zwergenkoeniglaurin3

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-- III/IV --

 

"Noch sahen Dietrich und Wittich den Kleinen zornig an; aber Dietleib hieß ihn Bericht geben, und Laurin erzählte, wie er die schöne Künhild auf der Wiese mit ihren Gespielinnen tanzen sah. ´Ich trug die Tarnkappe und ihre Hüter sahen mich nicht; unter der Linde nahm ich sie an ihrer weißen Hand, deckte sie mit der Kappe und führte sie davon. Jetzt wohnt sie im Berg, meine kleinen Genossen dienen ihr als ihrer Königin, all mein Gold soll ihr gehören, und ich habe mehr als viele Könige zusammen. Hoch ehrte ich sie, und sie blieb doch eine reine Magd´. ´Zeig mir meine Schwester´, sprach darauf Dietleib; ´finde ich wahr, was du sagtest, und will sie dich zum Mann, so werde ich nicht gegen dich sein.´ ´Kommt alle zu mir in den Berg!´ rief Laurin. ´Große Wunder sollt ihr dort sehen, so viele Herrlichkeiten, daß euch beim Schauen ein Jahr verginge wie ein Tag!´

 

Die Helden gingen zu Rate, denn das Abenteuer schien ihnen nicht ohne Gefahr. ´Wir können die Einladung nicht ablehnen´, sagte Hildebrand, ´es brächte nur Schande, wollten wir uns fürchten.´ ´So wollen wir es denn wagen!´ sprach Dietrich. Nur Wittich widersprach: ´Der Teufel hole den Zwerg, er führt Betrug im Sinn!´ Aber Wolfhart rief: ´Auf, ohne Zögern, wir wollen uns die Wunder beschauen!´ So wurde die Fahrt beschlossen. Dietrich und Dietleib erneuerten ihren Bruderbund, alle Helden schworen sich, einander nicht zu verlassen, und auch Laurin band sich mit hohen Eiden, ihnen treu und hold zu sein. Dann ritten sie den ganzen Tag über, bis sie zu dem Berge kamen, und pflöckten ihre Rosse an auf einem grünen Plan, der sich um eine Linde breitete. Rings blühten Blumen zart und üppig in allen Farben und hauchten ihre Düfte, aus der Krone der Linde sangen Vögel aller Art zauberhaft schön, und im Grase spielten Tiere friedlich miteinander, so daß Dietrich und Wolfhart glaubten, im Paradies zu sein. Hildebrand freilich warnte: ´Lobt den Tag nicht vor dem Abend!´ - und Wittich murrte: ´Nichts als Hinterlist steckt hinter diesem Gaukelspiel.´ Aber Laurin sprach: ´Seid unbesorgt und freut euch des lieblichen Platzes! Freilich: diese Freuden sind nichts gegen das, was ihr im Berge finden werdet!´

 

Danach führte er sie in den Berg hinein; hinter ihnen schloß sich eine eiserne Tür, und Wittich sprach: ´Wäre ich wieder draußen, mich sollte der Zwerg nicht noch einmal betrügen!´ Zwölf schöne Zwergenjungfrauen standen zum Empfang der Helden bereit, und viele zierliche Ritter in prächtiger Rüstung nahten sich zur Begrüßung. Zahllos schien das Gesinde Laurins, von nie gesehener Pracht waren die Gemächer. Man hieß die Gäste niedersitzen auf goldenen Bänken, die von Edelsteinen funkelten, und schenkte ihnen Met und Wein. Wunderbare Spiele wurden gezeigt; sie sahen die Zwerge ritterlich turnieren, Lanzen brechen und Speere werfen; kleine Spielleute kamen mit vielerlei Instrumenten, zwei Fiedler spielten süße Weisen, und zwei Sänger sangen Lieder von bunten Abenteuern. Lächelnd sprach Dietrich: ´Wahrlich, dieser Berg ist aller Freuden voll!´

 

Nun nahte auch Künhild, königlich geschmückt, mit reichem Gefolge hinter sich, und bot Herrn Dietrich und den Helden einen anmutigen Willkomm; als sie aber Dietleib begrüßte, umfing sie ihn so fest, als wolle sie ihn nie wieder loslassen, und er merkte wohl, wie sehr sie sich nach der Heimat zurücksehnte. ´Liebe Schwester´, flüsterte er ihr ins Ohr, ´willst du weg von hier?´ ´Liebster Bruder´, antwortete sie, ´bei deiner Seligkeit: hilf mir von hinnen! So schön es in diesem Berge ist, ich will nicht bei diesem fremden Geschlecht bleiben!´ ´So will ich mein Leben daransetzen, dich dem Zwerg zu nehmen!´ sagte Dietleib; und sie ging wieder aus dem Zimmer."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Dietrich zieht gegen Laurin´s Zwerge --

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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