rabenschlacht7

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-- VII/VIII --

 

"Seine Augen loderten, aus seinem Mund ging feuriger Atem, Schrecken flog ihm voraus. ´Halt, Wittich!´ rief er dem Fliehenden nach, ´sei nicht feige, herab vom Roß und stelle dich mir!´ Ohne ein Wort zu erwidern, jagte Wittich weiter. ´Denke an deine Ritterschaft!´ rief Dietrich, ´denke an deine Ehre! Ich will von dir wissen, warum du die Knaben erschlugst und wie sie starben! Gib Antwort und kämpfe mit mir – vielleicht besiegst du mich und gewinnst gar mein Reich!´ Aber wie er auch rief und bat und drohte, Wittich wandte sich nicht, stumm trieb er Schimming zu immer schnellerem Lauf; und Dietrich spornte Falke, daß von den Weichen des Rosses das Blut sprang und es wie der Sturmwind hinterdreinbrauste. Schreiend fuhr der Verfolger hinter dem stummen Feinde her, immer dichter kam er ihm auf die Fersen: da prallte Wittichs Roß hoch empor vor dem brandenden Meere. Aber sein Reiter trieb es vorwärts, ins Wasser hinein. Dietrich schleuderte den Speer nach ihm, aber traf ihn nicht mehr: denn vor Wittich war seine Ahnfrau aufgetaucht, die Meerminne, und hatte ihn samt seinem Rosse hinab in ihr Reich gezogen. Dietrichs Speer fuhr tief in den Sand, so stand er festgespießt noch viele Jahre. Bis an den Sattelbogen war der König dem Feinde ins Wasser nachgesprengt, jetzt mußte er umkehren; auf dem Strand sprang er vom Roß und spähte lange verzweifelt über die grauen Wogen. Endlich saß er wieder auf und ritt gesenkten Hauptes zur Walstatt zurück. Die ganze Nacht hindurch saß er über den Toten, dann wurden sie feierlich von den Helden bestattet. ´Nun sei nicht länger geklagt´,  sprach Helferich!  ´was uns auch geschah: wir müssen weiterkämpfen!´

 

Vor Raben hielten die Helden Rat. Über Elsan ward von Dietrich das Urteil gesprochen: er mußte weichen aus Würde und Land und fand seine Zuflucht im Kloster. Die Recken aber riefen zum Sturm gegen Raben; Ermanrich hielt sich dort wohlverwahrt und ließ neue Heerscharen aufbieten. Da sprach Dietrich: ´Wir werden die Mauern Rabens nicht mehr stürmen! Seit Etzels Söhne, meinen Händen anvertraut, starben, darf ich nicht mehr Etzels Krieger in meinen Kampf führen! Rüdiger und Helferich mögen sie heimgeleiten zu ihrem Herrn.´ ´Wehe, armer König!´ rief Rüdiger; ´so verlierst du dein Reich zum zweiten Male!´ Aber wie sehr sie ihn auch baten, er beharrte auf seinen Willen. Sieger und doch besiegt, kehrte er zurück nach Bern, um von dort Etzels Helden und Heer in ihre Heimat zu entsenden. Er selbst wollte nicht vor den König und Helche treten. ´Sag der Königin´,  bat er Rüdiger, ´daß ich keine Schuld am Tode ihrer Kinder trage, erzähl ihr alles, wie es geschah, und erinnere sie daran, wie ich ihr stets mit aller Liebe diente! Du wirst hören, ob sie mir ihre Huld wiederschenken will oder nicht – das laß mich wissen!´ ´Sie wird dir verzeihen´, sprach Rüdiger; und er bewog den Helden mit vieler Mühe, ihm ins Hunnenland zu folgen. In die Burg Etzels aber wollte Dietrich nicht einreiten; er wartete draußen, welchen Bescheid ihm Rüdiger bringen werde."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Wittich flieht vor Dietrich ins Meer --

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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