rabenschlacht6

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-- VI/VIII --

 

"Der Recke ließ sich einen Weile von ihnen Treiben, doch als sie ihn von vorn und hinten zugleich angriffen und von ihren Schwertschlägen das Feuer aus seinem Helm zu sprühen begann, schlug er Ort mit einem Streich Mimungs durch den Schädel, daß der Knabe vom Roß zu Boden schoß und tot liegenblieb. Dann sprangen Wittich und Dieter ab; mächtige Schläge teilte der junge Held aus und schlug dem Gegner zwei starke Wunden. Da warf Wittich den Schild auf den Boden, hob Mimung mit beiden Händen und schlug Dieter durch die Achsel tief in die Brust, die Panzerringe wie Stroh durchschneidend. ´Dietrich mein Bruder!´ rief der Knabe in Todesnot und griff hinstürzend in die schwarze Erde; er führte sie zum Munde an Stelle des Sakraments. Voll dumpfer Verzweiflung starrte Wittich auf den Toten. ´Jetzt läge ich gern an deiner Stelle, könnte ich dich wieder lebend machen!´ murmelte er. ´Gar zu schwer habe ich an Dietrich gefrevelt, nie darf ich ihm mehr begegnen.´  Er ging hinüber zu Schimming, aber als er ihn besteigen wollte, verließ ihn die Kraft, und er mußte sich vor großer Not auf die Heide niederlegen. Inzwischen war die Schlacht vor Raben neu entbrannt, wilder noch als des Tages vorher. Da ward Gnade weder erbeten noch gewährt, Schildtrümmer, Harnischringe, abgehauene Glieder flogen durch die Luft, zerspaltete Leiber schütteten die Eingeweide aus, und aus Todeswunden rann das Blut, daß das zerstampfte Gras der Heide sich rot färbte. Auf die Scharen Wittichs, die an seiner Statt Reinhold führte, waren Helferich, Dietleib und Wolfhart gestoßen und wüteten unter ihnen, so daß sie in wilder Flucht nach Raben zurückfluteten. Mit gleichem Grimm jagte Dietrich die Hauptmacht Ermanrichs. Mitten hinein in die Feinde trieb Eckehart sein Roß, er suchte den Verräter Sibich, der sich mit seinem König zugleich zur Flucht gewandt hatte, und begann ihn zu packen. Rüstung und Kleider riß er ihm vom Leibe und band ihn nackt quer vor sich übers Roß; so führte er ihn durch das ganze Heer und hängte ihn an den hohen Galgen: ´Endlich rächte ich meine Herren Emmerich und Frittel!´Ermanrich rettete sich, von Heimes Schild gedeckt, in das Tor von Raben; aber schon rüsteten sich Dietrichs Mannen, die Burg zu stürmen. Da langte Elsan bei seinem Herrn an, und als Dietrich den Alten vom Roß springen sah, war seine erste Frage: ´Sag, Freund, bringst du gute Nachricht von den jungen Herren?´ Seufzend antwortete Elsan: ´Sind sie nicht bei euch? Kaum wage ich es auszusprechen: ich habe sie verloren.´ ´Auf sie zu suchen!´ rief Dietrich; ´niemand bleibe zurück! Meine Ehre hängt daran!´ Wie erstarrt stand er in seiner Qual; da kam Helferich in wilder Fahrt geritten und fiel fast vom Pferde, vor Leid die Hände ringend trat er zu seinem Herrn und konnte kein Wort sprechen, bis Dietrich ihn fragte, welches Unheil ihm zugestoßen sei. ´Daß ich´s nicht zu sagen brauchte!´ antwortete Helferich, und dann fuhr er fort: ´Edler Dietrich, Etzels Söhne und dein Bruder liegen erschlagen auf der Heide.´ Wortlos sprang Dietrich aufs Roß und ließ sich dahin führen, wo man die Knaben gefunden hatte. Er sank aus dem Sattel auf die Toten nieder und küßte ihre Wunden, vor Schmerz biß er sich ein Glied vom Finger, seinem Schicksal fluchend. ´Daß mich Gott auf der Stelle sterben ließe! Nun folgt mir Schande bis an meinen Tod, Verräter an meinem Herrn und Freunde werde ich heißen, so schuldlos ich bin; niemals wieder werde ich vor Helches Augen treten dürfen! Und du, mein Bruder, Freude meines Herzens – läge ich an deiner Stelle getötet!´ Aber dann wandte er die Leichen sorgsam um und prüfte die Wunden; ohne zu schwanken, entschied er: ´Diese Wunden schlug Mimung!´ Und nun erhob er sich und sprach: ´Gott, jetzt erbarme dich meiner Not; Schenke mir Kraft, halte mir Siechtum und Tod fern, bis ich Rache genommen habe an dem Mörder!´ In diesem Augenblick kam Wittich über die Heide geritten; als er Dietrich von weitem erblickte, wandte er Schimming um und sprengte davon. Aber Rüdiger hatte ihn gesehen und rief: ´Aufs Roß, Herr Dietrich, dort reitet Euer Feind!´ Schnell wie der Blitz sprang Dietrich auf Falke, beide Sporen drückte er ihm in die Weichen und jagte Wittich nach."

 

           

 

 -- Die Rabenschlacht III: Die Heere Dietleib gegen Wittich --

 

 

 

 



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