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-- IV/IV --

 

"Thräl der Knecht und Thyr die Magd lebten froh zusammen und zeugten viele Kinder, Söhne und Töchter, ein krummes, plumpes und dumpfes Geschlecht, tauglich nur zu schwerer Arbeit; sie zogen Hecken, misteten den Acker und  mästeten Schweine, hüteten Geißen und gruben Torf.

Danach kam Rigr an ein Haus mit eingeklinkter Tür. Am Herd saß ein Ehepaar, fleißig am Werk. Ahn und Ahne nannten sie sich. Der Mann schnitzte eine Weberstange, neben ihm stand der Werkzeugkasten; sein Haar lag glatt an der Stirn, sein Bart war gekämmt, das Kleid saß ihm knapp am Leibe. Das Weib daneben bewand den Rocken mit Werg und spann feinen Faden ab. Sie trug die Haube auf dem kopf, einen Schmuck am Hals, ein Tuch um den Nacken; über ihren Schultern war das Kleid mit Nesteln befestigt. Ein gutes Mahl trug sie dem Gaste auf, sie aßen fröhlich. Und wieder blieb der Gott drei Tage bei dem Paar, dann wanderte er weiter. Nach neun Monaten gebar Ahne einen Knaben, der wurde Karl geheißen; rot und frisch und funkelaügig blickte er aus den Windeln. Er wuchs und gedieh, zähmte Stiere, zimmerte und führte den Pflug, baute Häuser, Scheunen und Wagen. In den hof fuhr als seine Braut Snör, in einem Ziegenpelz, die Schlüssel am Gürtel. Sie wechselten die Ringe und schlugen ihr Bett  im Hause auf. Viele Kinder zeugten und zogen sie auf, rüstige Schaffer und Werker, kräftige und hübsche Frauen; so stammt von Karl dem Mann, und Snör der Frau der Bauern Geschlecht.

Zuletzt kam Rigr zu einem Saal mit verschlossener Tür, an der ein leuchtender Ring als Klopfer hing. Er trat ein, der Estrich der Halle war reinlich mit Sand bestreut; dort saß ein Paar, Vater und Mutter. Der Mann wand Bogensehnen, spannte den Bogen, schäftete Pfeile; die Hausfrau aber besah ihre Hände und strich ihr Kleid zurecht. Einen Schleier trug sie auf dem Kopf, an der Brust ein Geschmeide, am blauen Gewande eine Schleppe; ihre Brauen glänzten, Brust und Nacken leuchteten weißer als der Schnee. Rigr setzte sich zwischen die zwei auf die Bank. Dann deckte die Frau den Tisch mit geblümtem Damast, legte flache Weizenbrote hin und setzte silberne Schüsseln mit gespicktem Wildbret und gebratenen Vögeln auf, dazu Wein in kostbaren Kannen und Kelchen. Bis in den späten Abend sprachen und tranken sie zusammen. Wider blieb Rigr drei Tage bei dem Paar, und nach neun Monaten gebar Mutter einen Sohn, der hieß Jarl. Er lag in Seide gehüllt mit lichten Locken und leuchtenden Wangen, und seine Augen blickten scharf wie die einer Schlange. Jarl wuchs auf und lernte den Schild schütteln, Spieße werfen, Lanzen schwingen, Hunde hetzen, Hengste reiten, mit dem Schwert kämpfen und schwimmen im Meer. Dann aber kam Rigr selbst aus dem Walde zu ihm, lehrte ihn Runen, nannte ihn Sohn und hieß ihn Land und Höfe als eigen besitzen. Da ritt Jarl durch feuchtes Gebirge zur Feindeshalle, mit Lanze und Schwert kämpfte er und färbte den Grund mit Blut, erschlug den Feind und nahm sein Land. Als Herrscher und Herr über achtzehn Höfe teilte er Ringe und Rosse an seine Getreuen aus. Er schickte Boten auf die Freite, und sie führten ihm als Braut Erna zu, die schlanke, lichte und kluge Fürstentochter. Von Herzen liebten sie sich und führten das Geschlecht der Herren fort; viele Söhne wurden ihnen geboren und wuchsen auf in kriegerischem und adeligem Spiel.

Der jüngste von ihnen hieß Konr, er lernte Runen und alle Künste, vermochte Menschen unsichtbar zu machen, feindliche Schwerter zu stumpfen, die Wellen des Meeres zu stillen. Feuer zu löschen, den Aufruhr des Herzens zu beschwichtigen. Die Vogelsprache verstand er und hatte die Stärke von acht Männern. Mit seinem Vater stritt er in Runenweisheit  und errang den Sieg. Einst streifte er durch den Wald, nach Vögeln jagend, da sang ihm, von einem kahlen Ast eine Krähe zu: ´Was willst du Vögel beizen, Fürstensohn? Auf dem Hengst sollst du reiten und Feinde töten. Dänemark hat schönere Hallen als dieses Land, es ist reicher an Gut und Schätzen! Dort fahren sie auf Schiffen, dort kämpfen sie mit Schwertern – auf, Konr, ins fremde Land: dort sollst du herrschen und König sein!´"

 

         

 

 

-- Heimdall, Gott des Tageslichts --

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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