rabenschlacht1

Zurück

 

-- I/VIII --

 

"Der Gram des Helden ging der edlen Königin Helche tief zu Herzen, und sie bat ihren Herrn, Dietrich mit aller seiner Macht beizustehen, damit er sein Reich wiedergewinne. Gern sagte Etzel seine Hilfe zu; das ganze Hunnenheer sollte dem Berner folgen und dazu der edle Rüdiger mit seinem kühnen Sohn Nudung allen seinen Mannen. Einen Winter lang wurde die Heerfahrt gerüstet, bei der Etzelburg sammelten sich die riesigen Scharen, zwei Rasten Landes bedeckte ihr Lager, das von dem freudigen Lärm der Krieger wie ein Meer erbrauste. Bald war alles zum Aufbruch bereit, und Dietrich hielt Heerschau in der Mitte seiner Recken, neben sich seinen Bruder Dieter, der ihn als Knabe ins Hunnenland begleitet hatte und inzwischen zu einem kräftigen Jüngling erwachsen war. Als die Brüder Scharf und Ort, Etzels und Helches Söhne, die mit Dieter zusammen als seine jüngeren Genossen erzogen worden waren, den Gespielen gerüstet im Heere Dietrichs sahen, gingen sie zu ihrer Mutter und baten sie, daß sie ihnen beim Vater die Erlaubnis erwirkte, gleichfalls mitzuziehen. Als sie es ihnen abschlug, drängten sie immer ungestümer, das Herz Helches mit Schreck und Sorge erfüllend.

 

Während so die Knaben stürmisch flehten und die Mutter ihnen wehrte, trat mit Etzel zusammen Dietrich ins Zimmer zu einem letzten Abschied, und nun wandte sich Scharf und Ort bittend an den Vater und seinen starken Freund. ´Niemals soll das mit meinem Willen geschehen´, sprach der König; ´was ihr bittet, ist töricht und brächte Leid über uns alle.´ Aber den Berner rührte der junge Heldensinn, und er sagte: ´Laßt mit Euch reden, Herr, da die Knaben doch auf die Fahrt so versessen sind! Ich will sie gern in gute Hut nehmen.´ ´Versprecht Ihr nicht zuviel?´ fragte Etzel; ´kämen die Kinder zu Schaden, so müsste es unser ganzes Leben lang gereuen.´ Aber die Knaben ließen nicht ab zu bitten. ´Wir sind sicher in Dietrichs Schutz´, sprach Ort, und Scharf: ´Wir werden nie wieder froh sein, wenn ihr unseren Wunsch nicht erfüllt.´ Da wurde zuerst das Herz der Königin überwunden, so daß sie nun selbst Fürbitte für die Knaben tat, und endlich willigte auch Etzel ein, wiewohl mit Sorgen. ´Laß uns hoffen´, sagte er zur Königin, ´daß du nicht weinen wirst über deinen Wunsch und meine Nachgiebigkeit.´ Die Königin aber sprach zu Dietrich: ´So übergebe ich dir meine Söhne: schwöre mir, daß du ihr junges Leben behüten willst, mehr als dein eigenes!´ ´Das schwöre ich Euch!´ antwortete Dietrich. Weinend schloß Helche ihre Knaben in die Arme, dann ließ sie sie aufs schönste rüsten und führte ihnen mit eigener Hand ein Paar herrliche Rappen zu; auf die schwangen sie sich und ritten nach einem letzten Kuß davon. Etzel gab ihnen und Dietrich samt dem Heere noch drei Tagesreisen weit das Geleit.

 

Als Dietrich die Grenzen seines Reichs überschritt, wurde er mit Jubel empfangen; überall erhoben sich die Getreuen, die er hatte verlassen müssen, gegen das harte Regiment Ermanrichs, um zu ihrem alten Herren zu stoßen. Unter denen, war auch ein Bruder Wolfharts und Neffe Hildebrands, Alphart; der alte Meister schloß den jungen Helden, den er einst als Knabe zurückgelassen hatte, mit Freuden in die Arme. Von Mailand her kam Reinher geritten und brachte Botschaft, daß seine Stadt, dazu Padu und Bern, die Mannen Ermanrichs verjagt hätten und ihre Tore Dietrich offenhielten. ´Ich danke euch für eure Treue!´ sprach Dietrich; ´aber wie steht´s mit meiner Stadt Raben?´ ´Stadt und Mark gab Ermanrich dem starken Wittich´ ,antwortete Reinher, ´und er hütet sie mit gewaltiger Hand. Vor Rabens Mauern hat Ermanrich sein mächtiges Heer aufgestellt, mancher kühne Held ist bei ihm, und täglich strömen ihm neue Scharen aus seinem ganzen Reiche zu.´ In Eilmärschen zog Dietrich nach Bern, das ihm mit Freuden huldigte. Dort erfuhr er noch mehr: Heime habe sich mit Ermanrich ausgesöhnt und sei bei ihm; Sibich berate immer noch den König, der nun vor längerer Zeit auch seinen letzten Sohn Friedrich verloren habe – wie viele meinten, durch Sibichs Tücke. Ermanrich wisse bereits, daß sich Etzels Söhne beim Heer Dietrichs befänden. ´Wir werden sie vor ihm zu hüten wissen´, sprach der Berner; dieses edle Wild soll er nicht erjagen!´"

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Rüdiger von Bechelaren --

(Etzel´s Mann)

 

 

 

 

 

 

 



Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!