siebteskapitel6

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-- VI/VII --

 

"´Ich leugne es nicht´, antwortete Rüdiger, ´Ehre und Leben schwur ich für Euch dahinzugeben; aber die Seele zu verlieren, habe ich nicht geschworen. Ich war es, der die Gäste hierherbrachte.´ Sie ließen nicht ab ihn zu bitten; ja, sie fielen ihm zu Füßen, beide, der König und seine Gemahlin. Unschlüssig stand er und sprach in tiefer Qual: ´Was ich auch tue oder lasse, immer ist es arg und übel, und die Welt wird mich darum schelten. Helfe mir Gott in meiner Not!´ Und er bat den König: ´Herr Etzel, nehmt alles wieder, was Ihr mir gabt, Land und Burgen! Arm und zu Fuß will ich in die Fremde gehen – aber entbindet mich meines Eids!´ ´Was hülfe mir das?´ gab Etzel zurück; ´mein eigenes Land dazu will ich dir geben, du sollst neben mir König sein – aber räche mich an meinen Feinden!´ ´Wie kann ich das?´ sprach Rüdiger; ´ich lud sie in mein Haus, bot ihnen Speise und Trank und Gaben, ich verlobte mein Kind mit Giselher! Und nun soll ich nach ihrem Tode trachten?´

 

Aber als sie gar nicht mit Flehen nachließen und Kriemhild ihn immer von neuem an seine Treue mahnte, da gab er endlich nach. ´So muß es also sein, daß ich mit meinem Leibe zahle für das Liebe, das ihr mir erweist. Ich befehle mein Weib, meine Kinder und meine Leute in eure Gnade.´ ´Lohn es dir Gott´, sprach Etzel; ´alles verspreche ich dir; aber ich hoffe, du kehrst uns heil zurück.´ Leidvoll ging Rüdiger hinweg, entschlossen, Leib und Seele hinzugeben, und selbst Kriemhild mußte weinen, als sie den Edlen scheiden sah.

 

An der Spitze seiner fünfhundert Mannen schritt er zum Saale, und Giselher rief, da er ihn nahen sah, voller Freude: ´Da kommt uns die Hilfe – wohl denn, der solche Freunde hat!´ Aber Volker entgegnete: ´Habt Ihr je gesehen, daß so viele Helden mit aufgebundenen Helmen und blanken Schwertern kamen, um Frieden zu bieten? Rüdiger will an uns heute sein Land und seine Burgen verdienen!´ Er hatte noch nicht ausgeredet, da stand der Markgraf schon vor dem Haus, setzte den Schild vor den Fuß und rief, ohne Freundesgruß zu bieten, in den Saal: ´Nun wehrt euch, ihr kühnen Nibelungen! Ich bringe euch nicht Frieden, sondern Kampf. Wir waren Freunde, jetzt muß ich euch die Treue aufsagen!´ Schwer erschraken die Notbedrängten, daß er gegen sie zu streiten kam, den jeder liebte. ´Das verhüte Gott´, sprach Gunther, ´ich kann´s nicht glauben, daß ihr so gegen Freundschaft und Treue handelt.´ ´Ich muß es´, antwortete Rüdiger, ´denn ich schwur Kriemhild und habe keine Wahl.´

 

´Warum erwieset Ihr uns erst so viel Liebe und Treue, wenn Ihr sie nicht bis ans Ende halten wollt?´ fragte Gunther; ´wir würden Euch stets für alles dankbar bleiben, wenn Ihr uns schütztet, wie ihr gelobt habt, als ihr uns hergeleitet.´"

 

 

 

         

 

 

 

 

 

 



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