zwergenkoeniglaurin4

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-- IV/IV --

 

"Laurin aber ließ jetzt den Tisch reich mit Speisen bestellen und den Helden schöne Seidengewänder bringen, die mußten sie anlegen, nachdem sie sich der Eisenkleider entledigt hatten. Während sie sich ergötzten, ging er zu Künhild und sagte: ´Nun ist die Stunde da, den Übermut zu rächen, mit dem die Berner meinen Garten verwüsteten! Stünde Dietleib nicht zu ihnen, so sollte es um alle geschehen sein!´ ´Denk an deine Ehre´, antwortete Künhild; ´strafe sie, wenn du nicht anders kannst, aber schwöre mir, daß du keinem ans Leben gehst!´ Das gelobte ihr der Zwerg; dann steckte er an seine rechte Hand einen Ring, der ihm die gleich Kraft gab wie vordem der Gürtel, und ließ Dietleib herausrufen. Er führte ihn in ein Felsgemach und sprach zu ihm: ´Lieber Schwager, gelobe mir, dich deiner Gesellen nicht anzunehmen! Dann will ich alles, was ich habe mit dir teilen!´ Aber Dietleib antwortete: ´Eher soll man mich tot sehen! Mit meinen Gesellen teile ich alles, was ihnen geschieht, und deiner Schätze begehre ich nicht!´ Da rief Laurin: ´So mußt du hier drinbleiben, bis du dich anders besonnen hast!´ sprang aus dem Gemach und schlug die Tür zu, so daß Dietleib gefangen war. Zu den vier Helden zurückkehrend, ließ Laurin ihnen tapfer einschenken; in den Wein aber hatte er einen Schlaftrunk gemischt, so daß sie bald betäubt von den Bänken sanken. Nun ließ er ihnen Hände und Füße binden und sie in ein Felsverlies werfen.

 

Als sie erwachten und sich gefangen sahen, geriet Dietrich in solchen Zorn, daß ihm Feuer aus dem Munde lohte: davon verbrannten ihm die Fesseln an den Händen. Er machte sich ganz der Bande ledig und danach auch die Genossen; aber noch blieben sie ohnmächtig, der Rüstung beraubt und im Fels verschlossen. Inzwischen ging Künhild zu ihrem Bruder; als sie seinen Kerker aufschloß, sprang er ungestüm heraus und fragte nach seien Gefährten. ´Sie liegen gefangen im Verlies´, antwortete sie, und er rief: ´Hätte ich Rüstung und Schwert, bald würde ich sie befreien!´ ´Dein Tod würde es sein´, antwortete die Schwester, ´wolltest du dich so in den Kampf stürzen! Die Zwerge streiten unsichtbar unter ihren Kappen. Aber nimm diesen Ring, dann wirst du sie sehen!´ Damit steckte sie ihm einen Ring an den Finger und führte ihn zu der Kammer, in der Laurin die Waffen verborgen hatte; half ihm sich zu rüsten, band ihm selbst den Helm auf und gab ihm das Schwert in die Hand. Er aber nahm die Rüstung und Waffen der Genossen, trug sie zum Gewölbe, wo sie harten, und warf sie ihnen durch die erschlossene Tür hinein: das gab einen Klang, der im ganzen Berge widerhallte, so daß Laurin aufschrak und ins Heerhorn stieß. In hellen Scharen strömten die Zwerge auf den Ruf ihres Königs herbei, und er gebot ihnen: ´Laßt mir keinen am Leben!´ Vor dem Gewölbe stand Dietleib, er sprang mitten unter die Andrängenden und ließ sein Schwert kreisen, es war ihm ein Spiel, Hunderte zu erschlagen, da er sie sah. Erst als Laurin selbst ihn anging, geriet der Held In Not, sein Blut rann aus mancher Wunde, und er ward immer dichter ans Tor des Gewölbes gedrängt.

 

Inzwischen hatten sich die Freunde gewappnet, sie sahen Dietleib um sich hauen wie ein Rasender, aber die Feinde blieben ihren Augen verborgen. ´Nimm den Gürtel, den du heut Laurin entrissest´, sprach Hildebrand zu Dietrich, ´er bricht den Zauber!´ Dietrich tat den Gürtel um, und da er sehend ward, sprang er an Dietleibs Seite. Nun wandte sich Laurin gegen ihn, aber der Held hieb ihm den Finger ab, an dem er den Zauberring trug: rasch ergriff Hildebrand den Ring, da ward auch er sehend. Durch das Getümmel drängte sich Künhild heran und warf Wittich und Wolfhart ebenfalls Ringe zu. Jetzt wandte sich das Glück gegen Laurin; es half ihm nichts mehr, daß er einen Zwerg vor dem Berg ins Horn stoßen ließ, um zur Hilfe die Riesen herbeizurufen, die ihm dienstbar waren. Sie kamen mit langen Eisenstangen angelaufen und drangen auf die Helden ein, fünf gegen fünf; aber bald lagen sie in ihrem Blut, das Dietrich und seine Gefährten bis über die Sporen ging. Als Laurin sah, daß keiner seiner Untertanen übrigbleiben würde, wenn die Helden weiter wüteten, warf er sich endlich dem Berner zu Füßen und flehte um Gnade. Trotz seiner Demut und Reue hätte ihn der Held erschlagen, hätte nicht Künhild für ihn gebeten: ´Schenkt ihm sein Leben, das bitte ich bei aller Frauen Ehre! Er tat mir nichts, da ich in seiner Gewalt war!´ Mit ihr baten Hildebrand und Dietleib; da ließ der Held sich erweichen und gebot auch Wittich und Wolfhart, die Schwerter einzustecken.

 

Die Zwerge nahm er in Eid und Pflicht, Laurin selbst aber führte er mit sich nach Bern; dort mußte der Zwergenkönig bleiben, und er war forthin dem Helden treu. Seine Schwester brachte Dietleib zurück in die Heimat und verlobte sie einem guten Recken."

 

 

-- Das ist das Ende der Mär --

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Dietleib und Künhild --

 

 

 

 

 

 

 



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