siebteskapitel7

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-- VII/VII --

 

"Und Gernot sprach: ´Ihr wart uns der gütigste Wirt; laßt ab vom Kampf, damit wir es Euch danken können!´ ´Wollte Gott´, sprach Rüdiger, ´Ihr wäret am Rhein, und ich wäre tot mit Ehren! Das schlimmste Los ist es, gegen Freunde zu kämpfen.´ ´Leid wäre mir Euer Tod´, antwortete Gernot; ´Ihr gabt mir dieses Schwert, es ist eine herrliche Waffe und ließ mich nie im Stich: aber ich schwöre Euch: Erschlagt Ihr einen meiner Freunde, so nehme ich Euch mit Eurem Schwert Leib und Leben!´ Nun sprach auch Giselher zu ihm: ´Wollt Ihr Eure Tochter so früh zur Witwe machen? Wenn Ihr gegen uns kämpft, das wäre nicht als Freund gehandelt; ich vertraue euch mehr als jedem andern, da ich Eure Tochter zum Weibe nahm.´ ´Gedenkt auch Eurer Treue´, antwortete Rüdiger, ´und laßt meine Tochter nicht entgelten, wenn Gott Euch von hier hinweghilft!´ Aber Giselher rief: ´Nein! Wenn einer meiner Freunde durch deine Hand fällt, so ist alle Freundschaft aus mit dir und deiner Tochter!´

 

´Dann Gnade Gott uns allen´, sprach Rüdiger und rückte den Schild hoch; aber ehe er noch die Treppe hinanstieg, rief Hagen von oben: ´Eine kleine Weile warte noch, edler Rüdiger, ich habe noch ein Wort mit dir zu sprechen! Den Schild, den mir Frau Gotelind gab, haben mir die Hunnen vor der Hand zerhauen; wenn ich einen so guten Schild hätte, wie du ihn trägst, so bedürfte ich im Sturme keiner Halsberge mehr!´ ´So nimm ihn, Hagen´, entgegnete Rüdiger, ´trag ihn an deinem Arm, und möchtest du ihn heimbringen in das Land der Burgunden!´ Als er den Schild so willig darreichte, wurden vielen Helden die Augen naß, und selbst den grimmigen Hagen erschütterte dieser Edelsinn. ´Lohn es dir Gott, edler Rüdiger´, sprach er, ´und laß auch mich die Gabe lohnen: in diesem Kampf soll meine Hand dich nicht berühren, und wenn du alle Recken hier im Saale erschlügst! ´ Und als Rüdiger sich dankend neigte, rief Volker: ´Da mein Geselle Hagen Euch Frieden bietet, tu ich´s auch! Diese Ringe hier gab mir Frau Gotelind, damit ich sie auf dem Feste trüge: seht her, ich trage sie, seid mir dessen Zeuge, wenn Ihr zu ihr zurückkommt!´ ´Das will ich tun, wenn es mir vergönnt ist´, sprach Rüdiger.

 

Dann hob er den Schild, den er von der Hand eines seiner Mannen genommen hatte, und lief die Stiege empor, und Hagen und Volker gaben ihm den Weg frei. Wie ein Held focht Rüdiger, er kämpfte sich stürmisch hin und her durch den Saal, und seine Mannen folgten ihm. Viele Helden erschlug er; da rief ihn Gernot an: ´Wollt ihr keinen meiner Mannen leben lassen, edler Rüdiger? Dann komme dieses Schwert über Euch! Wendet Euch zu mir, damit ich Eure Gabe an Euch selbst verdiene!´ Sie liefen einander an, und Rüdiger schlug Gernot durch den steinharten Helm, daß das Blut niederfloß; aber Gernot schwang todwund das Schwert und hieb ihn durch Schild und Helmband, daß auch er sterbend stürzte.

 

Da sprach Hagen: ´An diesen zwei verloren wir viel! Nun müssen Rüdigers Mannen für sie bezahlen!´ Kein einziger derer von Bechelaren entrann dem Tode."

 

-- Ende des siebenten Kapitels --

 

 

 

         

 

 

 

 

 



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