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-- III/III --

 

"Aber der Verräter Ganelon, der wohl wußte, daß Roland in Todeswut war, erwiderte aus falschem Herzen: ´Roland stößt oft aus bloßer Freude ins Horn, ohne damit etwas zu wollen; ich meine, er jagt hinter einem Wilde her!´ So blieb der tapfere Roland verlassen in seinem Blute liegen, vom Schmerz der Wunden und von großem Durst geplagt. Ein versprengter Ritter namens Balduin, der den Schwertern der Sarazenen entgangen war, stieß auf ihn, und da der Todwunde ihn um etwas Wasser bat, suchte er eine Quelle; aber er fand nirgends eine. Da machte er das Kreuz über der Stirn des Sterbenden, schwang sich auf des Helden Pferd und ritt, um nicht in Feindeshand zu fallen, eilends hinweg. Bald danach hauchte Roland seine Seele aus, Balduin aber trug die Nachricht von der mörderischen Schlacht zu Karl.

 

Noch ehe er anlangte, hatte der Erzbischof Turpin, die Messe zelebrierend, in plötzlicher Verzückung ein zweites Gesicht: Er sah, wie zwei geisterhafte Scharen durch die Luft hinwegfuhren; die eine, schwarz und hässlich anzuschauen, schleppten eine Leiche abwärts, und eine zornige Stimme schrie: ´Wir tragen Marsilius zur Hölle!´. Aber eine lichte Schar, vom Erzengel Michael selbst geführt, fuhr aufwärts und trug einen Helden mit sich, und eine helle Stimme rief: ´Wir geleiten Roland in den Himmel!´. Gerade erzählte Turpin sein Gesicht dem Kaiser, da trat Balduin ein und brachte die Kunde von Rolands Fall. Sofort eilte Karl zurück; aber er fand nur noch den toten Recken, der mit kreuzweis ausgebreiteten Armen neben dem Marmorstein lag. Vor Trauer zerriß er sein gewand und klagte über ihn die ganze Nacht. Anderntags zog er auf das Schlachtfeld, wo er die ganze Nachhut seines Heeres erschlagen fand, und schwur, nicht eher zu ruhen und zu rasten, bis er den Tod der Helden an den Heiden gerächt habe. Nahe bei Saragossa am Ebro fand er sie und erschlug ihrer viele Tausend samt König Beligand. Danach zog er über die Pyrenäen zurück in sein Reich und führte den Leichnam Rolands wohleinbalsamiert mit sich. In Sankt Roman ward Roland sodann feierlich beigesetzt.

 

Dann entbot er alle seine Helden nach Aachen; dort hielt er Gericht über den Verräter Ganelon, gegen den Rolands Verwandten Klage erhoben hatten. Aber auch Ganelons Sippe war stark und stand ihm zur Seite. Sein Neffe Binabel, ein mächtiger Kämpe, erbot sich, im Zweikampf die Treue seines Oheims zu erhärten; gegen ihn trat Dietrich, Rolands Vetter, in die Schranken und schlug ihm nach hartem Kampf das Haupt vom Rumpfe. Jetzt gab es keine Gnade mehr für Ganelon: er wurde mit Händen und Füßen an die Schweife von vier wilden Rossen gebunden, auf jedes schwang sich ein Reiter und spornte es, da sprangen sie nach den vier Himmelsrichtungen und rissen den Verräter in Stücke.

 

Seinem treusten Helden Roland aber trauerte Kaiser Karl bis zu seinem eigenen Tode nach."

 

-- Das ist das Ende der Mär --

 

 

 

         

 

 

 

Historischer Hintergrund: Anno Domini 778 startet der erste Feldzug Karls des Großen gegen die Sarazenen in Spanien. Dieses Unternehmen verlief glücklos für die Franken. In den Nachhutgefechten fällt Roland, Graf der Bretagne; sein Tod wird Thema des "Rolandliedes".

 

 

-- Roland, Graf der Bretagne --

 

 

 

 

 

 

 

 



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