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-- III/VIII --

 

"Lange hielt er so die Wacht, bis er endlich zwei Recken gegen sich herbeireiten sah: das waren Wittich , den Ermanrich auf die Kunde von dem Wüten des jungen Helden gegen ihn entsandt hatte, und Heime, sein Geselle wie einst, der ihn begleitete. ´Bist du´s, der den Herzog Wölfing und so viele seiner Mannen erschlug?´ rief Wittich von weitem. ´Ich bin´s, antwortete Alphart, und du sollst ihnen folgen! Ich kenne dich wohl: du bist Wittich, der Verräter meines Herrn, eidbrüchig und ehrlos jetzt und immer!´ - ´Ich kam nicht hierher, um Beichte und Buße zu tun´,  entgegnete Wittich finster; ´aber wer mir die Ehre abspricht, dem lohne ich´s mit der Waffe!´ Krachend traf sein Speer die Brust Alpharts und sprang in Stücke: wie aus Erz saß der junge Held im Sattel; dann erwiderte er den Stoß und stach Wittich über sein Roß hinweg zu Boden. Mit einem Fluch griff Wittich zu Mimung, während Alphart absprang; nun dröhnten die  Schwerter auf die Panzerringe, bis Wittich von den fürchterlichen Schlägen des Jünglings zu Boden fiel. Wohl hätte ihn Alphart jetzt töten können, aber er schonte den Wehrlosen.

                                                    

Nun ritt Heime herbei und sprach: ´Guter Held, laß uns Frieden machen! Du hast wohl gekämpft, nun räume den Kampfplatz! Reite heim nach Bern, wie wir zu Ermanrich, und laß uns schweigen darüber, daß wir uns hier begegneten!´ Aber Alphart schüttelte den Kopf: ´Ritterlich habe ich die Wacht gehalten und nehme dessen zum Zeugnis Wittich als Gefangenen mit – es sei denn, daß du mich hier besiegst!´ ´Willst du Frieden schließen mit unserem Feind?´ rief da Wittich, der wieder zur Besinnung gekommen und auf die Beine gesprungen war, Heime zu: ´hilf mir, wie ich dir oft geholfen habe!´ ´Sollen wir zu zweit gegen ihn kämpfen?´ fragte Heime, und Wittich fragte dagegen: ´Willst du lieber, daß er mich erschlägt?´ Beide zugleich drangen sie auf Alphart ein: der rief: ´Laßt mir, bei Ritterehre, wenigstens den Rücken frei!´ und warf sich mit Ungestüm beiden entgegen. Als ihm aber ein furchtbarer Schlag gegen Heime gelang, sprang Wittich hinter ihn und schlug ihn tief in den Schenkel. ´Pfui über euch Ehrlose!´ rief Alphart; da traf ihn ein Hieb Heimes durch den Helm, daß ihm das Blut über die Augen schoß, und als er in die Knie sank, stieß ihm Wittich den Mimung ins Herz. Da sie ihn tot zu ihren Füßen sahen, begannen sich die Mörder vor der eigenen Tat zu entsetzen; sie schwangen sich auf ihre Rosse, eilig und wortlos ritten sie hinweg und ließen den Toten in seinem Blut auf der Heide liegen.

 

So fand ihn am nächsten Tage Hildebrand, als er den Neffen, der nicht heimgekehrt war, suchte. ´Hier geschah ein Mord!´ sprach er, als er die Wunden vorn und hinten sah; sein scharfes Auge erkannte an ihrer Art wohl, wer die Mörder waren, und er schwor ihnen grimmige Rache. Dietrich aber bangte, als er die Untat erfuhr, stärker als je vorher um das Leben der Etzelsöhne, die seiner Hut anvertraut waren, und um das des eigenen jungen Bruders. ´Ratet mir´ , sprach er zu seinen Helden, ´wie ich die Knaben schützen soll!´ ´Laßt sie in Bern´, antwortete ihm Dietleib; ´in der Feste sind sie wohl geborgen.´ ´Wen setze ich ihnen als Hüter?´ fragte Dietrich. ´Nehmt Elsan, der ist Treu wie Gold!´ riet Rüdiger. Die Wahl dünkte dem König gut; er rief Elsan zu sich und sagte: ´Diese drei Jungherren sollst du mit rechter Treue hüten, nie sollst du sie aus den Augen und nie vor die Tore Berns hinauslassen! Werde ich selbst aber in der Schlacht besiegt oder gar erschlagen, so sollst du die Feste keinem anderem übergeben als König Etzel. Schwörst du mir das zu?´ Da schwur ihm Elsan bei Leben und Ehre, alles nach seinem Geheiß zu tun. Auch seinen jungen Bruder bat Dietrich, ein Auge auf die beiden Etzelsöhne zu haben: ´Du bist älter als sie, widersprich ihnen, wenn sie aus der Stadt reiten wollen! Ihr Heil ist das unsere.´ Dann zog er mit seinem Heer von dannen, Ermanrich entgegen, und der Abschied wurde ihm ebenso schwer wie den Jungherren, die bitterlich darüber klagten, daß sie zurückbleiben und sich von ihrem edlen Beschützer trennen mußten."

 

 

 

         

 

 

 

 

-- Die Rabenschlacht I: Die Heere Rüdiger gegen Heime --

 

 

 

 

 

 

 



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