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-- II/VI --

 

"Seine Schwester, Freia, hauste in Folkwang, und viele Helden lud sie zu sich; denn sie, die schönste von allen, war auch eine kampffreudige Frau, die sich an Streit und Schlacht freute wie Walvater selbst und, wenn sie mitkämpfte, die Hälfte der Gefallenen für sich wählen durfte. Sie hatte einen Mann namens Odd, aber er war unstet und fuhr fremde Wege. Oft weinte sie ihm nach, wenn er von ihr ging, und ihre Tränen fielen ihr als Goldtropfen in den Schoß; poft eilte sie suchend hinter ihm her und holte ihn zurück, aber immer wieder trieb ihn die Unrast fort. Zauberkundig wie keine andere der Göttinnen, – denn sie stammte ja aus Wanengeschlecht, - konnte sie doch den Mann nicht halten, den sie liebte. Aber viele andere wurden von ihr bezaubert, nicht nur Götter, sondern auch Riesen, und es wurden von ihr viele Liebesgeschichten erzählt; Loki verleumdete sie, sie habe sogar hässliche Zwerge mit ihren weißen Armen umschlungen, um ein herrliches Halsgeschmeide, das sie geschmiedet hatten, von ihnen zu erlangen. Aber das haben weder die Götter geglaubt noch die Menschen, die Freia´s Geschmeide aufblitzen zu sehen meinten, wenn die Sonne im Meer widerstrahlte: von dem goldenen Gestirn und nicht aus der dunklen Erde stammte ihr Schmuck und ihre Schönheit. Die Göttin liebte es, in einem Falkengewand unter dem Himmel einherzufahren; aber manchmal lenkte sie auch einen Wagen, den geschmeidige Katzen zogen.

 

Alle Götter Asgards hatten ihre besondere Stätte. Tyr, Njörd und Heimdall, Bragi mit Idun, Hödur und Widar und selbst Uller, obwohl er meist auf den Schneeschuhen im hohen Norden unterwegs war. Auch Frigga, die Gattin Odins, besaß ihren eigenen Saal, Fensalier, indem sie mit Fulla, ihrer Schmuckmaid, und vielen anderen Dienerinnen wohnte. Sie hielt strenge Zucht als Hüterin der Ehre und des Hauses, sie war eine schöne und würdevolle Frau, von ihrem Gatten hoch geehrt und oft um Rat gefragt.

 

Aber kein Saal ließ sich an Pracht vergleichen mit dem, den sich Odin in Gladsheim errichtete und den Namen Walhalla trug. Leicht erkannte ihn, wer dort hinkam: ein reißender Strom ging um ihn herum, ein gewaltiges Gitter schloß ihn ab; das Dach war aus Speerschäften gefügt und mit Schilden bedeckt, mit Brünnen waren die Bänke belegt, ein Wolf hing über dem westlichen Tor, und darüber drohte ein Adler. Am erstaunlichsten war jedoch die ungeheure Größe des Baues: fünfhundertundvierzig Türen hatte er im ganzen, und aus jeder sollten einmal achthundert Kämpfer schreiten. Hier hauste Odin, der Heervater, mit seinen Einheriern und Walküren. Auf dem Hochsitz thronte er selbst. Zu seinen Füßen lagen ihm seine zwei Wölfe, Geri und Freki, die grauen Hunde des Schlachtfeldes. Auf seinen Schultern saßen die zwei Raben Hugin und Munin, Gedanke und Erinnerung; sie schickte Odin jeden Morgen rund um die Welt, zur Stunde des Mahls waren sie wieder zurück und raunten ihm ins Ohr, was sie gesehen hatten. Auf den Bänken aber saßen die Einherier, die Helden, die in der Schlacht den Tod fanden; täglich mehrte sich ihre Zahl. An jedem Morgen zogen sie hinaus auf den Hof, dort kämpften sie miteinander und erschlugen sich gegenseitig. Aber nach der Schlacht standen sie alle wieder auf, frisch und heil kehrten sie zurück zu Mahl und Gelage. Aus mächtigen Schüsseln wurde ihnen das Fleisch eines Ebers aufgetragen, der allmorgendlich geschlachtet und in einem gewaltigen Kessel gesotten wurde, aber am nächsten Tag war das Tier wieder lebendig; so ging ihnen die Speise nie aus. Und auch an Getränk gebrach es ihnen nie; vom Laube der Weltenesche zehrte eine Ziege, und ihrem Euter entströmte köstlicher Met, mehr als genug, um alle zu tränken und trunken zu machen. Nach Herzenslust schmausten und zechten sie; nur Allvater aß nicht, sondern fütterte mit dem Fleisch seine Wölfe, denn er bedurfte keiner Nahrung, ihm genügte als Speise und Trank zugleich der Wein, der im Becher vor ihm stand."

 

 

 

 

         

 

 

 

-- Walhalla, Halle der Gefallenen --

 

 

 

 

 

 



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