener hatten nichts zu tun, als sie den Gästen auszuteilen. Mitten im Saal aber stand der mächtige Kessel, gefüllt mit köstlichem Bier, genug und übergenug für alle. Die Asen tranken mit Lust und sprachen: ´Alle Jahre um diese Zeit werden wir hinfort wieder hier trinken aus Hymir´s Kessel, den Thor dem Riesen entriß!´"

 

 

 

         

 

 

 

 

-- Thor und Hymir auf Fischfang --

 

 

 

 

-- Die Asen ziehen zu Ögir --

 

 

 

 

 

 



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