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-- II/III --

 

"Roland löste seinem Gefangenen die Fessel, schwang das Schwert über seinem Haupte und sprach: ´Wenn du jetzt mit mir kommst und mir Marsilius zeigst, will ich dich laufen lassen, sonst bist du des Todes!´ - er kannte nämlich Marsilius nicht von Angesicht zu Angesicht. Der Gefangene kam mit und zeigte ihm den Heidenkönig, der hielt inmitten eines starken Gefolges auf einem feuerfarbenen Roß und trug einen runden Schild. Sofort stürzte sich Roland in die Feinde, um Marsilius zu treffen. Ein riesiger Sarazene verrannte ihm den Weg, aber Roland traf ihn mit einem Schlage seines guten Schwertes so gewaltig, daß er Mann und Roß in zwei Hälften schnitt. Vor dieser Riesenstärke erfasste die Heiden Entsetzen, sie begannen zu fliehen, und da Marsilius sich verlassen sah, wandte auch er sich zur Flucht; aber Roland setzte ihm nach und tötete ihn. Mit ihm zugleich waren seine hundert Mannen in die Reihen der Fliehenden eingebrochen, aber im Handgemenge wurden sie insgesamt erschlagen. Nur Roland war noch am Leben, jedoch durch Lanzenstiche und Steinwürfe schwer verwundet.

 

Von Schmerzen und Trauer gequält, nur mit Mühe sich auf dem Pferde haltend, ritt er durch den Bergwald dahin bis zu einer Halde, wo er unter einem Baum einen mächtigen Block von weißem Marmorstein liegen sah; hier stieg er ab und sank hin, des nahen Todes gewiß.

Es dauerte ihn von Herzen, daß sein herrliches Schwert Durandarte in die Hand der Feinde fallen könne. Er zog es aus der Scheide und betrachtete den blanken Stahl und den goldenen Kreuzgriff, den ein lichter Beryll krönte. ´So oft hast du mir gedient, herrliche Waffe´, sprach er zu dem Schwert, ´nie ließest du mich im Stich, viele Länder halfest du mir zu unterwerfen, unzählige Feinde Gottes hast du niedergemäht wie der Schnitter das Gras, und den Tod Christi sodann tausendfältig gerächt! Nie soll eine unwürdige Hand dich führen – lieber will ich dich zerbrochen sehen!´ Mit letzter Kraft führte er drei gewaltige Schläge gegen den harten Marmorstein, aber das Schwert brach nicht, sondern spaltete den Fels von oben bis unten. Da warf er sich aufs Knie und rief: ´Gott im Himmel, vergib, daß ich mich um mein Schwert sorgte – dir vertraue ich es an!´ Er streifte den Eisenhandschuh von der Rechten, mit bloßer Faust reckte er das nackte Schwert gen Himmel, und ein Engel nahm es ihm aus der todwunden Hand. Noch einmal gedachte er seines Herrn, der jetzt bereits das Gebirge überschritten hatte. Um ein letztes Zeichen zu geben, nahm er sein Horn Olifant und stieß so gewaltig hinein, daß es von dem Sturm seines Atems zersprang und ihm zugleich die Schlagadern an seinem Halse; weit hinweg über die Berge flog der Schall und drang bis ans Ohr Karls, dessen Lager acht Meilen entfernt aufgeschlagen stand. ´Ich höre Rolands Horn!´, sprach da der Kaiser; ´wir wollen zurückziehen, denn mir scheint, er bedarf unserer Hilfe!´ "

 

 

 

         

 

 

 

 

       

 

   -- Karl kommt zu spät --          -- Karl nimmt Abschied --

 

 

 

 

 

 

 



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