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-- II/VIII --

 

"Ehe Dietrich Bern verließ, um Ermanrich vor Raben zu treffen, drängten sich seine Helden darum, auf Erkundungen auszuziehen, und allen voran brannte Alphart danach, seinen Mut zu beweisen. Heftig setzte sich sein Bruder Wolfhart dagegen: nicht einen unerprobten Jüngling komme diese Aufgabe zu; aber Alphart begehrte gegen seinen Bruder auf und wollte auch den Warnungen Dietrichs und Hildebrands nicht nachgeben. So ließen sie ihn reiten, und als Dietrich von der Zinne aus sah, wie der junge Held sein Roß ins Feld spornte, daß es einen Sprung acht Klafter weit tat, lachte ihm das Herz im Leibe, und er sprach: ´Jung ist er, doch ich glaube, er steht seinen Mann!´ Aber Hildebrand schüttelte den grauen Kopf: ´Dennoch ist´s nicht recht, ihn reiten zu lassen! Ewig leid wäre es mir, ihn zu verlieren. Ich will ihm nachreiten und versuchen, ihn zurückzuholen; vielleicht, daß ich ihn des Streitens satt mache, ehe er in sein Verderben rennt.´

Eilig waffnete sich der Meister mit einem fremden Streitgewand, so daß er nicht zu erkennen war, und ritt dem Neffen nach;  als er ihn, der gelassen dahintrabte, erspähte, umritt er ihn im Bogen und kam ihm nun entgegen, so daß Alphart meinte, schon auf einen Mann Ermanrichs getroffen zu sein. Ohne zu zögern legte er die Lanze ein und rannte auf ihn zu, so daß dem Alten nichts anderes übrigblieb, als ihm auf gleiche Weise zu begegnen. Im harten Zusammenprall zersplitterte Hildebrand der Speer; beide sprangen zu Boden und schlugen mit den Schwertern gegeneinander, aber Alphart gelang ein Schlag, der den Meister halb betäubt zu Boden streckte. ´Halt ein´, rief er dem Neffen zu, ´ich bin dein Oheim!´ ´Den sah ich eben noch in Bern´, entgegnete der Junge; ´du bist einer von den Verrätern, die meinen Herrn Dietrich ohne Grund verfolgen; darum sollst du auf der Stelle sterben!´ ´Binde mir doch den Helm los, du Narr´, sagte Hildebrand, ´dann wirst du schon sehen, wer ich bin.´ Alphart tat´s und mußte lachen. ´Was machst du auf deine alten Tage für Streiche, Oheim?´ ´Nun sei nur still´, antwortete Hildebrand, ´und komm mit mir zurück nach Bern! Ich wollte dich doch nur holen!´ ´Das kann leider nicht geschehen´, sprach Alphart, ´ich lasse die Wacht nicht im Stich!´ Wie ein Vater sah der Alte den Jungen an: ´Nun, so behüte dich Gott! Kraft hast du ja, das habe ich gefühlt- mein Herr wird mich schön auslachen!´ Aber er mußte doch seufzen, als er nach Bern zurückritt. Von weitem schon rief ihm Dietrich entgegen: ´Wo hast du deinen Gefangenen, Meister?´ Laut lachte er auf, als Hildebrand erzählte, wie es ihm ergangen war. ´Für einen Jungen war das Stück nicht schlecht!´

 

Alphart gürtete sein Roß neu und ritt weiter. Bald sah er eine starke Schar sich entgegenreiten, über der ein prächtiges Banner flatterte, grün mit Gold gestickt: das führte Herzog Wölfing, der von Dietrich zu Ermanrich abgefallen war. Sie riefen einander an, und schnell folgte Rede und Gegenrede, als Alphart den Ungetreuen schalt. ´Von Ermanrich trage ich mein Land zum Leben´, sprach der Herzog, ´von ihm empfing ich rotes Gold, und wenn er mir´s befiehlt, reite ich für ihn in den Tod!´ ´So mach dich dazu bereit´, rief Alphart, ´heran zu mir!´ In wildem Lauf sprengten die zwei gegeneinander, mit voller Wucht traf und durchbohrte Alpharts Speer des Herzogs Brust, daß er wie vom Blitz getroffen vom Pferde fiel. Da flogen die Schwerter der anderen aus den Scheiden, schon sprang der erste vom Rosse und lief Alphart an, der gleichfalls den Sattel verlassen hatte. Mann gegen Mann erschlug der junge Held ihrer zehn, so daß die übrigen ergrimmten und sich am liebsten alle auf einmal über ihn gestürzt hätten, um ihn in Stücke zu zerhauen.

 

Aber ein alter Ritter, edler Sitte treu, wehrte ihnen: ´Bei eurer Ehre – zurück! Es brächte uns ewige Schande, viele zugleich gegen einen zu fechten!´ Sie gehorchten der Mahnung und schlossen einen Ring um ihn, einer nach dem anderen sprang zu ihm hinein, und einen nach dem anderen erschlug er, endlich auch den edlen alten Helden, der ihn vor der Übermacht geschützt hatte. Da waren nur noch acht übrig, und sie packte ein Grauen vor der Stärke des kühnen Jünglings. Auf die Rosse springend, jagten sie davon; mit dem eroberten Banner in der Faust setzte Alphart ihnen nach. Auf einem Hügel endlich hielt er an und pflanzte das Banner auf, daß es über seinem Haupte rauschte; im Schatten einer Linde hielt er Rast, ließ sein Roß weiden und nahm den Helm ab, daß der Wind seine heiße Stirn kühlte."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Scharf und Ort, die Söhne Etzel´s --

 

 

 

 

 

 

 

 



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