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-- I/III --

 

-- Der Wanenkrieg --

 

"Abseits von Asgard lebte noch ein anderes Göttergeschlecht, die Wanen, von denen niemand weiß, woher sie stammen; sie waren ein reiches und weises Volk, voll von tiefen geheimen Wissens. Ein Weib ihres Stammes, Gulweig, durchzog die Welten, sie kam nach Midgard und auch nach Asgard. Die Menschen nannten sie Heid, und wo sie erschien, liefen sie ihr zu. Denn sie wußte viele Zauberkünste und versprach, geheime Wünsche zu erfüllen, sodaß die Herzen von bösen Gelüsten und Gier nach Gold entbrannten; auch konnte sie die Zukunft voraussagen, und überall luden die Weiber sie in ihre Häuser. Höher schien sie verehrt als die Asen selbst, und sie frohlockte über ihre Macht. Als sie aber nach Asgard kam und dort ihre Künste üben wollte, ergriffen die Asen die Zauberin; sie stießen sie mit Geren und warfen sie in ein Feuer, aber sie erstand aus der Asche einmal und nochmals und verbrannte erst, als die Asen sie zum drittenmal ins Feuer warfen. Da die Wanen vernahmen, wie man ihre Schwester gepeinigt und getötet hatte, zogen sie gegen Asgard und verlangten Sühne für den Mord. Die Asen gingen zu Rat und beschlossen, weder Wergeld zu zahlen, noch den Wanen, wie diese heischten, Anteil an den Opfern zu gewähren. Da entbrannte in der Welt der erste Krieg, den Volk gegen Volk führte, und Odin eröffnete ihn, indem er seinen Speer über das Heer der Feinde schleuderte. Die Wanen waren stark und kampfgeübt, sie behaupteten in mehreren Schlachten das Feld und drangen sogar über den zerstampften Wall bis nach Asgard hinein; aber beide Gegner hatten sich soviel Schaden getan, daß die Klügsten unter ihnen zum Vergleich rieten. So schlossen sie Frieden, und stellten sich gegenseitig Geißeln. Die Asen gaben den Wanen Hönir, einen Verwandten Allvaters, und den weisen Riesen Mimir; die Wanen aber den Asen den reichen Njörd, einer ihrer Besten, samt seinen beiden Kindern Frey und Freia.

 

Versöhnt schieden die Gegner und führten nie wieder Krieg gegeneinander. Dennoch erzürnten sie sich noch einmal. Denn die Wanen fühlten sich beim Geißeltausch hintergangen, weil Hönir sich als schwerfälligen und blöden Geistes erwies, sodaß er ihnen nicht wie einer ihresgleichen Rede und Antwort stehen konnte, sondern stets Mimir für sich sprechen ließ. Da dachten sie Rache zu nehmen für den Betrug und schlugen dem Riesen das Haupt ab. Aber der Streit, der daraus entstand, ward verglichen. Die Wanen gaben Hönir zurück – er begleitete Odin später auf so mancher Fahrt – und lieferten Mimir´s Haupt Allvater aus, der es durch seine Zauberkünste wieder belebte; wie einst mit dem Riesen selbst pflog Odin mit dem Haupte Mimir´s Zwiesprache, wenn den Göttern Unheil drohte. Von da an war weder im guten noch im bösen mehr Gemeinschaft zwischen den beiden Göttergeschlechtern; die Kunde von den Wanen ging den Völkern, die die Asen verehrten, fast ganz verloren, als sei Wanenheim versunken und verschwunden. Nur einer der Wanengöttinnen dienten noch manche Stämme: der geheimnisvollen Nerthus, der Schwester und Gattin Njörd´s, die ihn nicht zu den Asen begleitet hatte. Auf Rügen in einem heiligen Hain an einem See stand ihr Wagen, und einmal im Jahre zur Frühlingszeit pflegte sie sich zu zeigen, eine segensreiche Göttin der fruchtbaren Erde. Dann begleiteten sie die Priester auf ihrem Wagen, den weiße Kühe zogen, hinaus aufs Land, und wo sie erschien, wurden freudig Feste gefeiert. Aber danach kehrte sie zurück in den Hain, in dem See wurde sie gebadet, und die Sklaven, die bei der Feier geholfen hatten, verschlang das Wasser."

 

         

 

 

         

   -- Gulweig bei den Asen --         -- Njörd, Gott d. Fruchtbarkeit --

 

 

 



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