rabenschlacht8

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-- VIII/VIII --

 

"Rüdiger und Helferich ritten in die Etzelburg ein, und sie führten die Rosse Scharfs und Orts mit sich; als die Helden aber abstiegen, rissen die beiden Tiere sich los und galoppierten vor die Halle: dort blieben sie stehen, und Helche sah aus dem Fenster. ´Wehe´, sprach sie zu ihren Frauen, ´da stehen die Rosse meiner Söhne, ihrer Reiter ledig: mir ahnt Furchtbares.´ Gleich danach traten Rüdiger und Helferich ein, und sie rief ihnen zu: ´Wo sind meine Söhne?´ Lange vermochte Rüdiger nicht zu antworten, da drängte sie: ´Sag es in einem Wort, edler Markgraf: leben Scharf und Ort, oder sind sie tot?´ ´So muß ich es denn sagen´, sprach Rüdiger, ´- sie liegen tot auf der Heide zu Raben.´ Helche fiel zu Boden, sie rang die Hände und erhob schmerzliche Klage um die Verlorenen: ´Nie werden ich euch wieder in die lichten Augen sehen, meine Kinder, nie wieder eure lieben Hände fühlen!´ Dann aber sprang sie auf und rief: ´So sei der Berner verflucht, dem ich sie anvertraute! Er hat sie verraten und verkauft!´ Gerade da kam Herrat in den Saal und nahte sich der Königin, aber die wies sie von sich: ´Geh mir aus den Augen! Du bist mir verhasst wie der Mann, dem ich dich gab!´

 

´Haltet ein´, sprach Rüdiger, ´Ihr tut Dietrich schweres Unrecht! Gott strafe mich selbst, wenn der Held schuld an dem Tode Eurer Kinder hat! Ich weiß, er würde sein Leben hingeben, wenn er sie wiedererwecken könnte. Mit eigenen Augen sah ich, wie er die Wunden der Toten küßte und sich vor Gram ein Glied vom Finger biß. Und wißt, daß mit Euren Söhnen zugleich sein eigener junger Bruder erschlagen wurde; Dietrich geschah Leid wie Euch, wie dürftet Ihr ihm zürnen!´ ´So reut es mich, daß ich ihn fluchte!´ antwortete Helche; und als sie gehört hatte, wie alles sich begeben, sprach sie mit Tränen: ´Melde Dietrich, daß ich ihn liebe wie je.´ ´Darf er vor Euch erscheinen ohne Gefahr?´ fragte Rüdiger. ´Sorge dich nicht´, erwiderte sie, ´ich bin ihm hold und werde ihm auch Etzels Gnade wiedergewinnen.´ Damit ging sie zu Etzel, ihm die schwere Botschaft zu bringen; Rüdiger aber holte Dietrich und führte ihn in den Königssaal. Dort saßen Etzel und Helche auf dem Hochsitz, und der König erwiderte kaum den Gruß des Helden. Dietrich aber trat heran und beugte sein Haupt nieder auf Etzels Fuß. Als die Königin den Helden in so tiefer Demut sah, begann sie vor Jammer laut zu weinen. ´Edler König´, sprach Dietrich, ´ich gebe mich in deine Hand: willst du das Unglück deiner Söhne an mir rächen, so nimm mein Leben!´ Da beugte sich Etzel nieder, hob den Knienden auf und schloß ihn in die Arme: ´Welches Leid mir auch durch dich kam, du trägst keine Schuld daran. Sei mein Freund, wie du es immer warst!´

 

Manches Jahr lebte Dietrich noch am Hofe des Hünnenkönigs. Nicht lange freilich mehr durfte er sich in Gnade der Königin freuen; denn das Leid um ihre Kinder fraß ihr am Herzen, und sie starb ihnen in kurzer Frist nach. Aber die Huld Etzels blieb Dietrich erhalten, und er vergalt sie als starker und getreuer Helfer. Die erlesene Heldenschar, die ihm in der Rabenschlacht zur Seite gestritten hatte, war ihm auch diesmal in die Fremde gefolgt und tröstete den Heimatlosen. Nur einen aus ihr mußte er bald verlieren: Dietleib, der in einer Schlacht gegen die Wilzen fiel. Und noch mehr Leid sollte Dietrich erfahren, da die Wege der Nibelungen nach dem Hunnenland zogen…"

 

 

-- Das ist das Ende der Mär --

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Dietrich, König ohne Land --

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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